Nikolaus-Seminar

Bei einem Seminar des BDKJ Duisburg im Josephshaus lernten angehende Nikoläuse am vergangenen Samstag alles, was für ihren Einsatz wichtig ist. Ein Bericht der WAZ.


Wo Nikoläuse das richtige Schreiten und Sprechen lernen

Auch das richtige Schreiten in voller Montur will gelernt sein. Das übten die Nachwuchs-Nikoläuse bei einem Seminar am Samstag in Duisburg. (WAZ-Foto: Jörg Schimmel)
Auch das richtige Schreiten in voller Montur will gelernt sein. Das übten die Nachwuchs-Nikoläuse bei einem Seminar am Samstag in Duisburg. (WAZ-Foto: Jörg Schimmel)

Von Katharina Draub

Ein Seminar des BDKJ zeigt allen Anwärtern, was alles wichtig ist, um mit weißem Rauschebart und im roten Mantel eine gute Figur abzugeben.

Der Chormantel, die Albe, die Stola, das Zingulum, eine weiße Perücke und ein dazu passender weißer Bart, dann noch die Mitra, das goldene Buch und der Bischofsstab: Vor wenigen Minuten saß Damian Smolinski noch als Teilnehmer im Seminar, jetzt ist er ein waschechter Nikolaus – und kaum noch wiederzuerkennen.

„Wir erklären hier aber nicht nur die korrekte Einkleidung, sondern sprechen auch über die verschiedenen Legenden oder die Abläufe in den jeweiligen Einrichtungen“, erklärt Stephanie Schulze vom BDKJ. „Im Altenheim sollte man zum Beispiel darauf achten, stets langsam, deutlich und laut zu sprechen. Außerdem ist es wichtig, auf die Menschen dort zuzugehen“, weiß Teilnehmer Martin Günther.

Die verschiedenen Weihnachts-Legenden vermitteln

Unter den Nachwuchs-Nikoläusen ist auch Kim Simonis, die in diesem Jahr zum ersten Mal als Nikoläusin unterwegs sein wird. „Die Kinder in der Jugendhilfeeinrichtung, in der ich arbeite, wussten nicht, warum wir Weihnachten feiern. Daher möchte ich mich hier über die verschiedenen Legenden informieren und diese vermitteln“, erzählt die 28-Jährige. „Das Geschlecht ist egal, wichtig ist die Botschaft.“ Das sieht auch Stephanie Schulze so: „Es geht um die Wertevermittlung. Die Nächstenliebe hat nichts mit dem Geschlecht zu tun.“ Als Nikoläusin hat sie bereits im Vorjahr Erfahrungen gesammelt: „Die Kinder hat es nicht interessiert, dass eine Frauenstimme erklang. Sie waren nur begeistert.“

Ganz wichtig: Immer auf die Kinder eingehen

Smolinski wird dieses Mal als Nikolaus im Hospiz und in der Familie auftreten und dort Kinder glücklich machen: „Bei Kindern ist es wichtig, auf sie einzugehen. Man sollte nicht nur viel erzählen, sondern auch sehr gut zuhören können.“ Falls man von den Kindern aus der Familie doch erkannt werden sollte, hat der 29-Jährige einen Plan: „Dann sollte man die Wahrheit sagen und erklären, dass wir nicht der echte Nikolaus sind, sondern ihn nur verkörpern.“

Ein Höhepunkt im Seminar ist die große Einkleidung. 17 Nikoläuse marschieren elegant mit ihren Bischofsstäben im Dellviertel die Goldstraße entlang und ziehen die Blicke auf sich. „Man schreitet direkt anders. Und es ist sehr warm“, sagt Smolinski und lacht. Kai-Uwe Richter hat sein Nikolaus-Kostüm selbst genäht. Er findet: „Auf einmal ist man eine ganz andere Person und verhält sich auch anders. Das ist eine würdevolle Sache.“ Auch sein goldenes Buch ist selbst gemacht, trotzdem passt er sich der Zeit an: „Ich nutze auch oft ein Tablet, das ich dann in das Buch lege.“ Thomas Jung von Adveniat meint: „Es muss zu euch passen, dann ist es egal, ob ihr ein Buch oder Tablet in der Hand habt.“

Strahlende Kinderaugen sind der schönste Lohn

Ein „echter“ und erfahrender Nikolaus versteckt sich auch unter den Teilnehmern. Nikolaus Klöcker spielt seit 42 Jahren jedes Jahr diese Rolle. „Die strahlenden Kinderaugen sind einzigartig. Das ist wundervoll“, schwärmt er. Trotz seiner Erfahrungen findet der 74-Jährige die Schulung spannend: „Man lernt doch immer dazu. Heute Morgen war ich noch gegen Nikoläusinnen. Jetzt aber finde ich, dass sie auch über die Werte des Nikolauses erzählen können.“

Das Nikolaus-Zertifikat gibt es für alle Teilnehmer am Ende des Seminartages. „Das macht sich wirklich gut im Lebenslauf“, sagt Schulze und lacht. Jung ist begeistert: „Tolle Truppe, toller Tag.“

(aus: waz.de, 29.10.17)