St. Joseph

Rundgang durch die Pfarrkirche

© 2004 Aljoscha E.

Quelle: liebfrauen-duisburg.de (Homepage der Gemeinde Liebfrauen)


Die Geschichte Teil I (1854-1941)

Als um die Mitte des 18. Jahrhunderts die Zahl der Katholiken in Duisburg infolge der industriellen Entwicklung stark zunahm, wurde der Plan gefasst, eine neue Kirche zu der bereits vorhandenen Liebfrauenkirche zu bauen. Der große Verdienst um die Planung und den Neubau dieser Kirche fiel dem Pfarrer Bernhard Vennewald zu, der von 1854-1879 als Pfarrer der gesamten katholischen Gemeinde in Liebfrauen wirkte.

Nachdem man 1857 in der Papendelle ein Grundstück erworben hatte, wurde der Aufbau der Kirche nach den Plänen des Architekten Wiethase aus Köln in den Jahren 1871-1874 durchgeführt. Der Turm wurde einige Jahre später gebaut. Die feierliche Konsekration der Kirche erfolgte erst im Jahre 1884, nach der Beendigung des Kulturkampfes und der Rückkehr des Bischofs Johann Bernhard aus der Verbannung. Im Jahre 1879 erhielt die Pfarrkirche St. Joseph ihre ersten vier Bronzeglocken „Salvator“, „St. Joseph“, „St. Anna“ und „St. Bernhard“ aus der Glockengießerei Goussel-Francais in Metz. Den Hochaltar schuf im Jahre 1885 die Kunstwerkstatt Langenberg in Goch.

Das Jahr 1888 wurde dann für die Gemeinde St. Joseph ein entscheidendes Jahr. Sie erhielt ihren ersten Pfarrer, Theodor Twinting, der in St. Joseph 20 Jahre lang wirkte. Kurz vor seiner Verabschiedung konnte Pfarrer Twinting den bei der Kunstwerkstatt Langenberg in Goch bestellten, noch heute gut erhaltenen neugotischen Marienaltar der Pfarrgemeinde übergeben.

Als Nachfolger von Pfarrer Twinting erhielt die Gemeinde am 23. Juli 1908 einen neuen Pfarrer, Clemens Cüppers. 33 Jahre wirkte er als Pfarrer und Dechant in St. Joseph.

Im Jahre 1921 wurden für die im Ersten Weltkrieg (1914-1918) abgegebenen Bronzeglocken fünf weitere Glocken beim „Bochumer Verein“ bestellt. Die Vervollständigung der Orgel auf 50 Register erfolgte im Jahre 1935.

1927 wurde Pfarrer Cüppers zum Ehrendomherrn am hohen Dom in Münster ernannt. Die letzten Jahre der Amtstätigkeit von Prälat Cüppers waren überschattet von schweren Sorgen und tiefem Leid, insbesondere durch die Naziherrschaft und den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.



Die Geschichte Teil II (1941 - heute)

Am 1. April 1941 trat Pastor Cüppers von seinen Ämtern zurück und Bischof Clemens August von Galen berief den Kaplan Theodor Dümpelmann am 8. April 1941 zum Pfarrer in St. Joseph. Für die Gemeinde begannen nun die schlimmen Kriegsjahre. Im April und Mai 1943 wurde bei zwei Bombenangriffen zum ersten Mal die St. Josephskirche beschädigt. Die schwerste Zerstörung fand am 22. Mai 1944 statt. Durch einen Flugangriff standen Turm und Kirchenschiff in Flammen. Die fünf Stahlglocken durchschlugen das Gewölbe und auch die Orgel. Bei weiteren Angriffen wurde die Inneneinrichtung und die Kirche völlig zerstört. Nur der ausgebrannte Turm und das Seitenschiff der Kirche blieben stehen. In den letzten Monaten des Krieges ernannte Clemens August von Galen dann am 9. Februar 1945 den bisherigen Kaplan Alois Welling zum Pfarrer in St. Joseph. Seine erste Aufgabe war der Ausbau der Notkirche im Josephshaus. Alle weiteren Gottesdienste fanden dort statt.

