Liebfrauen (13.-19. Jhdt.)

Die katholische Gemeinde von Duisburg seit der Reformation

Geschichtliche Notizen von B. Vennewald, Pfarrer

Eine Festgabe zur Grundsteinlegung der zweiten katholischen Kirche

Der Rein-Ertrag ist für den Kirchenbau

Duisburg, 1871
Im Selbstverlage des Verfassers
In Commission der I. Hamel'schen Buchhandlung

Corputius-Plan: Duisburg 1566
Corputius-Plan: Duisburg 1566


Vorwort

Vorliegendes Schriftchen macht auf Ausführlichkeit und Vollständigkeit nicht den mindesten Anspruch; es enthält eben nur geschichtliche Notizen, wie sie sich dem Verfasser bei der Durchsicht des Pfarr-Archivs, außer welchem ihm keine anderen Quellen zu Gebote standen, darboten. — Die vielen Mängel darin möge man mit der geringen Zeit entschuldigen, die zur Bearbeitung übrig blieb. — Veranlassung zu demselben ist nicht allein das im nächsten Jahre statthabende Jubiläum des 600jährigen Alters der jetzigen katholischen Pfarrkirche, sondern vor Allem das gegenwärtige Ereigniß der Grundsteinlegung einer zweiten katholischen Kirche in Duisburg, wodurch für die hiesige katholische Gemeinde eine Periode beginnt.

Es sind jetzt 300 Jahre, seit die Reformation in Duisburg Eingang fand. — Die hier zusammengestellten, allerdings dürftigen Notizen, gewähren doch einen Blick in die Erlebnisse und Verhältnisse der katholischen Gemeinde in diesem langen Zeitraume; und der Vergleich der jetzigen Zeit mit der früheren zeigt, daß vieles ganz anders und besser geworden ist, namentlich was das friedliche und einträchtige Zusammenleben der beiden Confessionen betrifft.

So wird denn das Schriftchen, wie ich hoffe, den zunächst Betheiligten, nämlich meinen Pfarrkindern, eine willkommene Festgabe sein. — Und auch den übrigen Einwohnern Duisburgs, welche sich für die geschichtlichen Ereignisse der Stadt und auch für die katholische Gemeinde interessiren, ebenso den Katholiken von Ruhrort, welche darin die Anfänge ihrer Gemeinde finden, dürfte es nicht unwillkommen sein.

Mögen durch dasselbe auch noch einige Bausteine für die neue Kirche erzielt werden.

Duisburg, am 1. Juni 1871

Der Verfasser


I. Kirchenwesen

   1. Vor der Reformation

Die Geschicke der katholischen Gemeinde in Duisburg seit der Reformation schließen sich so enge an das hiesige Menoritenkloster, daß eine Notiz über die Gründung desselben nicht überflüssig sein dürfte.

Die Minoriten-Patres (fratres minores S. Francisci Seraphici, welcher im Jahre 1226 starb) wurden von Magdeburg nach Duisburg berufen um das Jahr 1265. Die Herzoge von Limburg übergaben den Minoriten ein ihnen zugehöriges Haus (eine Burg, Arx) an der Stadtmauer, welches zu einem Kloster umgebaut und eingerichtet wurde, nebst einer von ihnen erbauten Kirche frei von allen Lasten und Abgaben. Im Jahre 1272, am ersten Sonntage nach Pfingsten, wurde die Kirche eingeweiht und nahmen die Minoriten im selben Jahre Haus und Kirche in Besitz. — Die Kirche ist die jetzige katholische Pfarrkirche; mithin die älteste katholische Kirche von Duisburg; sie ist jetzt gerade 600 Jahre alt. — Daß damals schon die ganze Kirche und nicht bloß, wie man wohl gemeint hat, der Chor gebaut war, geht nicht allein aus der Bauart, sondern vorzüglich daraus hervor, daß nach der Kloster-Chronik im Jahre 1315, also 43 Jahre später, der Weihbischof von Cöln, Johannes, episcopus Scopulensis, das Jahrgedächtnis der Weihe der Kirche vom ersten Sonntage nach Pfingsten auf den ersten Sonntag nach Jakobi verlegte, und daß damals außer dem Hochaltare 6 Altäre in der Kirche aufgezählt werden.

Die Grafen bezüglich die Herzoge von Limburg standen zu Duisburg in einem sehr nahen Verhältnisse. Der Graf Walram II. von Limburg war im Jahre 1129 vom Kaiser Lothar II. bei dessen Anwesenheit in Duisburg zum Foresto des Duisburger Waldes und zum Schirmherrn von Duisburg ernannt, und blieb diese Würde bei den Limburgern, bis sie mit Erlöschung des Stammes auf die Grafen von Geldern überging, 1282. — Die Limburger hatten bedeutende Besitzungen in und bei Duisburg.

[Stiftung des Minoritenklosters]

Mit der Berufung der Minoriten nach Duisburg und der Stiftung eines Klosters für dieselben hat es folgende Bewandniß: Der Graf Friedrich von Isenburg, der Schwestermann des Herzogs Walram III. von Limburg, hatte im Jahre 1225 zwischen Gevelsberg und Schwelm in der Mark den Erzbischof von Cöln, den h. Engelbert, meuchelmörderischer Weise umgebracht. Der Herzog von Limburg, Walram III., war nicht nur der Mitwissenschaft, sondern auch der Mitwirkung an dieser schändlichen That beschuldigt. Zu ihm floh seine unglückliche Schwester, die Witwe Friedrich's von Isenburg, mit ihren Kindern und brachte ihre Tage in Trauer hin. Walram, entweder um seine Gewissensbisse zu beschwichtigen oder um die empörten Gemüther, namentlich der Vornehmen in Cöln, zu besänftigen, beschloß, zur Sühnung seiner Frevelthat auf seiner Besitzung in Duisburg ein Kloster nebst Kirche zu erbauen und den Minoriten zu übergeben, angeregt durch das Beispiel der Mutter des Grafen von Isenburg, welche zur Sühnung derselben Frevelthat nach einer Wallfahrt zu den Gräbern der Apostel in Rom das Kloster zu Limburg an der Lenne für die Prämonstratenser-Nonnen bauete und in demselben ihre Tage in fortwährenden Bußübungen beschloß.


[Kirchen und Klöster in Duisburg]

Unmittelbar vor der Reformation finden wir in Duisburg folgende Kirchen und Klöster:

1. Die Salvator- oder Erlöserkirche (ad S. Salvatorem) war die Pfarrkirche. Sie war gestiftet von dem Cisterzienserkloster in Prüm in der Eifel und wurde von diesem später an die Hospitalbrüder vom h. Grabe übermacht. Die Kirche wurde stets von Deutsch-Ordenspriestern bedient. — Der Bau der jetzigen Salvatorkirche begann 1415 und wurde erst 1507 völlig zu Ende gebracht, nachdem der Thurm während des Baues einmal abgebrannt war. — An dieser Kirche fungirte ein Pfarrer mit 2 Kaplänen.

2. Eine Kapelle auf dem Kirchhofe der Salvatorkirche an welcher ein Rector fungirte.

3. Die Marien-Kirche, gestiftet im Jahre 1187, wurde ebenfalls den Hospitalbrüdern übergeben. Sie war eine Kommende und stand unter der Verwaltung eines Kommendators mit zwei anderen Geistlichen. Eine selbstständige Pfarrkirche war sie nie. — Die jetzige Marienkirche stammt ihrer Bauart nach aus dem vorigen Jahrhundert.

4. Das adelige Frauenkloster Cisterzienser-Ordens in Düssern, Maria-Brunn genannt, gestiftet 1234 von dem Duisburger Bürger Alexander Tacke. — Die Nonnen wohnten seit 1615 auf der Niederstraße.

5. Das Petersthaler Kloster. — Eine Greta Wismonts in Duisburg hatte das ihr zugehörende Haus nebst Land (cum pertinentiis) den Brüdern der dritten Regel vom h. Franziskus überlassen. Dies Vermächtniß wurde 1484 am 26. November notariell gethätigt von den Erben der Marg. Wismonts, nämlich Roderich Tibus, welcher dem Orden angehörte, Johann Ort, Ehemann von Elisabeth Tibus, Bürger von Cöln, und Jakob Tibus. — Schon im Jahre 1498 ging das Kloster in den Besitz der Kreuzbrüder über.

6. Das Minoriten-Kloster. Siehe oben.

7. Das Kloster der Jungfrauen zur h. Katharina.

8. Das Nonnenkloster der dritten Regel des h. Franziskus zu Elisabethen-Berg (claustrum ad montem S. Elisabethae.) Diese Nonnen wurden auch Beguinen genannt.

9. Das Kloster der büßenden Schwestern (ecclesia puellarum poenitentium).

10. Eine Hospital-Kapelle, wahrscheinlich im Gasthause.


   2. Die Reformation

Duisburg gehörte zur Zeit der Reformation in politischer Beziehung zum Herzogthum Cleve, in kirchlicher zum Erzbisthum Cöln und stand als eigenes Dekanat unter dem Xantener Archidiakonat.

