St. Peter

Aus der Festschrift „100 Jahre St. Peter Duisburg-Hochfeld 1900-2000“

Zur Geschichte von St. Peter Duisburg-Hochfeld


Alte St. Peter-Kirche
Alte St. Peter-Kirche

1897 - Erste Kirche an der Fehrbellinstraße

Wegen der rasanten Zunahme der Bevölkerung, bedingt durch die Entwicklung der Industrie in Hochfeld, wuchs schon in den Jahren um 1880 die Erkenntnis, dass auch nördlich von St. Bonifatius eine weitere katholische Kirche notwendig würde. St. Bonifatius und St. Joseph wurden 1871 gebaut. Schon 1896 zählte St. Bonifatius bereits 11.900 Seelen. Aus dieser Überzeugung heraus wurde bereits 1888 der St. Petri-Kirchbauverein gegründet. Die Leitung dieses Vereins übernahm der Rektor der kath. Schule an der Werthauser Straße, Herr Alois Menne.

Der Bauplatz von Alt-St. Peter wurde durch die Firma Kiefer gestiftet. Er lag an der Petristraße Ecke Fehrbellinstraße, auf der Grenze von St. Bonifatius und St. Joseph. Die Baukosten betrugen im Jahre 1897, nach Erinnerung des ersten Pfarrers Gunsthövel, ca. 65.000 Mark. Die neugotische Kirche wurde der Josephkirche in Münster nachgebildet. Sie soll Platz für 1.500 Personen gehabt haben. Am 10. Oktober 1897 wurde das Gotteshaus feierlich eingeweiht. Der Seelsorgebezirk stammte zum größten Teil von St. Bonifatius, zum kleineren von St. Joseph. Von 1897 bis 1900 war St. Peter Filialkirche von St. Bonifatius und St. Joseph. Pfarrrektor wurde Bernhard Gunsthövel aus Hiltrup. Vor seiner Ernennung war er Kaplan in Meiderich.

Am 10. April 1900 erhob Bischof Hermann Dingelstätt von Münster St. Peter zur selbstständigen Pfarrei. Am 26. Juni 1900 erfolgte die Bestätigung durch die königliche Regierung in Düsseldorf. Durch eine feierliche auf echtem Pergament geschriebene lateinische Urkunde verlieh am 6. Juli 1900 der Bischof der neuen Pfarre die geistlichen und kirchlichen Rechte. Am Sonntag, dem 8. Juli 1900 verkündete der zum Pfarrverwalter ernannte Bernhard Gunsthövel den Gläubigen diese Urkunde, die mit diesem Tage dann in Kraft trat. Am 3. August 1900 wurde Bernhard Gunsthövel zum Pfarrer ernannt. Bernhard Gunsthövel aus Hiltrup, geb. 9. Februar 1859, war bei seiner Einführung erst 41 Jahre alt. In seiner Amtszeit wurden auch Pastorat, Kaplanei und das Annahaus errichtet. Die äußere Feier der Pfarrerhebung und die Einführung des ersten Pfarrers fanden am 9. September 1900 in einem feierlichen Levitenamt statt. Die neue Gemeinde hatte bei ihrer Gründung bereits 7.200 Gemeindemitglieder, diese wuchsen im Laufe der Jahre immer stärker an.

1912 wird Pfarrer Gunsthövel als Dechant nach Borken versetzt. Sein Nachfolger wird Anton Schlieker aus Ahlen. Er bleibt Pfarrer von St. Peter bis zu seinem Tod im Jahre 1944. Von 1908 bis 1945 wirkten in der Gemeinde neben dem Pfarrer immer drei Kapläne.

Erwähnt werden muss auch das segensreiche Wirken der 1910 in die Gemeinde kommenden Ordensschwestern von der Göttlichen Vorsehung. Ihre Hauptarbeit leisteten sie bis zum Umzug nach Neu-St. Peter im Annahaus. Kindergarten, Kinderhort, Näh- und Handarbeitsschule, ambulante Krankenpflege, Hilfe in der Sakristei, Blumenschmuck und Kirchenwäsche, Leitung des Pfarrbüros sind einige der vielen Tätigkeiten, die die Schwestern im Laufe der Jahre übernommen haben. Im Jahre 1979 verließen die letzten Schwestern die Gemeinde. Ihr Weggang wurde von allen sehr bedauert.

1914 war die Zahl der Gemeindemitglieder auf über 13.000 angestiegen. Nach dem ersten Weltkrieg wurde in die Kirche eine Heizungsanlage eingebaut. Zum gleichen Zeitpunkt erhielt sie eine elektrische Beleuchtung. Das Gotteshaus war zunächst als Notkirche gedacht und sollte später durch einen Neubau ersetzt werden. Krieg und Inflation haben dies verhindert, sodass sich Pfarrer Schlieker 1930 entschloss, große Erneuerungs- und Renovierungsarbeiten vorzunehmen. Die Holzdecke wurde entfernt und durch ein Rabitzgewölbe ersetzt. Im Altarraum wurden Boden und Wände mit Marmor verkleidet. Der übrige Kirchenraum bekam einen Bodenbelag aus Schiefer und wurde in hellen Farben ausgemalt.