Der Wiederaufbau der Kirche begann im Jahre 1948. Bereits im Juli 1947 konnte die Gemeinde den bekannten Kirchenbaumeister Professor Dominikus Böhm für die große Aufgabe gewinnen. Das Ungewöhnliche an dem Entwurf war, dass in dem Plan das noch einigermaßen erhalten gebliebene neugotische Seitenschiff mit einbezogen wurde. Gleichzeitig wurde unter dem jetzigen Hochchor ein weiterer Gottesdienstraum geschaffen, die Krypta. Im Dezember 1956 konnte dort zum ersten Mal Gottesdienst gefeiert werden. Der Rohbau der Kirche bis auf die Sakristei wurde im Jahre 1949 vollendet. Die Sakristei wurde erst 1950 angefügt. Die Orgelbühne entstand 1952. Bei der Firma Klais in Bonn bestellte man eine 47 Register starke Orgel. Diese blieb leider ein Teilwerk, da sie bis heute nur 31 klingende Register besitzt.

Ein vorläufiger Abschluss in der Ausgestaltung unserer Pfarrkirche fand 1957 durch den Einbau des großen Chorfensters statt. 14x14m groß und in 240 Felder aufgeteilt, füllt es die gesamte Rückwand unserer Kirche. Mittelpunkt ist die Gestalt des Weltenrichters. Dieser thronende Christus ist überlebensgroß dargestellt und misst weit über 7 m. Harmonisch bildet das Fenster mit seinen schwingenden Formen einen Kontrast zu der rechteckigen Form des Kirchenraumes. Ludwig Bauer aus Telgte lieferte den Entwurf, die Firma Derix aus Kevelaer führte die Arbeiten aus. Am Christkönigsfest 1958 wurde die nun wiederhergestellte St. Josephskirche durch den Bischof geweiht.

Durch das Zweite Ökumenische Konzil (Oktober 1962 - Dezember 1965) wurden weltweite Veränderungen in Bezug auf die Liturgie beschlossen. Feierte der Priester das Messopfer bisher mit dem Rücken zur Gemeinde, so wurden jetzt die Altäre in die Mitte des Chorraumes gestellt, und der Priester zelebrierte den Gottesdienst mit dem Blick zum Volk. Priestersitz und Ambo und eine neue Aufstellung des Tabernakels machten nun auch vielfach einen neue Gestaltung des Chorraumes in den katholischen Kirchen notwendig. Die erste Umgestaltung des Chorraumes in unserer Pfarrkirche begann Anfang des Jahres 1966 durch Pfarrer Gaston Holl, der 1961 die Leitung der Pfarrei St. Joseph übernommen hatte. Der Chorraum wurde zur Kirchenmitte hin vergrößert. Der Hochaltar wurde verkleinert und weiter vorgezogen. Der Tabernakel, der bisher festverbunden auf dem Hochaltar stand, wurde zunächst auf eine Stelle in die Apsis des Seitenschiffs gesetzt. Man nahm die Kanzel weg und schuf einen provisorischen Holzambo. Hinter dem Altar errichtete man neue Sitzgelegenheiten für die Messdiener und den Priestersitz für den Zelebranten. Der Fußboden der Kirche wurde mit Teppichboden ausgelegt und in den gesamten Kirchenraum wurde eine neue Beleuchtung installiert. Im Jahre 1975 waren die Umbaumaßnahmen weitgehend abgeschlossen, und so wurde der neuen Liturgiereform auch in unserer Kirche Rechnung getragen.

Da Tabernakel, Priestersitz und Ambo noch fehlten, war die endgültige Gestaltung des Chorraumes noch nicht abgeschlossen. Im Mai 1979 bekam die Pfarrei St. Joseph einen neuen Pfarrer, Horst Hermann Moritz, und so wurde die weitere Gestaltung des Chorraumes geplant und 1982 angegangen. Es erwies sich als ungewöhnlich schwierig einen geeigneten Platz für den Tabernakel zu finden, da der Blick zu dem schönen Chorfenster nicht verstellt werden sollte. Dombaumeister Dohmen vom bischöflichen Baudezernat begutachtete den Raum und man entschied, dass die linke Wand des Chorraumes ein geeigneter Platz für den Tabernakel wäre.

Seit der Umgestaltung im Jahre 1975 merkte man, dass auch der Platz des Altars im Chorraum noch korrekturbedürftig sei, und der Altar mit Ambo und Tabernakel einen Einheit bilden müsse. So wurde der Chorraum nochmals umgestaltet und erweitert. Den Auftrag hierfür erhielt der Architekt ter Huerne.