Die Reformation fand in den vereinigten Herzogthümern Jülich, Cleve und Berg unter der Regierung des Herzogs Wilhelm (regierte von 1539-1592) freien Eingang. Er selbst war katholisch und blieb es auch, war jedoch den Neuerungen nicht abhold, wollte aber eine Reform durchführen ohne förmliche Trennung von der katholischen Kirche. Er that wenig zur Förderung und wenig zur Unterdrückung der Reformation. Da er der Ausbreitung des Protestantismus gar kein Hinderniß in den Weg legte, so hing es in den einzelnen Gemeinden bloß von dort zufällig wirkenden Kräften ab, ob sie die neue Lehre annahmen oder der alten treu blieben; hing ab von der Aufforderung des Pfarrers oder von der Anregung eines Kaplans oder von der Bestimmung des Magistrats oder von der Bestimmung der Gutsherrschaft, ob der Gottesdienst mehr oder weniger nach den neuen Grundsätzen eingerichtet, und die Verkündigung des göttlichen Wortes nach der neuen Lehre gehandhabt wurde.

[Allmäliger Eingang der Reformation]

Weil nun in Duisburg weder ein Landesherr, noch der Magistrat, noch eine Gutsherrschaft, noch überhaupt irgend eine äußere Gewalt, wie das in vielen anderen Gegenden geschah, zur Annahme der neuen Lehre zwang, so fand dieselbe auch nur ganz allmälig Eingang. — Gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts wurden für dieselbe in Duisburg einzelne Anhänger gewonnen. Diese wurden vermehrt durch verschiedene Einwanderungen in unsere Gegenden aus Frankreich, Brabant und Sachsen. Später kamen auch, veranlaßt durch die versuchte Wiederherstellung der katholischen Religion in England Seitens der Königin Maria (regierte seit 1553) viele Flüchtlinge aus England, welche sich in der Gegend von Wesel bis Duisburg niederließen. Durch diese Eingewanderten gewann das reformirte Bekenntniß allgemeine Verbreitung. — Bis über die Mitte des 16. Jahrhunderts hinaus waren die Pfarrer an der Salvatorkirche noch katholisch, neigten jedoch schon zu der neuen Lehre hin. Der Pfarrer Peter von Weiden machte bereits einige Neuerungen im Gottesdienste in der Salvator- und Marienkirche. Ebenso seine Nachfolger Johann Leer, Johann von der Burg, Peter Christmann und Johann Kleinsorge. Dieser war der letzte dem Namen nach katholische Pfarrer. Nach seinem Tode im Jahre 1568 wurde der reformirte Prediger von Friemersheim, Heinrich Bommel, ein früherer Augustiner-Mönch, nach Duisburg berufen, welcher den Gottesdienst in der Salvator- und Marien-Kirche ganz nach reformirtem Ritus einrichtete. — Hätte in damaliger Zeit der Pfarr-Klerus seine Pflicht gethan und wäre nicht selbst untüchtig, schal und verrottet gewesen, so würde die Reformation in Duisburg, da gar kein äußerer Zwang obwaltete, keine Verbreitung gefunden haben.

Deßungeachtet kann man nicht sagen, daß damals, im Jahre 1568, die Reformation in Duisburg schon vollständig zum Durchbruche gekommen, und daß ganz Duisburg auf einmal protestantisch geworden sei; denn alle Klöster ohne Ausnahme und der größte Theil der Bürger, namentlich der bessern eingebornen Bürger, waren bis dahin der alten Lehre getreu geblieben. Die Umänderung des Gottesdienstes in der Salvator- und Marien-Kirche war mehr das Werk der daselbst fungirenden Geistlichen; was um so eher geschehen konnte, da der Name eines verschiedenen Bekenntnisses, eines lutherischen, reformirten oder katholischen noch gar nicht so ausgeprägt und zum Bewußtsein des Volkes gekommen war, wie heut zu Tage, und da außerdem in dem Innern der Kirchen gar nichts geändert wurde; Altäre, Bilder ⁊c. wurden beibehalten. Es will scheinen, als habe man in Duisburg selbst nicht so recht gewußt, an was man sich zu halten habe. — Daher blieben auch die Klöster, wenigstens bis zum Jahre 1580, ganz unbehelligt, und die 1580 von Romeln bei Mörs vertriebenen Nonnen vom 3. Orden des h. Franziskus suchten und fanden in Duisburg ein Asyl. — Selbst noch viele Jahre später waren nach Zeugniß des alten Tauf- und Einnahme-Buches Magistrat, Schöffen und die angeseheneren Bürger zum großen Theile katholisch. Im Jahre 1613 war der Schultheiß noch katholisch. In den Jahren 1624 und 1627 werden der Bürgermeister Eberhard von Dript nebst seiner Ehefrau Sibylla von Redinghoven, die Schöffen Johann Dorns sammt seiner Ehefrau Helena Preem und Otto von Voigt als katholisch aufgeführt. Letzterer wurde bei den Kreuzbrüdern begraben.

Im Jahre 1580 war die Zahl der Minoriten in Duisburg durch ansteckende Krankheiten so sehr zusammengeschmolzen, daß man beschloß, den Convent zeitweilig, bis die Zahl der Brüder sich wieder vermehrt haben würde, zu verlassen. Die Mobilien des Klosters und der Kirche wurden inventarisirt und der Aufsicht eines weltlichen Rentmeisters übergeben. Das Klostergebäude wurde theilweise an die aus Romeln vertriebenen Nonnen vermiethet.

Im Jahre 1582 wurden auch die adeligen Nonnen aus ihrem Kloster Marienbrunn in Düssern gewaltsam vertrieben. An diese wurde der andere Theil des Minoritenklosters vermiethet bis zum Jahre 1615. Wie lange sie mit den erstgenannten Nonnen das Kloster gemeinschaftlich bewohnten, ist nicht bekannt, da nicht vorliegt, wann jene wieder abgezogen sind.

Im Jahre 1610 wurde in Duisburg die erste General-Synode der Reformirten der Jülich-Cleve-Berg'schen Lande gehalten, auf welcher die Verfassung und Kirchenordnung bestimmt und festgesetzt wurde.


Die Bilderstürmerei

Das Jahr 1613 war für Duisburg verhängnißvoll. Am 8. Juni des Morgens schlug der Blitz in den Salvatorthurm, welcher niederbrannte bis auf die Glocken, die ebenfalls vom Feuer verzehrt wurden.

Die beiden Prediger Maternus Heyderus und Petrus Scriverius, welche schon lange das Volk angestachelt hatten, gaben dies Unglück für ein Zeichen des Zornes Gottes aus über die Beibehaltung der Messe und der Bilder und reizten es auf zu den gräulichsten Gewaltthätigkeiten. Mit wilder Wuth stürmte der bethörte Volkshaufe in die Kirchen, um die noch gebliebenen Reste der katholischen Religion zu zerstören. Am Sonnabend den 8. Juni, Abends 10 Uhr, drang ein Haufe in die Salvatorkirche und begann die Altäre, den Taufstein und die Bilder abzubrechen, und zu zertrümmern. Am Montag den 10. Juni wurde das Werk fortgesetzt, und wurden auch die künstlich geschnitzten Chorstühle zerschlagen. Am Dienstag den 11. sollte derselbe Scandal in der Marienkirche beginnen. Die Stürmer fanden aber die Kirche mit etwa 60 Bürgern besetzt, welche den Unfug abwehrten. Jedoch am Mittwoch den 12. gelang ihnen ihr gottesräuberisches Unternehmen; Altäre, Chorstühle, Bilder ⁊c. wurden demolirt. Am selben Abende drangen sie in die Kirche des 3. Ordens des h. Franziskus (Beguinen) ein und richteten dort die gleiche Verwüstung an. — Am Montag den 17. ging's Abends zum Minoritenkloster, welches damals von den Düssern'schen Nonnen bewohnt wurde. Man verwüstete die Kirche, zerschlug Bilder, Orgel und Chorstühle, brach in die Sakristei und raubte und profanirte die h. Gewänder. — Das Kreuzbrüder- und Katharinenkloster ließ der Schultheiß mit Bürgern besetzen, weshalb dieselben verschont blieben.

Der Schultheiß, die Bürgermeister und Schöffen boten Alles auf, um dem gräulichen Unfuge Einhalt zu thun; allein sie wurden von dem durch die Prediger aufgereizten Pöbel mit Hohn und Spott zurückgewiesen und thatsächlich mißhandelt.

Dies gottesräuberische Verbrechen wurde später amtlich untersucht, und wurden die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen und zu einer nicht unbedeutenden Geldstrafe verurtheilt. — Den beiden Predigern wurde vom städtischen Magistrate ihre Absetzung und Entlassung angekündigt. Ob selbe wirklich stattgefunden, erhellt nicht, da sie mit einer Bittschrift sich nach Cleve wendeten.

Im Jahre 1615 wurde das Minoritenkloster von den Brüdern wieder in Bewohnung genommen. Da die Zahl der Ordensbrüder wieder angewachsen war, kehrten dieselben nach einer 35jährigen Abwesenheit unter dem Guardian P. Markgraf nach Duisburg zurück. Kirche und Kloster wurden reparirt, und am 30. August wurde in feierlicher Prozession das h. Sakrament aus der Kirche der Schwestern vom 3. Orden des h. Franziskus zur Minoritenkirche gebracht. — Die Feier wurde erhöht durch die Theilnahme der Spanier und ihrer Heerführer, welche damals in Duisburg lagen.

