Pfarreientwicklungsprozess bringt große Veränderungen

Am Montag hat die Koordinierungsgruppe ihren Vorschlag bekanntgegeben, wie unsere Pfarrei bis 2030 aufgestellt sein soll. Veränderungen gibt es vor allem in Duissern, Hochfeld und Wanheimerort. Berichte der Duisburger Lokalpresse.


Große Veränderungen in „Liebfrauen“

Auch der Koordinierungsausschuss des Pfarreientwicklungsprozesses der Großpfarrei Liebfrauen mit seinen sechs Standorten sieht Einschnitte vor: St. Michael in Wanheimerort wird aufgegeben. Neues Leben für altes Kloster.

Von Peter Klucken

Nicht nur im Duisburger Süden, sondern überall im Stadtgebiet wird es in den katholischen Gemeinden Einschnitte geben, die von den verschiedenen Koordinierungsgruppen des Pfarreientwicklungsprozesses begleitet werden. Gestern gab die Großpfarrei Liebfrauen eine allgemein gehaltene Presseerklärung heraus, die auf die kommenden Entwicklungen einstimmt.

Die Pfarrei Liebfrauen, so heißt es in der Erklärung, stehe vor der Herausforderung, „die Zukunft angesichts geringer werdender finanzieller Mittel und gesellschaftlicher Veränderungen gestalten zu müssen“. Der Vorschlag, den die Koordinierungsgruppe nun vorgelegt hat, sehe vor, dass an allen sechs Gemeindestandorten der Großpfarrei „ein für die Pastoral genutztes Gebäude langfristig erhalten bleibt“. Damit sei sichergestellt, dass kirchliches Leben auch weiterhin in den Stadtteilen gelebt werden kann. Nicht festgeschrieben wird in der Erklärung, dass dieses pastoral genutzte Gebäude eine Kirche sein muss. Es könnte auch ein Gemeindehaus oder ein Pfarrhaus sein. Für jede einzelne Gemeinde müsse ein eigenes „Zukunftsszenarium“ entworfen werden. Das könne vom Neubau über eine weitere Fremdvermietung bis hin zur Aufgabe einer Immobilie reichen.

Neben den klassischen Gemeindeorten möchte die Liebfrauengemeinde auch die Innenstadt neu in den Blick nehmen. Es werde überlegt, mit einem Info- und Service-Point in die City zu ziehen. Der Vorschlag der Koordinierungsgruppe soll nun zwei Monate lang in den Gremien der Pfarrei diskutiert werden. Im November soll es eine abschließende Abstimmung geben. Auf Nachfrage der RP erläuterte Pastoralreferent Dr. Markus Borzymski konkrete Vorschläge aus der Koordinierungsgruppe. Danach sollen die Kirchen St. Michael in Wanheimerort und St. Elisabeth in Duissern vom Bistum bis zum Jahr 2025 aufgegeben werden. Bislang war St. Michael in Wanheimerort die Hauptkirche und St. Petrus Canisius die Filialkirche. Nach dem jüngsten Vorschlag wird St. Petrus Canisius nun Hauptkirche, vermutlich auch wegen der engagierten Mitarbeit der Gemeindemitglieder. Bereits aufgegeben wurde die Kirche St. Bonifatius in Hochfeld. Hier seien die Verhandlungen zur Gebäudeübernahme mit der koptischen Gemeinde, die in der Kirche bereits Gottesdienste feiert, auf einem guten Wege.

Interessante Perspektiven sieht der Pastoralreferent für das einstige Augustinerkloster an der Hochfelder Karl-Jarres-Straße, das zur Gemeinde Christus König gehört. Dieses Gebäude könnte so umgebaut werden, dass es sowohl kirchlich-pastoral als auch als Wohngebäude genutzt werden kann. Ähnlich wie es bereits jetzt in der Karmel-Kommunität geschieht, wo Priester und kirchlich engagierte Laien eine lockere Wohngemeinschaft bilden. Ein weiterer, bislang noch nicht veröffentlichter Plan ist, dass der Bund der katholischen Jugend (BDKJ) in das Josephshaus neben der Josephskirche am Dellplatz einzieht.

