St. Bonifatius

Aus der Festschrift „100 Jahre St. Bonifatius Duisburg“ von 1961

Aus der Chronik der Pfarrgemeinde St. Bonifatius

Von Richard Reifenscheid


1861 - Erste Messfeier in Hochfeld

Am 4. Juni 1861 wurde in einem Schullokal der Schule in der Feldmark das erste heilige Meßopfer gefeiert, und von diesem Zeitpunkt ab wurde regelmäßig Gottesdienst in der Feldmark gehalten. Der hochwürdige Herr Bernhard Nienhaus wurde als Vikar berufen und versah mit dieser Stelle die eines ersten Lehrers. Bereits im Jahre 1862 konnte auf dem Grund und Boden der Schulgemeinde eine eigene Kapelle erbaut werden. Es war vereinbart, daß diese Kapelle im Falle des Bedürfnisses gegen eine Entschädigung von 1000 Talern als dritter Schulsaal abgetreten werden mußte. Wenn wir heute auf diese Zeit zurückschauen, wird uns in der Geschichte und am Beispiel der St.-Bonifatius-Pfarrgemeinde eindringlich und eindrucksvoll sichtbar, welche Entwicklung und Wandlung sich in diesem Jahrhundert auch in dieser Gemeinde vollzogen hat. Die Industriegründungen im Verlaufe dieses Jahrhunderts veränderten die Struktur der einstigen Feldmark.

Hier gingen selbstbewußte Bauern einst ihrem harten Tagwerk nach und bestellten ihre fruchtbaren Äcker und Wiesen. In kleinen, einsam verstreut liegenden Bauernhäusern, die nur durch schlechte Wege miteinander verbunden waren, lebten die wenigen Bauern, Tagelöhner und Handwerker. Noch bestand keine Straße, keine Schule, keine Kirche, kein Krankenhaus, und die benachbarte Stadt Duisburg zählte zu diesem Zeitpunkt 6000 Einwohner.

Mit der Eröffnung der Eisenbahn und des Hafens begann sich im Jahre 1846 eine Entwicklung abzuzeichnen, die bis auf den heutigen Tag angehalten hat. Industrie und Technik verwandelten die Landschaft und drückten dem Menschen ihren Stempel auf. Schon 1854 loderten die Flammen des ersten Hochofens der Niederrheinischen Hütte empor und verkündeten den wenig erfreuten Bauern der Feldmark den Anbruch eines neuen Zeitalters.

Die Seelsorge wurde in Duisburg bis 1831 durch die Patres der Minoritenkirche ausgeübt. Diese führten die Pfarrverwaltung und betreuten die 1700 Seelen, zu denen noch die 150 der Gemeinde Ruhrort hinzukamen. Das Wirken der Minoriten schuf die Voraussetzung zur späteren Entfaltung der Gemeinden in Duisburg. Am 8. August 1831 wurde das Minoritenkloster aufgehoben. Bei der Neueinteilung der Bistümer teilte Papst Pius VII. das Land des Herzogtums Kleve, zu dem auch die Stadt Duisburg gehörte, der Diözese Münster zu. Als erster Duisburger Pfarrer aus dem Weltklerus ernannte der damalige Bischof von Münster den Rektor Heinrich Hollen, der am 2. Oktober 1832 in sein schweres Amt eingeführt wurde. Schon im Jahre 1843 wurde Ruhrort zur selbständigen Pfarre erhoben. Zum gleichen Zeitpunkt erfolgte für Duisburg die Anstellung eines zweiten Kaplans. Pfarrer Hollen verstarb 1845. Während seiner Amtszeit war die Seelenzahl der Gemeinde von 1800 auf 3500 angewachsen. Nachfolger wurde Pfarrer Gerhard Meindering, der 1850 erstmalig nach der Reformation wieder eine Fronleichnamsprozession abhielt. Pfarrer Bernhard Vennewald trat im Mai 1854 an die Stelle des auf einen anderen Platz versetzten Gerhard Meindering. 20 Jahre wirkte Pfarrer Vennewald in Duisburg. In seiner Amtszeit vollzogen sich die entscheidenden Schritte zur Gründung der Pfarrgemeinde St. Bonifatius. Die rasch fortschreitende Entwicklung der Industrie, das Aufblühen von Handel, Handwerk und Gewerbe, die eine starke Anziehungskraft ausübte und einen ständigen Zustrom von Menschen zur Folge hatte, brachte neue, seelsorgerische Probleme mit sich. Die Zahl der Industriearbeiter wuchs von 700 auf etwa 4000, und die Gesamtbevölkerung erreichte mittlerweile 40000. Pfarrer Vennewald ließ zunächst die verfallene Minoritenkirche restaurieren und begann mit dem Bau des Vinzenz-Hospitals, das am 31. Oktober 1861 eingeweiht werden konnte.