Um das Jahr 1622 fielen auch die Nonnen der h. Katharina vom katholischen Glauben ab.


   3. Die katholische Gemeinde unter Leitung der Kloster-Geistlichkeit

Mit der Salvator- und Marienkirche trat nach und nach der größte Theil der Einwohner Duisburgs zum reformirten Glauben über. Die treugebliebenen Katholiken schlossen sich an die beiden Klöster der Minoriten und der Kreuzbrüder, denen von der geistlichen Oberbehörde in Cöln die Seelsorge und Jurisdiction über dieselben übergeben wurde. Die Minoriten übten dieselbe nachweislich seit 1575; wohl eben so lange auch die Kreuzbrüder. Dadurch entstanden zwei katholische Pfarren, nämlich die Minoriten- und die Kreuzbrüder-Pfarre. Jedoch hatte jede Pfarre nicht einen örtlich abgegrenzten Bezirk, sondern es blieb den Katholiken überlassen, zu welcher Pfarre sie gehören wollten. Factisch aber bildete sich, wie aus den Pfarrregistern hervorgeht, eine bestimmte Abgrenzung der beiden Pfarren. Zur Minoriten-Pfarre hielten sich die Katholiken in der Stadt, mit Ausnahme der wenigen, welche in der Nähe des Maria-Thores wohnten, ferner die Katholiken von Düssern und später die Katholiken von Ruhrort, welches jedoch vor Anfang dieses Jahrhunderts nur einzelne wenige Katholiken zählte. — Zur Kreuzbrüder-Pfarre hielten sich die Katholiken im südlichen Theile des Marien-Viertels, die wenigen Katholiken in der Feldmark, in Wanheim-Angerhausen, in Caßlerfeld und Neuenkamp. Diese Pfarre war übrigens sehr klein und enthielt kaum den dritten Theil der katholischen Einwohner Duisburgs. — Die Pfarrbücher der Minoriten beginnen erst mit dem Jahre 1622; von den Kreuzbrüdern sind dieselben nur noch vom Jahre 1760 vorhanden.

Die beiden katholischen Pfarren, welche sich aus der Noth der Verhältnisse herausgebildet hatten, waren ohne alles Vermögen und ohne jegliche äußeren Mittel; denn alle geistlichen Stiftungen und alle kirchlichen Fonds für Arme und sonstige milden Zwecke waren in die Hände der Protestanten übergegangen. Weder für kirchliche Bedürfnisse, noch für Arme und Nothleidende waren irgendwelche Hülfsquellen vorhanden. Selbst die Pfarrkirchen nebst Zubehör gehörten den beiden Klöstern; und diese versahen die Pfarrverwaltung und den Gottesdienst ohne alle Vergütung. Erst mit dem Abschlusse des westfälischen Friedens 1648, wo die Minoriten-Pfarre staatlich anerkannt wurde, erhielt das Kloster jährlich 23 Thaler 18 Stüber von der Staatsbehörde für die Pfarrverwaltung vergütet. — Von der Kreuzbrüder-Pfarre liegt nichts vor.

Als die Reformation bereits zum Durchbruche gekommen war, war doch die Zahl der Katholiken im Anfange nicht so geringe, wie später. Die Kirchenbücher der Minoriten-Pfarre weisen nach im Jahre 1623 34 Taufen; im Jahre 1624 25 und im Jahre 1627 24 Taufen; im Jahre 1623 27 Kopulationen. (Siehe Anhang II.) Nehmen wir dazu die muthmaßliche Seelenzahl der Kreuzbrüder-Pfarre, so dürfen wir immerhin für die katholische Gemeinde noch auf eine Größe von 800 bis 1000 Seelen schließen. — Zu den folgenden Jahren bis 1700 schmolz die Zahl der Katholiken immer mehr zusammen. Nach Maßgabe der Kirchenbücher zählte die ganze katholische Gemeinde von 1650-1700 nicht über 300-350 Seelen.

Der Grund dieser Abnahme lag theils in Auswanderung von Katholiken, theils in Uebertritten zum Protestantismus; beides veranlaßt durch den Druck, der nach dem damaligen Geiste der Unduldsamkeit auf die Katholiken ausgeübt wurde.

Die ganze folgende Geschichte der katholischen Gemeinde durch anderthalb Jahrhunderte hindurch ist eine fortgesetzte Reihenfolge von Anfechtungen und Drangsalen, welche dieselbe zu erdulden, und von Kämpfen, welche sie zu bestehen hatte. Die Mönche, sowie auch die Katholiken waren den verschiedenartigsten Vexationen ausgesetzt. Es ist allerdings unerquicklich, dieselben wieder aufzurühren, da jetzt ein ganz anderer Geist herrscht; um jedoch die damalige Lage der Katholiken einigermaßen zu veranschaulichen, soll von den Drangsalen derselben, welche das Kloster-Archiv berichtet, nur Einiges aufgeführt werden. Im Jahre 1640 wurde eine holländische Besatzung in Duisburg gelegt. Der Gouverneur und die Heerführer verboten den Katholiken die Ausübung ihrer Religion und forderten die Uebergabe der Kirchenschlüssel. Auf eine Beschwerde der Katholiken nach dem Haag, welche von der erzbischöflichen Behörde in Cöln unterstützt wurde, wurden ihnen durch Rescript vom 8. März 1641 die Kirchenschlüssel wieder ausgeliefert, und die Ausübung der Religion gestattet.

Im Jahre 1648 wurde den Katholiken verboten, eine Schule einzurichten.

Im Jahre 1650 wurde beschlossen, daß katholische Waisenkinder nur dann in das gemeinschaftliche bürgerliche Waisenhaus sollten aufgenommen werden, wenn für sie das Versprechen abgelegt würde, daß sie im reformirten Glauben erzogen werden sollten.

Den Armen der katholischen Gemeinde wurden die Almosen aus den uralten Fonds entzogen.

Bei der Einquartierung der fremden Kriegsvölker wurden die katholischen Bürger schwerer belastet, als die andern, wodurch diese zur Auswanderung veranlaßt wurden.

Den heranziehenden Katholiken wurde das Wohnen in Duisburg nicht gestattet, oder sie mußten ein schweres Bürgergeld bezahlen, wie denn dafür 72 Thaler sind gefordert worden.

Durchreisende Katholiken durften sich nicht lange in der Stadt aufhalten. Einem Durchreisenden wurde angesagt, er solle entweder die Stadt verlassen oder für jede Nacht des Aufenthaltes einen Goldgulden zahlen.

Im Jahre 1650 wurden zwei katholische Soldaten hingerichtet. Es wurde ihnen der Beichtvater verweigert, und ihre Leichen wurden zur Beschimpfung der Mönche vor dem Eingange des Klosters begraben.

Andere Vexationen und Beunruhigungen, die von Einzelnen, von Studenten ⁊c., ausgingen, mögen hier übergangen werden. Kein Wunder, daß die katholische Gemeinde nicht gedeihen und blühen konnte.

Am 19. September 1650 wurde in den katholischen und protestantischen Kirchen der Stadt ein feierliches Danksagungsfest gefeiert wegen des Abzuges der Schweden und des wieder erlangten Friedens.

Im Jahre 1712 verbot man den Katholiken, die von jeher übliche feierliche Beerdigung ihrer Verstorbenen nach katholischem Ritus unter Vortragung des Kreuzes und Gesang. Auf eine Beschwerde nach Cleve mußte jedoch dieses Verbot zurückgenommen werden.

Im Jahre 1751 wurde die vom Kreuzbrüderkloster ausziehende übliche Wallfahrtsprozession nach Sterkrade vom Pöbel insultirt und beunruhigt.

Außer dem äußeren Drucke war noch ein anderer Umstand da, welcher dem Wohle und dem Gedeihen der Gemeinde nicht förderlich sein konnte, nämlich der häufige Wechsel der Pastöre (S. Anhang I.); ein Uebelstand, der allerdings nach dem Wesen des Ordens nicht zu vermeiden war. Das Kloster als solches hatte die Pfarrverwaltung, und einer der Patres, in der Regel der Concionator, wurde zum Pastor ernannt.

Im Jahre 1650 fand zu Duisburg eine öffentliche theologische Disputation statt zwischen dem Rector Dr. G. Biermann von Seiten der Protestanten und dem Pater Hilarius Engers aus Düren, wobei jede Partei, wie das gewöhnlich zu geschehen pflegt, sich den Sieg zuschrieb.

Vom Jahre 1700 an nahm die katholische Gemeinde an Seelenzahl allmälig wieder zu. (S. Anh. III.) Sie mochte nach Verhältniß der Geborenen etwa 500 Seelen damals zählen; 50 Jahre später, nämlich 1750, enthielten beide Pfarren zusammen ungefähr 800 Seelen, machten also den vierten Theil der Civilgemeinde aus, welche im jahre 1767 3227 Einwohner enthielt; und am Ende desselben Jahrhunderts, nämlich um 1800, wies die katholische Gemeinde in beiden Pfarren 1200 Seelen nach.