Die aktuellen Pläne hat Dr. Markus Borzymski so zusammengefasst:

1.) Die Karmelgemeinde - hier bleibt alles unverändert (Gebäude gehören dem Bistum Essen und nicht der Kirchengemeinde). 2.) St. Gabriel in Neudorf - hier bleibt auch zunächst alles unverändert. 3.) St. Ludger in Neudorf - hier ist bereits das Ludgerushaus verkauft worden. Die Filialkirche in Duissern St. Elisabeth soll bis spätestens 2025 „auslaufen“. 4.) Liebfrauengemeinde mit der Josephskirche am Dellplatz: hier bleibt alles unverändert. Das Josephshaus an der Goldstraße hat sich zum Haus für die Pfarrei gewandelt. Der BDKJ Duisburg wird im Sommer in das Haus ziehen, und die KJG St. Ludger nutzt bereits den Keller als Kinder- und Jugendbereich 5.) Christus König: Neuinvestition an der Karl-Jarres-Straße unter dem Leitwort der Gemeinde „Gastfreundlich“ (Kombination von Wohnbebauung und gemeindlicher Nutzung); die Filialkirche St. Bonifatius wird der koptischen Gemeinde übergeben. 6.) St. Michael in Wanheimerort: Der Gemeindestandort St. Michael soll bis 2025 ebenfalls auslaufen - das gemeindliche Zentrum wird in St. Petrus Canisius liegen.

(aus: rp-online.de, 25.04.17)

Die Kirche St. Michael in Wanheimerort. (RP-Foto: Andreas Probst)
Die Kirche St. Michael in Wanheimerort. (RP-Foto: Andreas Probst)
St. Elisabeth in Duissern (RP-Foto: Andreas Probst)
St. Elisabeth in Duissern (RP-Foto: Andreas Probst)
St. Canisius könnte Hauptkirche werden. (RP-Foto: Andreas Probst)
St. Canisius könnte Hauptkirche werden. (RP-Foto: Andreas Probst)
Die Karmel-Kommunität gilt als Vorbild. (RP-Foto: Christoph Reichwein)
Die Karmel-Kommunität gilt als Vorbild. (RP-Foto: Christoph Reichwein)


Pfarrei Liebfrauen will bis 2025 Kirchen schließen

Für Gotteshäuser in Duissern, Hochfeld und Wanheimerort wird eine neue Nutzung überlegt. Nur noch ein Gebäude pro Gemeinde soll erhalten bleiben.

Von Fabienne Piepiora

Die katholische Kirchengemeinde Liebfrauen schrumpft und muss sich deshalb von Gebäuden trennen. Aktuell gibt es im Bezirk Mitte noch 31 000 Katholiken. Seit einigen Monaten wird an runden Tischen über die Perspektive 2020 diskutiert. An jedem der sechs Gemeindestandorte soll eine Kirche, ein Gemeindeheim oder Pfarrhaus bestehen bleiben. „Damit ist sichergestellt, dass kirchliches Leben auch weiterhin in den Stadtteilen gelebt werden kann“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Den Weg gemeinsam gehen

Das bedeutet aber auch, dass zum Beispiel die Kirche St. Elisabeth in Duissern geschlossen wird. Auch für St. Michael in Wanheimerort soll eine neue Nutzung gefunden werden. Christus König in Hochfeld könnte gar abgerissen und neugebaut werden. Die Stimmung unter den Gemeinderatsmitgliedern, die nun von den Plänen erfuhren, war gedrückt. „Wir müssen nun schauen, wie wir den Weg gemeinsam gehen und ansprechbar bleiben für alle Mitglieder, wenn sie Sorgen haben oder mit Ideen zu uns kommen. Niemand darf seelsorgerisch auf der Strecke bleiben, erklärt Rita Osowski aus Neudorf.

St. Ludger in Neudorf soll seine Kirche behalten. Das Gemeindehaus ist bereits an eine Sprachschule verkauft worden. „Die Kirche St. Elisabeth steht noch nicht unter Denkmalschutz, wir wollen Gespräche führen, was mit dem Haus passiert“, erklärt Pastoralreferent Markus Borzymski, der den Umstrukturierungsprozess koordiniert. Momentan treffen sich zum Beispiel auch die Schützen im Gemeindehaus an der Duissernstraße, um dort zu trainieren. Auch mit ihnen soll gesprochen werden.