Im zweiten Weltkrieg entstanden große Schäden an der Kirche und den übrigen Gebäuden. Bei zahllosen Luftangriffen wurden auch viele Häuser von Gemeindemitgliedern zerstört. Es gab viele Tote zu beklagen.

Am 23. März 1944 verstarb Pfarrer Schlieker. 32 Jahre war er der Gemeinde ein guter Hirte gewesen.

Zu seinem Nachfolger wurde Ferdinand Steegemann ernannt. Erst nach Beseitigung schwerer Schäden an Kirche und Pfarrhaus durch viele freiwillige Helfer konnte seine feierliche Einführung am 11. Juni 1944 stattfinden. Nach nur einem Jahr verzichtete Pfarrer Steegemann wegen seines schweren Herzleidens auf die Pfarrstelle von St. Peter.

Neuer Pfarrer wurde Wilhelm Grewer, geb. in Kirchhellen, zuletzt Kaplan in Neukirchen-Vluyn. Er wurde am 21. Oktober 1945 eingeführt.

Erst am 20. Juli 1952 wurde die Kirche durch den Weihbischof von Münster, Heinrich Baaken, konsekriert. Vor seiner Bischofsweihe war Heinrich Baaken Pfarrer von St. Bonifatius.


Neue St. Peter-Kirche
Neue St. Peter-Kirche

1969 - Neue Kirche an der Brückenstraße

Schon in den 30er Jahren plante die Stadt Duisburg eine von der Rheinbrücke kommende Umgehungsstraße, die durch das damalige Pfarrzentrum führen sollte. Die heutige Rudolf-Schock-Straße führt genau durch die alte Pfarrkirche. Diese Pläne wurden in den 50er Jahren wieder akut, sodass Pfarrer Grewer mit seinem Kirchenvorstand, auf Anordnung der bischöflichen Behörde in Münster, nach einem neuen Grundstück Ausschau hielt. In diesen Jahren wurde der Westteil unseres Gemeindebezirkes immer mehr von der Industrie angeknabbert. Viele Familien zogen aus Hochfeld fort.

Ab 1960 wird mit der Stadt intensiv um den Ankauf des Geländes der ehemaligen Schule an der Brückenstraße verhandelt. 1961 sind die Kaufverhandlungen unter Dach und Fach. Es wird wieder ein Kirchbauverein gegründet. Nun beginnen die umfangreichen Planungen und Vorbereitungen für den Neubau eines kompletten Pfarrzentrums.

Im Herbst 1968 wird mit dem Neubau nach Plänen des Architekten Manfred Ludes aus Dorsten begonnen (erste Fundamentarbeiten).

Im Dezember 1968 wird Benno Berkenkopf durch den Bischof von Essen zum Pfarrer von St. Peter ernannt. Pastor Berkenkopf stürzt sich mit viel Elan in den Neubau des Pfarrzentrums. Er versteht es auch, die neugeschaffenen Räume mit Leben zu füllen.

Wilhelm Grewer bleibt, als Pfarrer in besonderem Dienst, in der Gemeinde. Papst Paul VI. ernennt ihn 1972, anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums, zum päpstl. Ehrenkaplan. Er stirbt am Tag seines 65jährigen Priesterjubiläums am 10.06.1987. Prälat Grewer wird 95 Jahre alt.

Am 16. März 1969 ist die Grundsteinlegung der neuen Kirche. Am 7. Dezember 1969 weiht der Essener Bischof Dr. Franz Hengsbach die neue St. Peter Kirche. Die Gemeinde hat 6600 Mitglieder. Im neuen Pfarrzentrum entwickelt sich ein reges Gemeindeleben. Viele Gruppen und Aktivitäten werden neu ins Leben gerufen. Die Petrianer sind begeistert bei der Sache.

Im Sommer 1985 verkündet Pfarrer Berkenkopf der Gemeinde, dass der Bischof ihn als Pfarrer nach Herz Jesu in Duisburg-Neumühl versetzt hat. Die Gemeinde ist schockiert und kann sich nur sehr schwer damit abfinden.

Neuer Pfarrer wird Ferdinand Serres aus Essen. Er kann nur neun Jahre in Hochfeld wirken, dann wird er durch Bischof Dr. Hubert Luthe zum Pfarrer von St. Elisabeth in Essen-Schonnebeck ernannt. An seine Zeit erinnern die großen Gemeindefahrten nach Oberammergau, Lourdes, Umbrien und Toscana mit Assisi und Florenz.