Die Begräbnisse anbelangend, so hatte die Kreuzbrüderpfarre ihren eigenen kleinen Kirchhof beim Kloster, welcher jedoch oft der Ueberschwemmung ausgesetzt war. Die zur Minoritenpfarre gehörenden Verstorbenen wurden in der Kirche oder im Kreuzgange oder im Quadrum des Klosters begraben bis zum Jahre 1739, wo ein eigener Kirchhof nahe bei der Kirche, der östliche Theil des jetzigen Kaplanei-Gartens, angelegt und im März vom Pastor P. Hornsteck feierlich eingeweiht wurde. Da derselbe nach 25 Jahren zu klein wurde, so wurde er durch das angekaufte Bremenkamp'sche Grundstück, die westliche Hälfte des jetzigen Kaplaneigartens erweitert umd am 15. Mai 1766 vom Pastor Jostes eingeweiht. Dieser blieb in Benutzung bis zum Jahre 1822, wo die Civilgemeinde einen Kommunal-Kirchhof außerhalb des Kuhthores anlegte, auf welchem jeder der beiden Konfessionen ein bestimmter Theil überwiesen wurde. Derselbe wurde im April 1822 vom P. Gereon Savels eingeweiht.

Im Jahre 1772 wurde in feierlicher Weise das Jubiläum des 500jährigen Bestehens des Minoritenklosters in Duisburg begangen. Die Minoriten-Patres versahen auch den täglichen, den sonn- und festtäglichen Gottesdienst in der Kirche, resp. Kapelle der Düssern'schen Nonnen (auf der Niederstraße). — Gleichfalls wurde von ihnen die Vikarie in der Bauernschaft (Honschaft) Huckingen (jetzt Dorf und selbstständige Pfarre) bedient, und mußte einer der Patres in der dortigen Kapelle an Sonn- und Festtagen den Gottesdienst abhalten.

Das 19. Jahrhundert brachte große Veränderungen, wie in politischer so auch in kirchlicher Beziehung. Klöster und Stiftungen wurden unterdrückt und aufgehoben; die bischöflichen Stühle waren verwaiset; überall herrschte Unsicherheit und Verwirrung.

Im Jahre 1806 wurde in Duisburg das adelige Kloster der Cisterzienserinnen (Düssern'schen Nonnen) aufgehoben, sowie auch das Kloster der Nonnen vom 3. Orden des h. Franziskus (Tertiarierinnen oder Beguinen).

Im Jahre 1815 wurde das Kloster der Kreuzbrüder (Petersthaler-Kloster) aufgehoben. Dasselbe enthielt nur noch 2 Patres. Die dahin gehörenden Katholiken wurden der Minoritenpfarre überwiesen, so daß fortan nur noch eine katholische Pfarre und Pfarrkirche in Duisburg bestand. Die Zahl der Katholiken betrug damals 1500, von denen ungefähr 1000 zur Minoriten- und 500 zur Kreuzbrüderkirche sich gehalten hatten. Die Güter des Petersthaler-Klosters wurden einstweilen Staats-Domaine.

Die katholisch-kirchlichen Verhältnisse wuden in Preußen geregelt durch die Bulle des Papstes Pius VII.: „De salute anmimarum“ v. 16. Juli 1821, wodurch die Bisthümer neu eingetheilt und begrenzt wurden. Hiernach wurde das ganze Clevische Land, mithin auch die katholische Pfarre von Duisburg, der Diöcese Münster einverleibt.

Noch bestand das Minoritenkloster und führte die Pfarr-Verwaltung. Die Zahl der Katholiken hatte zugenommen. Die katholische Gemeinde zählte im Jahre 1828 1700 Seelen, außer den Katholiken von Ruhrort.

[Die katholische Gemeinde in Ruhrort]

Zur katholischen Pfarre von Duisburg gehörten nämlich auch die Katholiken in Ruhrort. Dieses war 1551 vom katholischen Glauben abgefallen und vor dem Jahre 1800 waren daselbst nur sehr wenige Katholiken zu finden. Holländische Schiffer, einzelne eingewanderte Handwerker und einige wenige Dienstboten thaten sich dort im Anfange dieses Jahrhunderts zu einer kleinen Gemeinde zusammen, welche von dem Minoritenkloster in Duisburg pastorirt wurde. Der Gottesdienst wurde Anfangs in einem Zimmer, dann in einer bretternen Kirche gehalten, bis später die gegenwärtige Kirche gebaut wurde. Die katholische Gemeinde in Ruhrort zählte im Jahre 1815 150 Seelen und bildete eine Filiale von Duisburg. Allmälig wuchs sie an, so daß die Anstellung eines eigenen Geistlichen für sie nothwendig wurde, der ihr in der Person des Curatpriesters Heinrich Hollen, seitherigen Kaplans in Aldekerk, am 30. November 1829 gegeben wurde. Bis dahin sind alle Pfarrhandlungen für die Gemeinde Ruhrort, mit Ausnahme der Beerdigungen, welche in Ruhrort vom dortigen Prediger vorgenommen wurden, in den Kirchbüchern von Duisburg verzeichnet. — Der Pfarrverband mit Duisburg blieb jedoch aufrecht erhalten, und figurirte der dortige Geistliche (Rector) als erster Kaplan von Duisburg. — Ueber die statistischen Verhältnisse der Katholiken in Ruhrort siehe Anhang II.

Endlich hatte sich auch das Minoritenkloster überlebt. Die Klosterdisciplin war ziemlich lax geworden, und der Convent sehr zusammengeschmolzen; es waren außer 3 Laienbrüdern nur noch drei Patres vorhanden, welche, vom Alter geschwächt, ihre Dienste nicht mehr verrichten konnten. Es wurde ihnen im Februar des Jahres 1831 ein Hülfs-Geistlicher aus dem Welt-Klerus zugesellt in der Person des seitherigen Kaplans von Dinslaken, Heinrich Berten, jetzigen Pfarrers in Sevelen, der in der Seelsorge Aushülfe leistete, bis König Friedrich Wilhelm III. unter dem 8. August 1831 das Kloster aufhob, worauf die drei Patres und Laienbrüder unter Anweisung einer jährlichen Pension das Kloster verließen.

Es ist nicht zu läugnen, daß die Minoriten, welche über 250 Jahre lang die hiesige Pfarre verwalteten, sich um die katholische Gemeinde von Duisburg außerordentlich viele und große Verdienste erworben haben, und es bleibt dieselbe ihnen stets zu großem Danke verpflichtet. Freilich haben auch die Kreuzbrüder recht segensreich gewirkt; aber einerseits war der zu ihnen sich haltende Theil der katholischen Gemeinde sehr klein und bildete gleichsam nur eine Nebenpfarre, und andererseits standen die Minoriten der Natur ihres Ordens gemäß zu der katholischen Gemeinde und ihren einzelnen Mitgliedern in einer viel näheren und innigeren Beziehung. — Den Minoriten vor Allem ist es zu verdanken, daß der katholische Glaube und die katholische Kirche in Duisburg nicht, wie an vielen anderen Orten, völlig zu Grunde ging. Sie haben hier gekämpft und gelitten und durch Druck und Verfolgung sich nicht abhalten lassen, für den katholischen Glauben und für die katholische Kirche zu wirken, so viel es in ihren Kräften stand. Ihr Wirken war ein durchaus uneigennütziges, denn sie verwalteten die Pfarre ohne jegliche Vergütung. Ihren Unterhalt hatten sie nicht von der Gemeinde, denn diese war durchweg arm, sondern von milden Gaben, die man ihnen brachte, oder welche sie terminirten. Die Besitzungen des Klosters waren sehr geringe. Die Minoriten sammelten auch für ihr Kloster keine Güter, sondern was ihnen von dem nothwendigen Unterhalte übrig blieb, war für die Armen. Täglich wurde eine große Menge derselben im Kloster gespeiset. — Daß die Ordens-Disciplin in der allerletzten Zeit nicht mehr in ihrer früheren Strenge beobachtet wurde, hatte seinen Grund darin, daß die Mitglieder des Ordens-Convents seit längern Jahren factisch gleichsam schon auf den Aussterbe-Etat gesetzt waren; denn es wurden ihnen keine neuen Kräfte zugeführt, und seit 1815 fürchtete man bereits in jedem Jahre die Aufhebung des Klosters. — Uebrigens waren die Minoriten durchweg nicht allein fromme und seeleneifrige Priester, sondern es fanden sich auch viele Männer der Wissenschaft unter ihnen. Ich erinnere nur an den vorletzten Guardian Angelicus Geißler, der zugleich Doctor der Theologie war und bei den ältern Bürgern Duisburgs noch in gutem Andenken steht.