„Gut ist, dass wir mitreden dürfen und alles so früh bekannt gegeben wird“, sagt Thomas Adrian, Vorsitzender des Gemeinderats von St. Michael in Wanheimerort. Auch diese Kirche soll auslaufen und sich das Gemeindeleben zu St. Petrus Canisius verlagern. Dieses Gotteshaus wurde 1936 neu errichtet. St. Michael ist älter. „Der Zustand von St. Petrus Canisius ist noch ein bisschen besser. Und außerdem fasst sie nur 400 Personen, in St. Michael passen 600 Personen“, vergleicht Adrian. Er will seine Wanheimerorter Mitglieder nun informieren.

Nachkriegsgebäude wurde als Kloster gebaut

Die weitreichendste Veränderung wird wohl auf Christus König an der Karl-Jarres-Straße zu kommen. Das Nachkriegsgebäude wurde damals als Kloster gebaut. Der Kirchsaal befindet sich in der ersten Etage. „Wir haben viele kleine Räume, das ist nicht mehr zeitgemäß“, beschreibt Borzymski. In den nächsten zehn Jahren wird freilich noch nichts passieren – auch der benachbarte Kindergarten hat Bestandsschutz. „Es gibt dort Interesse, zu erweitern“, erklärt Borzymski. Aber auch ein Abriss und Neubau wäre denkbar – in Kombination mit Wohnbebauung an der Karl-Jarres-Straße.

Bei der Umstrukturierung der Pfarrei liegt der Fokus auch auf der Innenstadt. „Wir wollen in der City präsent sein. Es wird überlegt, einen Info- und Service-Point einzurichten“, so Borzymski. Die Vorschläge der Koordinierungsgruppe werden nun zwei Monate in den Gremien diskutiert. Veränderungsvorschläge können noch gemacht werden. Im Herbst wird dann über das Konzept entschieden.

 
Die Gemeinden im Überblick

Zur Liebfrauengemeinde gehören die Josephskirche (Dellplatz), das Josephshaus (Goldstraße), das Pfarrhaus, Dienstwohnungen und die Kirche Heilig Kreuz an der Essenberger Straße. Heilig Kreuz in Neuenkamp wird bereits in diesem Jahr geschlossen. „Ansonsten bleibt alles unverändert.“ Das Josephshaus hat sich zum Haus für die Pfarrei gewandelt. Der BDKJ Duisburg wird im Sommer in das Haus ziehen und die KJG St. Ludger nutzt bereits den Keller als Kinder- und Jugendbereich.

St. Anna ist bereits geschlossen

Zur Gemeinde St. Gabriel gehören das Gabrielhaus, die Gabrielkirche, die katholische öffentliche Bücherei, das Gemeindebüro und St. Anna. St. Anna ist bereits geschlossen, ansonsten soll alles unverändert bleiben. Die Karmelgemeinde gehört ebenfalls zur Pfarrei. Hier bleibt alles unverändert, die Gebäude gehören dem Bistum und nicht der Gemeinde.

Zu Christus König in Hochfeld gehört neben der Kirche an der Karl-Jarres-Straße auch die Sozialkirche St. Peter (Brückenstraße 30) und St. Bonifatius (Wanheimer Straße). Diese wird der koptischen Gemeinde übergeben.

(aus: waz.de, 27.04.17)

Die Kirche St. Elisabeth mit ihrem angrenzenden Gemeindehaus steht noch nicht unter Denkmalschutz. Für beides wird eine neue Nutzung überlegt. Die Gemeindemitglieder besuchen schon jetzt die Gottesdienste in Neudorf. (WAZ-Foto: Hendrik Niebuhr)
Die Kirche St. Elisabeth mit ihrem angrenzenden Gemeindehaus steht noch nicht unter Denkmalschutz. Für beides wird eine neue Nutzung überlegt. Die Gemeindemitglieder besuchen schon jetzt die Gottesdienste in Neudorf. (WAZ-Foto: Hendrik Niebuhr)
Die Gemeinde im Überblick. (WAZ-Foto:  Gerd Bertelmann)
Die Gemeinde im Überblick. (WAZ-Foto:  Gerd Bertelmann)