Von den 14000 Seelen der Gemeinde Duisburg entfielen allein 3000 auf die in der Feldmark wohnenden Katholiken. Dieser Tatsache mußte bei der Bildung einer neuen Pfarrgemeinde Rechnung getragen werden. Der wachsenden Bevölkerungszahl hatte die Bischöfliche Behörde bereits 1856 Rechnung getragen, indem sie einen dritten Kaplan angestellt hatte.

Die Pläne zur Errichtung eines eigenen Gotteshauses gingen unter bescheidenen Verhältnissen vor sich. Am 2. Juni 1861 konnte der als Schulvikar angestellte Neupriester Bernhard Nienhaus das an der Wörthstraße erstellte neue Schulhaus mit zwei Klassenzimmern einweihen. Am 4. Juni 1861 feierte dann Pastor Bernhard Vennewald in einem Klassenraum dieser Schule das erste heilige Meßopfer in der Feldmark. So bescheiden der äußere Raum auch sein mochte, so glücklich priesen sich die Gläubigen und versprachen gleichzeitig, dem Herrgott bald eine würdige Wohnstatt zu bereiten. An diesem 4. Juni 1861 wurde der Grundstein für die Gemeinde St. Bonifatius gelegt.


1872 - Erste Bonifatiuskirche

Die Überlegungen, eine eigene Kirche zu erstellen, gingen schon einige Jahre. Der 1858 gegründete Ludgeri-Bauverein hatte den Grundstock zu einem Fonds zusammen, dem auch Spenden der Indus­trie und des Reichsgrafen von Spee zuflossen. Noch im gleichen Jahre 1861 kaufte die Gemeinde sich für 80 Taler und 25 Silbergroschen ein kleines Glöckchen, das auf einem kleinen Türmchen an der Schule die Gläubigen noch 12 Jahre zum Gottesdienst rief. Diese Glocke kündete noch über drei Jahrzehnte Anfang und Ende der Schulzeit an. Im Laufe der Jahre konnte man nun daran denken, den großen Plan des Baues einer geräumigen Notkirche an der Wanheimer Straße zu verwirklichen. Mit der Durchführung des Baues dieser Kirche wurde der Bruder des Vikars, Franz Nienhaus, beauftragt.

Im Jahre 1872 weihte der Generalvikar von Münster die Notkirche. Damals ahnte wohl keiner, daß es noch 40 Jahre dauern sollte, bis die Notkirche durch den Neubau einer größeren Pfarrkirche ersetzt werden konnte. Obwohl das Gotteshaus nur eine Notkirche war, erfüllte es in den 40 Jahren seinen Zweck. Am 7. Februar 1893 wurde die Gemeinde St. Bonifatius selbständige Pfarre und der bis dahin als Hofkaplan tätige Johannes Schürmann zum ersten Pfarrer an der Pfarrkirche St. Bonifatius ernannt. Pastor Schürmann schaffte durch Ankauf eines benachbarten alten Hau­ses eine Unterkunft für drei Krankenschwestern, die in der Gemeinde wirkten.

Pastor Schürmann erwarb sich über die Gemeinde hinaus unvergängliche Verdienste. Unter seiner Amts­zeit wurden die neuen Pfarren St. Peter und St. Michael errichtet.

In großer Schaffensfreude veranlaßte er die ersten Bauten für das Marien-Hospital sowie den Bau eines katholischen Vereinshauses mit einem großen Saal, der als Aushilfe zur Abhaltung des Gottesdienstes dienen sollte, sobald der Neubau der Pfarrkirche in Angriff genommen war. Der Wunsch nach einem neuen würdigen Gotteshaus war verständlich geworden, da die Pfarrgemein­de inzwischen auf 10.000 Seelen gewachsen war. Pfarrer Schürmann mußte die Verwirklichung dieses Planes allerdings seinem Nachfolger Karl Meyer überlassen.