   4. Die katholische Gemeinde unter der Leitung der Welt-Geistlichkeit

Die Kabinets-Ordre d. d. Teplitz den 8. August 1831, in welcher die Aufhebung des Minoriten-Klosters decretirt wurde, enthielt auch die Bestimmung über die Dotirung der katholischen Pfarre, dahin lautend: „daß die Klosterkirche und der zu den Amtswohnungen des Schul- und Lehrpersonals, sowie zu dem Schullokal erforderlichen Theile des Klostergebäudes der dortigen katholischen Gemeinde überwiesen, und das übrige gesammte Vermögen des Minoritenklosters nebst der dabei verwalteten Meßfundation, sowie der Fonds des bereits aufgehobenen Klosters Petersthal zur Dotation des Pfarrgottesdienstes für die katholischen Glaubensverwandten in Duisburg und Ruhrort verwendet werden. . . . . . Bei der Pfarre in Duisburg soll ein zweiter Kaplan zugleich für Ruhrort angestellt werden. . . . . . Sollte in der Folge entweder durch die vergrößerte Zahl der Gemeindeglieder oder aus anderweitigem Grunde ein größerer Kostenbedarf nothwendig werden, so ist derselbe von der Gemeinde aus eigenen Mitteln zu bestreiten.“

Somit war also das sehr geringe Vermögen des Minoritenklosters und der Fonds des Petersthalerklosters zur Fundirung der katholischen Gemeinde überwiesen, und wurden hieraus zunächst drei geistliche Stellen fundirt, nämlich die Pfarr- und Kaplaneistelle in Duisburg und die Stelle des Rectors in Ruhrort, der zugleich, wie schon oben bemerkt, als Kaplan von Duisburg figurirte.

Als erster Pfarrer aus der Welt-Geistlichkeit wurde vom Bischofe von Münster Caspar Maximilian der seitherige Rector von Ruhrort, Peter Heinrich Hollen, ernannt. Ihm folgte in Ruhrort Carl Mancy, bis dahin Kaplan in Wachtendonck. — Am 2. October 1832 wurde Pfarrer Hollen in sein Amt eingeführt. Eine große und schwere Aufgabe wartete seiner. Freilich war die Pfarre noch nicht sehr groß; sie umfaßte 1800 Seelen; aber es war Alles neu zu schaffen, zu ordnen und einzurichten. Seine Thätigkeit wurde von den verschiedensten Seiten her in Anspruch genommen. Mit frischem Muthe und großer Energie ging er an's Werk. Zunächst mußten geistliche Wohnungen beschafft werden. Der westliche und nördliche Klosterflügel, welche sehr verfallen waren, wurden abgebrochen, und der östliche zum Pfarrhause und zur Kaplanei eingerichtet. Die Grundfläche der abgebrochenen Klosterflügel nebst dem von ihnen eingeschlossenen Quadrum wurde zu einem Vorplatze vor den geistlichen Wohnungen angelegt. — Um die Kirche zu erweitern, setzte man den an der nördlichen Seite derselben liegenden Kreuzgang mit der Kirche in Verbindung, (die jetzige sog. Nebenkirche). Der andere Klosterflügel am Thorende der Kirche wurde zur Küsterwohnung und zu Schulen umgebaut. Das Alles geschah in den Jahren 1832-1836. Damit schloß Pfarrer Hollen seine Bauperiode ab.

Die Kölner Wirren in Sachen der gemischten Ehen im Jahre 1837 regten auch hier die Gemüther auf und bereiteten dem Pfarrer manche Unannehmlichkeiten.

Einen sehr wichtigen Vortheil errang er der katholischen Gemeinde dadurch, daß er ihr das Anrecht auf das Waisenhaus und den Gasthausfonds wieder verschaffte. Beide Stiftungen gehören der Stadt; mithin haben auch die katholischen Bürger ein Anrecht an denselben. Seit einer langen Reihe von Jahren waren jedoch beide Fonds von der reformirten Gemeinde als confessionelles Eigenthum betrachtet und behandelt, und waren die Katholiken von dem Genusse derselben ausgeschlossen. Pfarrer Hollen ging dagegen an, beschritt den Rechtsweg und gewann seine Sache in allen Instanzen.

Wie der Pfarrer Hollen mit aller Begeisterung für den äußern Ausbau seiner Gemeinde wirkte und arbeitete, so nicht minder auch für den innern. Er bot Alles auf und strengte alle seine Kräfte an, um kirchlichen Sinn und kirchliches Leben, so allerdings sehr darnieder lagen, immer mehr aufzufrischen und zu heben.

Die bis dahin formell noch zur hiesigen Pfarre gehörende katholische Gemeinde von Ruhrort wurde im Jahre 1843 abgezweigt und zu einer eigenen selbstständigen Pfarre erhoben. Zur Besoldung des Pfarrers und Bestreitung der kirchlichen Bedürfnisse wurde ein ratirlicher Theil des hiesigen Kirchenvermögens nach Ruhrort überwiesen.

Auch in Duisburg war die katholische Gemeinde so angewachsen, daß im Jahre 1842 die Anstellung eines zweiten Kaplans erfolgte.

Der eben so thätige als gewandte Pfarrer Hollen starb nach einer Wirksamkeit von 12 Jahren und 8 Monaten am 28. Mai 1845; nach menschlichem Ermessen viel zu früh für seine Gemeinde. Daß er einen klaren Blick auch in die künftigen Bedürfnisse der katholischen Gemeinde hatte, bewies er u. A. dadurch, daß er in seiner letztwilligen Verfügung ein Legat von 2000 Thlrn. für ein künftig zu stiftendes katholisches Krankenhaus, unter Leitung von barmherzigen Schwestern, aussetzte. Sein Andenken wird stets hier in Segen bleiben.

Im Sommer 1845 brach die Ronge'sche Sectirerei aus, welche auch hier vielfache Wirren und Kämpfe veranlaßte, indem theils einzelne mit der Kirche zerfallene Katholiken darin eine ihnen zusagende Religion glaubten gefunden zu haben, theils auch von nicht katholischer Seite die Rongerei Anfangs begünstigt wurde, wessen man sich später schämte, denn das Ronge'sche Treiben stellte sich bald als zu jämmerlich heraus, als daß es irgend bleibenden Erfolg hätte haben können. Es verlief in den Sand.

Beim Tode Hollen's war die katholische Gemeinde auf etwa 3500 Seelen angewachsen. Zu seinem Nachfolger wurde Gerhard Meinerding, damals Pfarrer in Spellen, von der Königl. Regierung vorgeschlagen *) und vom Bischofe Caspar Maximilian ernannt. Er wurde im October 1845 in sein Amt eingeführt. Da die Verhältnisse jetzt ziemlich geordnet waren, so ging Alles seinen regelrechten Weg. Die katholische Gemeinde nahm an Seelenzahl immer mehr zu, und das von Hollen schon vorhergesehene Bedürfniß eines katholischen Krankenhauses wurde auch von der Gemeinde stets mehr empfunden. Es bildete sich ein Verein, der zu diesem Zwecke Beiträge lieferte und sammelte, der Wohlthätigkeitsverein. Pfarrer Meinerding führte auch die in ältester Zeit üblich gewesene Wallfahrtsprozession nach Sterkrade wieder ein und hielt zum ersten Male nach der Reformation im Jahre 1850 die Fronleichnamsprozession in feierlichster Weise wieder ab, welche seitdem alljährlich regelmäßig stattfindet.

Im Januar 1854 wurde Pfarrer Meinerding auf eine andere Pfarrstelle versetzt, und wurde zu seinem Nachfolger der seitherige Kaplan in Horstmar, Joh. Bernard Vennewald unter dem 3. Mai 1854 vom Bischofe Johann Georg ernannt und am 26. Juli in sein Amt eingeführt. Die katholische Gemeinde zählte ungefähr 5000 Seelen.

Den neuen Pfarrer erwarteten sogleich zwei wichtige Arbeiten, welche schon von seinem Vorgänger angebahnt waren; nämlich zuerst die Restauration der sehr verfallenen Pfarrkirche. Diese wurde im Jahre 1856 begonnen und 1858 vollendet.

Die zweite Aufgabe war die von den Katholiken so sehnlichst gewünschte Einrichtung eines katholischen Krankenhauses. Es wurde in einem alten von der Kirche angemietheten Hause ein provisorisches Hospital eingerichtet, in welchem am 1. Mai 1857 zwei barmherzige Schwestern ihre Wirksamkeit begannen.

Durch milde Gaben wurde es möglich gemacht, den Bau eines neuen geräumigen, den Bedürfnissen entsprechenden Krankenhauses zu beginnen, welches im Jahre 1861 vollendet und am 13. October feierlich eingeweiht wurde. In diesem sog. St. Vincenz-Hospitale wirken gegenwärtig 9 barmherzige Schwestern zum großen Segen der leidenden Menschheit und bereiten auch sehr vielen Kranken durch Pflege in deren Häusern große Erleichterung. — Eine größere Anzahl von Schwestern wäre erwünscht und sogar Bedürfniß, wenn nur die Mittel dazu vorhanden wären.

Mit den Jahren 1854 und 1855 trat für Duisburg eine neue Periode industrieller Entwickelung ein. Durch die Anlagen von Eisenbahnen, von Fabriken und Etablissements der verschiedensten Art entwickelten sich Handel und Industrie zu einer sehr großen Blüthe; und da man hier lohnende Arbeit und Beschäftigung fand, so nahm die Zahl der Einwohner von Duisburg und mithin auch der katholischen Gemeinde in rapider Weise zu. (S. Anhang III.) Diese Zunahme der Bevölkerung rief auch größere Bedürfnisse im Kirchen- und Schulwesen**) hervor. — Im November 1856 wurde von der Bischöflichen Behörde ein dritter Kaplan angestellt.