Schon ab 1972 beginnen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen der Stadt in Hochfeld. Besonders im Pfarrbezirk unserer Gemeinde werden ganze Straßenzüge abgerissen: Blücherstraße, Blücherplatz, Sedanstraße, Kupferhüttenstraße, Werthauser Straße, Fehrbellinstraße, Vygenstraße, Wallstattstraße, Petristraße, Adelenstraße und Rheinhauser Straße. Auch der Zuzug vieler Mitbürger moslemischen Glaubens hat die Mitgliederzahl von St. Peter in erheblichem Maße reduziert. Heute leben in unserer Gemeinde nur noch 1300 Katholiken.

Nach dem Fortgang von Pfarrer Serres rechnete die Gemeinde schon nicht mehr mit einem eigenen Pfarrer. Doch der Bischof schickte uns Franz-Josef Reidick aus Essen. Er kam von einer der größten Gemeinden des Bistums, St. Georg in Essen-Heisingen, in eine der kleinsten. Seine Einführung war am 1. Adventssonntag 1994. Da Pastor Reidick mit zwei Mitbrüdern im leerstehenden Augustinerkloster von Christus König in einer Wohngemeinschaft wohnt, stand unser eigenes Pfarrhaus auf einmal leer. Pfarrer und Kirchenvorstand konnten aber bald nicht nur das Pfarrhaus, sondern auch das ehemalige Schwesternhaus vermieten und einer neuen wichtigen Nutzung zuführen. Gesundheitliche Gründe zwangen Pastor Reidick dazu, im Herbst 1999 den Bischof um Entpflichtung aus seinem Amt zu bitten. Am 26. September wird er in einem feierlichen Hochamt verabschiedet.

Pfarrer Bernhard Jakschik aus Christus König wird Pfarradministrator von St. Peter. Pastor Reidick wirkt als „Pfarrer im besonderen Dienst“ weiter in Hochfeld.


2000 - Fusion mit den Nachbargemeinden

Seit dem 1. September 2000 haben sich die drei Hochfelder Gemeinden St. Bonifatius, Christus König und St. Peter zu einer neuen Gemeinde in Hochfeld mit dem Namen St. Bonifatius zusammengeschlossen. Pfarrkirche ist St. Bonifatius. Christus König und St. Peter werden Filialkirchen. Pfarrer der neuen Gemeinde ist Bernhard Jakschik.

Was wird die Zukunft bringen? Wie wird es weitergehen? Auf diese Frage soll mit einem Zitat unseres Weihbischofs Franz Grave geantwortet werden, das er bei seiner letzten Visitation in St. Peter im November 1996 in die Pfarrchronik geschrieben hat.

 

Sechs Jahre sind vergangen.
Man kann es mit den Händen greifen,
wie sich die Situation verändert hat.
Wohin geht die Entwicklung?
Was wird aus St. Peter?
Bei allen Fragen:
Wir haben die Gewissheit,
dass der Herr bei uns ist und bleibt
bis zum Ende der Zeit!
Ich wünsche Mut und Zuversicht.


So geht es weiter

01.09.2000
Die Hochfelder Gemeinden St. Bonifatius, Christus König und St. Peter schließen sich zur neuen Pfarrgemeinde St. Bonifatius zusammen. St. Bonifatius wird Pfarrkirche, Christus König und St. Peter werden Filialkirchen.

01.10.2006
Alle Pfarrgemeinden des Dekanates Duisburg-Mitte werden zur neuen Großpfarrei Liebfrauen vereinigt. Innerhalb dieser Großpfarrei wird die bisherige Pfarrei St. Bonifatius zur Gemeinde Christus König mit Christus König als Gemeindekirche, St. Bonifatius als Filialkirche und St. Peter als weiterer Kirche.

St. Peter soll zum sozial-karitativen Zentrum der Pfarrei werden. Das Frauenhilfswerk SOLWODI, der von Caritas und BDKJ getragene „CaKaDu-Treff“ und eine Kleiderkammer sind bereits seit einigen Jahren hier ansässig.

11.11.2007
Zum letzten Mal wird in St. Peter die hl. Messe am Sonntag gefeiert. Der Pfarrsaal und weitere Räume wurden an die Duisburger Tafel vermietet, die hier einen Tafelladen einrichtet. Die Kirche soll nun zum Sozialzentrum umgebaut werden; die Kapelle bleibt für Werktagsgottesdienste erhalten.

16.03.2013
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck weiht das Sozialzentrum St. Peter in der umgebauten Kirche ein.


Pfarrer und Pastöre an St. Peter

1897-1912 Bernhard Gunsthövel
1912-1944 Anton Schlieker
1944-1945 Ferdinand Steegemann
1945-1968 Wilhelm Grewer
1968-1985 Benno Berkenkopf
1985-1994 Ferdinand Serres
1994-1999 Franz-Josef Reidick
1999-2009 Bernhard Jakschik
seit 2009 Burkhard Jehl