1912 - Weihe der neuen Bonifatiuskirche

Pfarrer Karl Meyer widmete sich gleich mit ganzer Kraft dem geplanten Neubau der Kirche. In drei Predigten kün­digte er am 22. Januar 1911 den Bau einer neuen Kirche an, „damit die Pfarrgemeinde St. Bonifatius nicht länger auf ein würdiges Gotteshaus warten müsse“. Eingehend und eindringlich schilderte er die lange erfolglos scheinenden Bemühungen und die glückliche Überwindung zahlreicher Hindernisse, bis er seinen weniger in Geduld erprobten und geübten Schäflein schließlich die freudige Nachricht übermitteln konnte. An diesem 22. Januar 1911 erinnerte Pfarrer Meyer in rückschauender Betrachtung an ein denkwürdiges Datum: „In diesem Jahr sind 50 Jahre verflossen, seit der erste Gottesdienst in Hochfeld gehalten wurde. Wir haben also ein Jubiläumsjahr in unserer Pfarrgemeinde. Wir wollen“, so forderte er, „das Jubiläum mit der Grundsteinlegung für unsere neue Kirche feiern. Aber aus Euren Opfern muß sie gebaut werden. Wer mitbaut an der Kirche, baut an seinem Glück. Wer am Tage der Einweihung mit dem Bischof in das Gotteshaus einzieht und sprechen kann: ‚Herr, ich habe geliebt die Zierde Deines Hauses und den Ort des Wohnens Deiner Herrlichkeit‘, der wird wahre Kirchweihfreude kosten, und der kann überzeugt sein, daß er sich dadurch den Einzug in die himmlischen Wohnungen erleichtert hat!“

Von den 200.000 Mark, die das neue Gotteshaus kosten sollte, waren bereits 43.000 Mark vorhanden.

Ein Freudentag und denkwürdiger Festtag war für die Gemeinde die Einweihung des Gotteshauses am 29. September 1912. Dieses große Erlebnis klingt in der Pfarrchronik lebhaft nach. „Hochfeld erstrahlte im Festkleid. Fleißige Hände hatten die Wanheimer Straße in ein farbenprächtiges Gewand gekleidet. Schon lange vor der angesetzten Zeit wogte eine ungeheure Menschenmenge in der Nähe der Bonifatiuskirche. Scharen festlich gekleideter und frohgesinnter Menschen drängten sich. Galt es doch, zum ersten Male in Hochfelds Mauern einen Bischof zu begrüßen, der kommen wollte, die neue herrliche Kirche zu weihen.“ Dieser gab in der Festpredigt seiner großen Freude über das gelungene Werk und den herzlichen Empfang Ausdruck. In feierlichen Zeremonien nahm Bischof Felix die Konsekration vor, der die Gläubigen in andächtiger Stille folgten. In der anschließenden weltlichen Feier gratulierte Duisburgs Oberbürgermeister Geheimrat Lehr zu dem bedeutsamen Anlaß. Die Festversammlung brachte auf Kaiser Wilhelm II. und Papst Pius X. begeisterte Hochrufe aus. Die vom Hannoveraner Architekten Jagielski und einer Hannoverschen Baufirma erbaute Kirche, in der auch das prachtvolle neue Geläute mit fünf Glocken und die herrlichen Akkorde einer großen Orgel erklangen, hatte ihren tiefen Eindruck nicht verfehlt. Voller Ge­nugtuung und Dankbarkeit stellte Pastor Meyer fest: „Das große Werk wurde in 13 Monaten fertiggestellt! Sie soll allen eine Quelle reicher Gnaden sein!“