Zur Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der katholischen Bewohner der Feldmark, welche gegenwärtig die Zahl 3000 schon übersteigen, wurde an der daselbst neu errichteten Schule am 2. Juni 1861 ein Schulvikar angestellt, welcher dort in einer provisorischen Kapelle Gottesdienst hält. Auf die Beschaffung eines besonderen Gotteshauses wird hingearbeitet, und wird der Bau desselben bald in Angriff genommen werden.

Da die katholische Gemeinde von Duisburg jetzt bereits auf 14,000 Seelen angewachsen, und noch kein Ende der Vermehrung abzusehen ist, so ist das dringendste Bedürfnis für dieselbe eine zweite Kirche. Dies Bedürfniß machte sich schon vor mehr denn 12 Jahren fühlbar und veranlaßte im Jahre 1858 mehrere katholische Bürger, zu einem Bauverein (St. Ludgeri-Bauverein) zusammen zu treten behufs Beschaffung der Mittel zum Kirchenbaue. Dieser breitete sich später in der Art eines Pfennigs-Vereins über die ganze katholische Gemeinde aus, und hierdurch so wie durch verschiedene Collecten ist ein Baufonds angesammelt, der wenigstens den Beginn des Kirchenbaues zuläßt. Das noch Fehlende wird schon die Opferwilligkeit der Katholiken Duisburgs, die sich schon so oft bewährt hat, zweifelsohne beschaffen. — Und da die projectirte neue Kirche auch wesentlich zur Verschönerung der Stadt beitragen und vorausssichtlich die Anlage und den Bau eines neuen Stadttheiles veranlassen wird, so zweifeln wir nicht, daß auch Viele unserer nichtkatholischen Mitbürger zu dieser monumentalen Verschönerung der Stadt beitragen werden.


*) Das Patronat über die Pfarrstelle in Duisburg eignete sich damals die Königl. Regierung an. Ueber die Besetzung fast aller Pfarrstellen in den Kreisen Duisburg und Rees bestanden Differenzen zwischen der Königl. Regierung und der Bischöflichen Behörde. Diese wurden erst ausgeglichen durch gütliche Vereinbarung im Jahre 1869, wodurch die Besetzung der Pfarrstelle in Duisburg dem Bischofe zuerkannt wurde.

**) Ueber das Schulwesen s. den folgenden Abschnitt.


II. Schulwesen

[Geschichtliche Notizen aus der älteren Zeit]

Die Minoriten waren im Jahre 1615 nach Duisburg in ihr Kloster zurückgekehrt. (S. S. 13). Das Elemantarschulwesen stand in damaliger Zeit überhaupt noch auf einer niederen Stufe; aber für die katholische Gemeinde Duisburgs war es damit ganz trostlos bestellt. Die guten Patres sahen recht wohl ein, daß eine Gemeinde ohne Schule auf die Dauer nicht bestehen könne, daß in der Elemantarschule die Grundlage nicht allein für das sociale, sondern vor Allem für das religiös-christliche Leben gelegt werde. Daher bemüheten sie sich, für ihre Gemeinde eine Schule zu erhalten, und hatten durch Sammlungen und milde Gaben das Nöthige zum Schulbau zusammengebracht.

Im Jahre 1648 sollte der Bau beginnen. Aber unter dem 28. November desselben Jahres wurde von Friedrich Wilhelm, Markgrafen von Brandenburg und Churfürst von Preußen, dem Bürgermeister Münz aufgegeben, den Minoriten den Bauversuch einer Schule bei strenger Strafe zu verbieten. — Die katholischen Kinder gingen fortan theils in protestantische Lehranstalten, theils wurden sie von den Mönchen privatim unterrichtet.

[Zunehmende Schulbedürfnisse]

Die kleine katholische Gemeinde Duisburgs fühlte jedoch das dringende Bedürfniß einer eigenen Elemantarschule und machte verschiedene Versuche zur Erlangung einer solchen. Im Anfange des vorigen Jahrhunderts supplicirten die katholischen Bürger beim Erzbischofe und Churfürsten von Cöln um ein Stamm-Kapital für einen hinreichenden jährlichen Lebensunterhalt eines Schullehrers. Ob die Petition Erfolg gehabt, erhellt nicht.

Im Jahre 1706 wurde unter dem Churfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz und theilweise auf seine Kosten auf dem Grund und Boden des Kloster-Convents eine Schule für katholische Kinder erbaut. Jedoch wurden durch königlichen Befehl vom 7. November 1706 die Kinder aus dieser Schule wieder vertrieben.

Darauf wurde mit Erlaubniß des Guardians im Klostergebäude selbst eine kleine Schule eingerichtet. Da aber die Kinder wegen der strengen Kälte es dort nicht gut aushalten konnten, so bewogen einige katholische Bürger den Guardian und den Pastor, die Kinder auf ihre (der Bürger) Gefahr wieder in die frühere Schule zurückzuschicken; sie würden ihnen schon zur Seite stehen und sie nach Kräften unterstützen.

Endlich nach langem Dulden und vielen Kämpfen schlug doch auch für die Katholiken die Stunde der Freiheit. Im Mai des Jahres 1778 wurde in Gegenwart der beiden Bürgermeister und des Magistrats, des Pastors und vieler Andern der Grundstein zu einer neuen katholischen Schule in feierlicher Weise gelegt. Der Magistrat wies zum Baue 20 Thlr. an. Der übrige Theil der Baukosten war von katholischen Bürgern Duisburgs in der Umgegend zusammencollectirt. Diese neue Schule lag am Chorende der Kirche, dem östlichen Klosterflügel (der jetzigen alten Schule) gegenüber. Der Platz war von der Abtei Hamborn den Minoriten zum Schulbau geschenkt. Im Jahre 1779 wurden die katholischen Kinder in diese Schule eingeführt. So war also jetzt erst in Duisburg ein geordnetes katholisches Schulwesen. Freilich war die Zahl der Kinder noch gering. Der Lehrer Dormagen hatte im Jahre 1785 etwa 40 Kinder in der Schule. Mit dem steigenden Wachsthum der katholischen Gemeinde nahm selbstredend auch die Kinderzahl zu. Im Jahre 1816 waren bereits 100 Kinder in der Schule. Das Schullokal genügte nicht mehr. Durch Königl. Kabinets-Ordre vom 2. October 1820 wurde das dem vormaligen Kloster Düssern gehörige Haus auf der Oberstraße (das jetzige Lefermann'sche Haus) der katholischen Gemeinde als Schule unentgeltlich überlassen. Die Kinder siedelten also im Anfange des Jahres 1821 von der Brüderstraße über nach der Oberstraße.

In Ruhrort gab es um diese Zeit noch gar keine katholische Schule. Im Jahre 1824 waren daselbst 60 schulpflichtige katholische Kinder, welche die protestantische Schule besuchten. Die katholischen Bürger führten Beschwerde, daß ihnen gar kein Einfluß auf das Schulwesen gestattet sei. Dies hatte zur Folge, daß durch Verfügung der Königlichen Regierung vom 20. Januar 1824 dem dortigen Schulvorstande ein katholisches Mitglied zugetheilt wurde.

In Duisburg vermehrte sich die Zahl der schulpflichtigen Kinder. Im Jahre 1834 besuchten 180 Kinder die Schule und wurde ein zweiter Lehrer angestellt.

Durch Allerhöchste Kabinets-Ordre vom 8. August 1831 (s. S. 22) war das Klostergebäude der katholischen Gemeinde zu Pfarr- und Schulzwecken übergeben. Demgemäß wurden in dem einen östlichen Klosterflügel am Chorende der Kirche neben der Küster- und Cantorwohnung einige Schulsäle eingerichtet; und im October 1835 wurden die Kinder mit ihren Lehrern in Begleitung der Geistlichkeit und der Bürgermeisters in die neu eingerichtete Schule eingeführt.

Im Jahre 1837, wo die Kinderzahl bis auf 350 gestiegen war, wurde ein dritter Lehrer angestellt; und im Jahre 1841, wo 450 Kinder die Schule besuchten, wurde eine vierte Lehrkraft, eine Lehrerin, berufen. — Die einzelnen Schulklassen wurden sehr bald wieder überfüllt. Im Jahre 1847 hatten vier Lehrkräfte 630 Kinder zu unterrichten, und zudem waren zwei Schulsäle viel zu klein. Dem Uebelstande wurde dadurch abgeholfen, daß die katholische Gemeinde die frühere lutherische Schule in der Brüderstraße ankaufte und darin einen Schulsaal nebst Wohnung für eine Lehrerin einrichtete. Es wurde eine fünfe Lehrkraft, eine Lehrerin berufen, im Jahre 1851.

So blieben die Verhältnisse bis Ende 1854. Die zunehmende Ueberfüllung der Schulklassen (es waren damals 800 Kinder) hatte schon längst wieder eine Vermehrung der Klassen und Lehrkräfte nothwendig gemacht. Im Jahre 1854 wurde ein neues Schulgebäude mit zwei Schulsälen und Lehrerwohnungen in dem früheren Klostergarten gebaut; in dieses wurde die Mädchenklasse von der Brüderstraße verlegt, und eine sechste Klasse unter einer Lehrerin hinzugefügt im Januar 1855. — Um Raum zu gewinnen, wurden ferner zwei Schulsäle im alten Schulgebäude um das doppelte vergrößert.