Den Auftrag zur Schaffung eines neuen Altares, des Ambos und des Tabernakels erhielt der Künstler Oliberius aus Wendel im Saarland, der schon in anderen Kirchen Duisburgs sakrale Werke geschaffen hatte. Der Stein für Altar und Tabernakel kam aus der Nähe von Limburg an der Lahn, und so wurde bereits im Jahre 1984 der Altar fertiggestellt. Die feierliche Konsekrierung des Altars erfolgte einige Zeit später, und zwar durch den damaligen Bischof Kardinal Hengsbach. In den Jahren danach wurden Priestersitz und Tabernakel geschaffen. Ambo, Osterleuchter und die neben dem Altar frei stehenden Kerzenleuchter wurden ebenfalls vom Künstler Oliberius in Bronze gegossen. Chor, Altar, Tabernakel und Ambo bilden eine lebendige Einheit vor dem Hintergrund, in dem Christus als der Mittelpunkt bei jedem Zusammentreffen der Gemeinde in der Eucharistie erscheint. Da die Beleuchtung des Altarraumes und des gesamten Kirchenschiffs zu wünschen übrig ließ, schuf gleichzeitig der Architekt ter Huerne neue, durchaus auch ein wenig ungewöhnliche Beleuchtungskörper, die sich aber harmonisch in den liturgischen Raum einfügen.

Schweift der Blick zum Seitenschiff, so wird man einen anderen Baustil feststellen. Es ist der neugotische Stil, in dem die Kirche im Jahre 1874 erbaut wurde. Dieses Seitenschiff ist in den Neubau der Kirche einbezogen. In der Apsis des Seitenschiffs hat auch der Marienaltar aus dem Jahre 1906 wieder seine Aufstellung gefunden. Er wurde von der Kunstwerkstatt Langenberg in Goch als neugotischer Schnitzaltar in Goldfassung geschaffen und später von der Gemeinde St. Joseph erworben.



Die Kirche heute

Wer nun heute die St. Josephskirche am Dellplatz betritt, ist begeistert von der Einheitlichkeit der künstlerischen Gestaltung des gesametn Kirchenraumes. Die herrlichen Farben des Chorfensters geben dem Raum Wärme und tiefen sakralen Charakter. Nach der Erbauung im Jahre 1874, der Zerstörung im Krieg und mehrerer Umgestaltungen ist die St. Josephskirche nun wieder ein gut gestaltetes und würdiges Gotteshaus.


So geht es weiter

01.07.2000
Die Innenstadt-Gemeinden St. Joseph, Liebfrauen, Mutter vom guten Rat (Karmelgemeinde), St. Clemens (Kaßlerfeld) und Heilig Kreuz (Neuenkamp) schließen sich zur neuen Pfarrgemeinde Liebfrauen zusammen. St. Joseph wird Pfarrkirche, die anderen 4 Kirchen werden Filialkirchen.

01.10.2006
Alle Pfarrgemeinden des Dekanates Duisburg-Mitte werden zur neuen Großpfarrei Liebfrauen vereinigt. Innerhalb dieser Großpfarrei wird die bisherige Pfarrei Liebfrauen zur Gemeinde Liebfrauen mit St. Joseph als Pfarrkirche sowie Liebfrauen, Heilig Kreuz und St. Clemens als weiteren Kirchen; die Karmelkirche wird Gemeindekirche einer Personalgemeinde.

24.08.2014
Nach 16-monatiger Renovierungsphase wird St. Joseph wiedereröffnet; u.a. wurde das große Chorfenster ausgebaut und durch einfache Glasfenster ersetzt, die den Blick nach außen freigeben. Die Kirche wird in das Platzhirsch-Festival am Dellplatz eingebunden. Unter dem Titel „Art Sankt Joseph“ entwickelt sich St. Joseph seitdem zur Kulturkirche mit regelmäßigen Konzerten und Ausstellungen.


Pfarrer an St. Joseph

1888-1908 Theodor Twinting
1908-1941 Clemens Cüppers
1941-1945 Theodor Dümpelmann
1945-1961 Alois Welling
1961-1979 Gaston Holl
1979-2006 Hermann Horst Moritz
2006-2017 Bernhard Lücking