Erweiterungen und Umbauten bis 1961

Die Kirche und das Krankenhaus sind bleibende Zeugen für die Bemühungen und Leistungen des Pfarrers Meyer, der allzu früh, noch nicht 58 Jahre alt, am 2. Juli 1923 verstarb. Nachfolger von Pastor Meyer wurde Pfarrer Karl Llmberg, der als Kaplan an St. Michael Wanheimerort Gelegenheit gehabt hatte, sich mit den Problemen einer Industriegroßstadt und mit den Hochfelder Verhältnlssen vertraut zu machen. Seine ganze Kraft widmete er der Entwicklung, Erweiterung und Modernisierung des Marien-Hospltals. Er kaufte das gesamte Gelände zwischen Grunewald und Wörthstraße, und ließ schöne Parkanlagen und Wlrtschaftsräume anlegen. Durch den Weitblick des Pfarrers Limberg erhielt die Pfarrgemeinde St. Bonlfatius einen zusammenhängenden Kirchenbesitz, wie ihn keine Gemeinde Duisburgs nachweisen kann. Pastor Limberg konnte 1950 im Marien-Hospital sein goldenes Priesterjubiläum feiern. Am 14. November 1953 gab er seine Seele in die Hände seines Schöpfers zurück.

Pfarr-Rektor Heinrich Baaken aus Hamborn übernahm die Pfarrgemeinde in den schlimmen Nachkriegsjahren. In grauenvollen Bombennächten waren die Kirche, das Pfarrhaus, das Marien-Hospital stark mitgenommen und teilweise zerstört worden. Die Hauptaufgabe Pastor Baakens war die Ausschöpfung der Möglichkeiten, an einen Wiederaufbau und an die Beseitigung der Kriegsschäden zu denken. Er ließ Reparaturen an der Kirche und am Marien-Hospital vornehmen und schuf in dem Lehrlings- und Jungarbeiterheim Unterkünfte für die heimatlose Jugend. Im Jahre 1952 erfolgte die Berufung zum Weihbischof zu Münster durch Papst Pius XII.

Das begonnene Aufbauwerk setzte der fünfte Pfarrer der Bonifatiusgemeinde, der Caritasdirektor von Recklinghausen, Bernhard von Heyden, mit Schwung und Erfolg fort. Ihm waren in kurzer Zeit dank der Mithilfe der opferbereiten, begeisterungsfähigen Gemeinde und hilfsbereiter Wohltäter sichtbare und schöne Erfolge beschieden. Schon Weihnachten 1952, ein halbes Jahr nach der Einführung des Pfarrers, erklangen fünf Stahlglocken, das größte Geläute in Duisburg, vom Turm der St.-Bonifatius-Kirche. In die Amtszeit des Pfarrers van Heyden fallen die Modernisierung des Krankenhauses, der Bau der Josefshalle, die Ausgestaltung der Krypta in der Kirche, die Errichtung der Taufkapelle, die neue, mächtige Orgel und als Krönung des Ganzen die Neugestaltung und der Innenumbau der St.-Bonifatius-Kirche, die sich nun in stilvoller Reinheit und Klarheit darbietet. Hier sei nur hingewiesen auf das wertvolle Altarmosaikkreuz, das herrliche Tabernakel und den eindringlich aus Bronze gestalteten Kreuzweg. Eine Würdigung der neugestalteten Kirche findet der Leser an anderer Stelle.


So geht es weiter

01.09.2000
Die Hochfelder Gemeinden St. Bonifatius, Christus König und St. Peter schließen sich zur neuen Pfarrgemeinde St. Bonifatius zusammen. St. Bonifatius wird Pfarrkirche, Christus König und St. Peter werden Filialkirchen.

01.10.2006
Alle Pfarrgemeinden des Dekanates Duisburg-Mitte werden zur neuen Großpfarrei Liebfrauen vereinigt. Innerhalb dieser Großpfarrei wird die bisherige Pfarrei St. Bonifatius zur Gemeinde Christus König mit Christus König als Gemeindekirche, St. Bonifatius als Filialkirche und St. Peter als weiterer Kirche.

04.03.2017
Zum letzten Mal wird in St. Bonifatius die hl. Messe gefeiert; der Standort wird von der Pfarrei Liebfrauen aufgegeben. Von nun an wird die Bonifatiuskirche komplett von der koptischen Gemeinde Duisburg „Hll. Kosmas und Damian“ genutzt, die schon seit 2 Jahren sonntags hier zu Gast ist.


Pfarrer und Pastöre an St. Bonifatius


Bilder aus der Kirche


Dokumente

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Fest-Versammlung zur Feier der Einweihung der Kirche in St. Bonifaz, 29.09.1912
Festversammlung Boni 1912.pdf
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Jubelfest des Katholischen Gesellenverein Duisburg-Hochfeld, 1879 - 1929
Festschrift 50 Jahre Gesellenverein 1929
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