Die vermehrte Kinderzahl ließ es bald als räthlch erscheinen, für die katholischen Kinder der Feldmark eine eigene Schule einzurichten. Im October 1858 wurde dieselbe in einem angemietheten Lokale etablirt.

Zu gleicher Zeit wurde auch in der Stadt den vorhandenen Klassen eine neue (7te) hinzugefügt, welche wegen Mangel an Lokalen abwechselnd mit einer andern Klasse dasselbe Lokal benutzen mußte.

Auch die vorhandenen acht Schulklassen genügten nicht lange. — Die nächste Abhülfe erhielt die Feldmark. Im Juni 1861 wurde dort ein neu errichtetes Schulgebäude bezogen, welches 2 Schullokale nebst Wohnungen für den Schulvicar und den zweiten Lehrer enthielt.

Dem Bedürfnisse war jedoch nur für kurze Zeit abgeholfen. Im Jahre 1865 war in der Papendelle ein neues großes Schulgebäude errichtet mit fünf Schulsälen und Lehrerwohnung, in welche im October desselben Jahres zwei Klassen aus der alten Schule verlegt, und drei neue eingerichtet wurden, so daß fortan in der Stadt zwei koordinirte Schulsysteme mit je fünf Klassen bestanden. Für die beiden Mädchenklassen und die Unterklasse in der Papendelle wurden Lehrerinnen aus der Genossenschaft der Töchter vom heiligen Kreuze berufen.

Bald nachher mußte auch das Schulgebäude in der Feldmark weiter ausgebaut werden, und wurde dort im October 1867 zu den bestehenden zwei Klassen eine dritte hinzugefügt. Die Mädchen- und die Unterklasse wurden ebenfalls den Schwestern vom h. Kreuze übergeben.

Indeß die Schulbedürfnisse steigerten sich mit jedem Jahre. Um die Schulen in der Stadt einigermaßen zu entleeren, wurde in Neudorf hinter dem Bahnhofe ein großes Schulgebäude mit 3 Schulsälen nebst Lehrerwohnung errichtet, und wurden daselbst im Mai 1869 drei Klassen unter 2 Lehrern und einer Lehrerin etablirt. — Dieselben sind gegenwärtig schon wieder überfüllt. — Auch in der Feldmark wurde zur selben Zeit eine 4te Klasse zu den vorhandenen hinzugefügt, und im Herbste 1870 noch eine 5te, welche in Ermangelung von Localen mit einer andern Klasse abwechselnd einstweilen dasselbe Schullokal benutzen muß. Für die Feldmark ist der Bau eines neuen Schulgebäudes jenseits des Rheinischen Bahnhofes projectirt und wird in Angriff genommen werden, sobald die Gelder dafür disponibel sind. — Auch an den beiden Schulen in der Stadt ist im Frühjahr dieses Jahres zu den vorhandenen 5 Klassen je eine 6. hinzugefügt, und wird für diesen Schulbezirk ebenfalls der Bau einer neuen Schule, welcher dringendes Bedürfniß ist, projectirt.

So zeigt das Schulwesen der katholischen Gemeinde gegenwärtig 4 Schulsysteme mit 20 Schulklassen, nämlich in der Stadt 2 coordinirte Schulen mit 12 Klassen; die Schule in Neudorf mit 3, und in der Feldmark mit 5 Klassen. Es sind in einem Zeitraume von 16 Jahren 4 neue große Schulgebäude mit 14 Schulsälen nebst Lehrerwohnungen gebaut, und 15 neue Schulklassen eingerichtet. Diese 20 Elemantar-Schulklassen enthalten 2160 Kinder. Es ist also noch kein normales Verhältniß da.

Außer diesen Elementarschulen wurde im Herbste 1865 eine höhere Töchterschule unter Leitung der Schwestern vom h. Kreuze gegründet, welche augenblicklich 60 Mädchen in 5 Klassen unter 5 Lehrerinnen zählt.


[Schulbedürfnißkosten]

Woher wurden und werden die Schulbedürfnißkosten bestritten?

In der frühern Zeit, wo nur<span="gesperrt"> eine Schulklasse mit einem Lehrer vorhanden war, reichte der kirchliche Schulfonds, der damals etwa 120 Thaler jährlicher Revenüen aufbrachte, nebst dem Schulgelde zur Bestreitung der Schulbedürfnißkosten hin. — Bei der größern Zunahme der Bevölkerung in späterer Zeit, namentlich seit 1818, ergänzte die Civil-Gemeinde das Fehlende, da nach der Bergischen Verwaltungs-Ordnung die Kosten des Elemantar-Unterrichtes, in so weit sie nicht aus aus besondern Stiftungen gedeckt werden, von der Civilgemeinde getragen und aus der Communalkasse gezahlt werden. Im Jahre 1840 unter dem 16. Juni sprach das Königl. Staatsministerium die Ansicht aus, daß die aus der fremdherrlichen Communal-Verfassung hergeleiteten Bestimmungen als aufgehoben zu betrachten seien, und daß die landrechtlichen Bestimmungen, nach welchen die Schulbedürfnißkosten eine dem Schulbezirke obliegende Societätslast sind, fortan in Anwendung zu bringen seien. — Auf Grund dieser Bestimmung beschloß der Gemeinderath im Jahre 1845 und trug darauf an, daß die Kosten von den Mitgliedern der Schulverbände getragen werden sollten. Es wurde nun einstweilen eine Schulsteuer umgelegt. Die katholische Gemeinde brachte jedoch ihre Beschwerde gegen diesen Beschluß der Stadtverordneten bis zum Ministerium und hob besonders die Unbilligkeit desselben hervor, indem für katholische Schulzwecke bis dahin aus Communalmitteln sehr wenig, für evangelische aber sehr viel geschehen sei, und insbesondere fast 6000 Thlr. für eine neue evangelische Schule verausgabt worden seien. Darauf wurde durch Ministerial-Descript vom 12. September 1850 bestimmt, daß es bei dem ursprünglichen Modus verbleiben, und die Civilgemeinde auch für die katholischen Schulbedürfnißkosten aufkommen sollte. Diese bestritt nun allerdings die Schulbedürfnißkosten, jedoch unter Vorbehalt der Rückzahlung, und erwirkte unter dem 4. Dezember 1854 ein Ministerial-Rescript, wonach die Schulbedürfnißkosten wieder den confessionellen Schulgemeinden aufgebürdet wurden. Wiederholte Vorstellungen und Beschwerden seitens der katholischen Gemeinde sind ohne Erfolg geblieben. — So hat die kathlische Gemeinde seit 1854 ihre unverhältnißmäßig anwachsenden Schulbedürfnißkosten selbst zu bestreiten, und werden dieselben außer den Revenüen des kirchlichen Schulfonds, der gegenwärtig ungefähr 230 Thlr. aufbringt, und außer dem Schulgelde durch Umlage einer Schulsteuer gedeckt, welche für dieses Jahr 60% der Communalsteuer beträgt. — Es will allerdings als unbillig erscheinen, daß die Civilgemeinde, welche für höhere Schulen große Opfer bringt, für die Elementarschulen gar nichts thut, da doch die letzteren die ersteren an Wichtigkeit, wenn nicht übertreffen, so doch wenigstens ihnen gleich stehen. — Möge dieses Mißverhältniß zur allseitigen Zufriedenheit bald behoben werden.


Anhang I. Namensverzeichniß der katholischen Pfarrer

(Vor 1666 finden sich die Namen der Pfarrer nirgends notirt.)

  1. P. Rochus Wennecker, 1666-1680.

  2. P. Franciscus Wilcken, 1680-1686.

  3. P. Gerhardus Hüls, 1686-1692.

  4. P. Everwinus Berghauß, 1692-1694 u. v. 1729-1732.

  5. P. Arnoldus Zurlage, 1694-1695.

  6. P. Josephus Bernardi, 1695-1696.

  7. P. Martinus Averdunck, 1696-1702.

  8. P. Bernardus Beckering, 1702-1703.

  9. P. Franciscus Heckermann, 1703-1706.

10. P. Bonaventura Bechem, 1706-1712 u. v. 1735-1736.

11. P. Bernardus Reuß, 1712-1716.

12. P. Romanus Hanpen, 1716-1720.

13. P. Rochus Deitermann, 1720-1727.

14. P. Quirinus Gaudens, 1727-1729.

15. P. Alexius Kirst, 1732-1733.

16. P. Conradus Hornsteck, 1733-1735 u. v. 1738-1742.

17. P. Winand Hansen, 1736-1738.

18. P. Augustin Homberg, 1742-1745.

19. P. Benedictus Rietze, 1745-1748.

20. P. Bonaventura Obereß, 1748-1750.

21. P. Nicetus de la Haye, 1750-1752 u. v. 1757-1758.

22. P. Jeremias Lambertz, 1752-1757.

23. P. Julianus Cramer, 1758-1760.

24. P. Rochus Schmitz, 1760-1762.

25. P. Fidelis Bunteschun, 1762-1763.

26. P. Caspar Jostes, 1763-1765 u. v. 1766-1769 u. v. 1772-1779.

27. P. Ludovicus Busen, 1765-1766.

28. P. Romanus Daniels, 1769-1772.

29. P. Eduard Schürmann, 1779-1789.

30. P. Severinus Bausch, 1789-1792.

31. P. Gereon Savels, 1792-1817.

32. P. Mauritius Moeren, 1817-1831.


Aus der Welt-Geistlichkeit:

33. 1. Peter Heinrich Hollen 1832 den 2. October bis 1845 den 28. Mai.

34. 2. Joh. Gerhard Meinerding 1845 October bis 1854 Januar.

35. 3. Joh. Bernard Vennewald 1854 den 3. Mai.


Anhang II. Statistische Uebersicht der Geburten, Sterbefälle und Trauungen

1. Geburten

Jahr 1622 (Jahrgang ist sehr defect.)
" 1623 waren 34 Geburten.
" 1624 " 25 "
" 1627 " 24 "


Die folgenden Jahrgänge des Taufregisters sind sehr defect; einige fehlen ganz; vollständig werden sie wieder mit dem Jahre 1650.

  (Minoritenpf.) (Kreuzbrpf.)
Von 1650—1700 jährl. durchschn. 9 Geburt.  
" 1700—1750 " " 14 "  
" 1750—1790 " " 24 " 3*) zus. 27
" 1790—1800 " " 41 " 6 " 47
" 1800—1810 " " 42 " 9 " 51
" 1810—1820 " " 55 " 4**) " 59
" 1820—1830 " " 60***) "  
" 1830—1840 " " 108 "  
" 1840—1850 " " 168 "  
" 1850—1855 " " 216 "  
" 1855—1860 " " 381 "  
" 1861 =   405 "  
" 1862 =   425 "  
" 1863 =   479 "  
" 1864 =   500 "  
" 1865 =   544 "  
" 1866 =   593 "  
" 1867 =   569 "  
" 1868 =   699 "  
" 1869 =   684 "  
" 1870 =   805 "  


*) Die Taufregister der Kreuzbrüderpfarre sind erst von 1760 vorhanden.

**) Im Jahre 1814 wurde die Kreuzbrüderpfarre mit der Minoritenpfarre vereinigt.

***) In den hier verzeichneten Zahlen sind bis 1829 einschließlich die Geburten in der katholischen Gemeinde von Ruhrort mit enthalten. Nachstehend sind dieselben besonders aufgeführt.


Geburten in Ruhrort

Vor 1792 keine.
1792 = 1
1794 = 2
1796 = 1
von 1797 bis 1802 je 2
1802 = 2
1803 = 9
1804 = 5
1805 = keine.
1806 = 3
1807 = 2
1808 = 9
1809 = 4
1810 = 8
1811 = 9
1812 = 10
1813 = 8
1814 = 4
1815 = 11
1816 = 9
1817 = 11
1818 = 6
1819 = 11
1820 = 4
1821 = 20
1822 = 8
1823 = 14
1824 = 13
1825 = 10
1826 = 12
1827 = 13
1828 = 14
1829 = 10

2. Sterbefälle

(Das Sterberegister der Minoriten beginnt erst mit dem Jahre 1686. — Von den Kreuzbrüdern sind nur die Jahrgänge seit 1770 vorhanden. — Die in Ruhrort gestorbenen Katholiken sind, weil dort beerdigt, in den hiesigen Registern nicht verzeichnet.)

  (Minoritenpf.) (Kreuzbrpf.)
Von 1686—1700 jährl. durchschn. 6 Sterbef.  
" 1700—1750 " " 10 "  
" 1750—1790 " " 20 " 5 zus. 25
" 1790—1800 " " 32 " 5 " 37
" 1800—1810 " " 25 " 6 " 31
" 1810—1820 " " 28 " 4 " 32
" 1820—1830 " " 45 "  
" 1830—1840 " " 68 "  
" 1840—1850 " " 100 "  
" 1850—1855 " " 137 "  
" 1855—1860 " " 257 "  
" 1860—1865 " " 268 "  
" 1866 =   395 "  
" 1867 =   381 "  
" 1868 =   378 "  
" 1869 =   392 "  
" 1870 =   448 "  

3. Trauungen

Im Jahre 1622 sind nur 8 Brautpaare verzeichnet; der Jahrgang ist defect.

Im Jahre 1623 sind 27 Brautpaare
Im Jahre 1624 sind 13 Brautpaare (ist defect).

Die folgenden Jahrgänge sind defect bis 1650.

  (Minoritenpf.) (Kreuzbrpf.)
Von 1650—1700 jährl. durchschn. 3 Paar  
" 1700—1750 " " 4 "  
" 1750—1790 " " 7 " 3 zus. 10
" 1790—1800 " " 14 " 2 " 16
" 1800—1810 " " 14 " 4 " 18
" 1810—1820 " " 14 " 4 " 18
" 1820—1830 " " 21* "  
" 1830—1840 " " 26 "  
" 1840—1850 " " 34 "  
" 1850—1855 " " 40 "  
" 1855—1860 " " 93 "  
" 1860—1865 " " 88 "  
" 1866 =   126 "  
" 1867 =   135 "  
" 1868 =   160 "  
" 1869 =   175 "  
" 1870 =   155 "  


*) In den Jahrgängen bis 1829 einschl. sind auch die in Ruhrort getrauten kath. Brautpaare mit enthalten. — Im Besonderen sind es folgende:

1794 = 2 Paar
1802 = 2 "
1804 = 1 "
1806 = 2 "
1809 = 2 "
1810 = 2 "
1814 = 1 "
1815 = 3 "
1820 = 5 "
1821 = 3 "
1822 = 3 "
1824 = 2 "
1825 = 3 "
1826 = 2 "
1827 = 4 "
1828 = 3 "
1829 = 4 "

Bemerk.: In den hier nicht aufgeführten Jahren haben in Ruhrort keine Trauungen stattgefunden.


Anhang III. Statistische Uebersicht der Seelenzahl der katholischen Gemeinde und der Frequenz der Schulen

1. Uebersicht der Seelenzahl der kathol. Gemeinde

Im Jahre 1620 ungefähr 800 Seelen
" " 1650 " 300—350 "
" " 1700 " 500 "
" " 1750 " 800 "
" " 1800 " 1200 "
" " 1815 waren 1500 "
" " 1828 " 1666 "
" " 1833 " 1833 "
" " 1834 " 2074 "
" " 1835 " 2300 "
" " 1843 " 3100 "
" " 1849 " 4091 "
" " 1852 " 4520 "
" " 1858 " 8078 "
" " 1861 " 8187 "
" " 1862 " 8548 "
" " 1863 " 8775 "
" " 1864 " 9000 "
" " 1865 " 10,056 "
" " 1866 " 10,357 "
" " 1867 " 12,335 "
" " 1868 " 12,141 "
" " 1869 " 12,966 "
" " 1870 " 14,000 "

Frequenz der Schule

Im Jahre 1785 waren da 40 Schulkinder
" " 1816 " 100 "
" " 1834 " 180 "
" " 1836 " 350 "
" " 1842 " 500 "
" " 1843 " 530 "
" " 1844 " 567 "
" " 1846 " 630 "
" " 1855 " 900 "
" " 1856 " 993 "
" " 1857 " 1099 "
" " 1858 " 1163 "
" " 1859 " 1156 "
" " 1860 " 1174 "
" " 1861 " 1313 "
" " 1862 " 1254 "
" " 1863 " 1293 "
" " 1864 " 1328 "
" " 1865 " 1425 "
" " 1867 " 1517 "
" " 1868 " 1783 "
" " 1869 " 1905 "
" " 1870 " 2100 "


Der Verfasser

Bernard Vennewald, geboren am 20. Januar 1815 in Sendenhorst, Priesterweihe 1840, Kaplan in Horstmar, danach Pfarrverwalter in Eggenrode, 1854-1879 Pfarrer an Liebfrauen in Duisburg, gestorben 1879.

5.000 katholische Christen gehörten zu seiner Pfarrei bei Amtsantritt in unserer Stadt; als er starb, waren es fast 19.000. Er prägte das Gesicht der katholischen Kirche in Duisburg. Im Zeitraum von 16 Jahren baute er 4 Schulen mit 14 Schulsälen und Lehrerwohnungen. Zu 5 bestehenden Schulklassen richtete er 17 neue ein; er baute auch das St. Vincenz-Hospital und schuf die Voraussetzungen für das Entstehen vieler Gemeinden mit ihren Gotteshäusern. Seine Aufgabe war dabei nicht einfach, da die Katholiken in vielen Bereichen benachteiligt waren, und die Arbeiterfamilien in ihrer Armut kaum das nötige Geld aufbringen konnten.

Die Gemeinden St. Joseph am Dellplatz, St. Bonifatius in Hochfeld und St. Ludger in Neudorf gehen auf seine Gründungstätigkeit zurück.


Download

Download
Bernard Vennewald: Die katholische Gemeinde von Duisburg seit der Reformation (1871)
vennewald_1871.pdf
Adobe Acrobat Dokument 5.6 MB
Titelseite der Festschrift von Bernard Vennewald