Ehrenamt im Sozialzentrum: Schulförderung

Die pensionierte Lehrerin Marsha Tigges-Lammers fördert im Sozialzentrum St. Peter Grundschulkinder aus verschiedenen Ländern.


Marsha Tigges-Lammers
Marsha Tigges-Lammers

Im Mai 2015 wurde in der katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ der Heinrich-Brauns-Preis verliehen. Dieser Preis ehrt Menschen, die in besonderer Weise sozialpolitisch engagiert sind. Ich war von Familie Schneider eingeladen an der Feierstunde teilzunehmen. [Anm. d. Webmasters: Preisträger waren der frühere EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider und das Sozialzentrum St. Peter.]

Beim Lesen der Einladung war ich überrascht und erfreut, dass ich neben Schneiders noch andere Bekannte wiedersehen würde. Familie Bongardt würde ich antreffen, die ich aus früheren Zeiten in der Gemeinde St. Joseph kannte. Schwester Martina kannte ich nicht, aber ich freute mich, dass auch ihr und Herrn Bongardt für das Sozialzentrum Hochfeld der Preis zugesprochen wurde.

Warum dies so war, das erfuhr ich dann aus der Laudatio und aus der Rede, die die Preisträger hielten. Ich war so beeindruckt von dem, was ich hörte, dass ich sofort entschied, mich in irgendeiner Form an der Arbeit in Hochfeld zu beteiligen.

2015 war ein besonderes Jahr und ich war nach meiner Pensionierung auf der Suche nach aktivem Mittun. Ich kannte Hochfeld als Stadtteil und wusste um die vielen Anstrengungen, die die verschiedensten Gruppen unternahmen, um hier Integration von Menschen aus unzählig vielen verschiedenen Nationen zu fördern.

Eigentlich hatte ich nach ca. 40 Jahren Tätigkeit in der Schule das Gefühl es sei jetzt genug, aber da kannte ich noch nicht Schwester Martina. Sie schlug mir nach der ersten Kontaktaufnahme vor, mir am folgenden Freitag die Schulförderung anzuschauen und dann zu entscheiden, ob ich mitmachen wollte.

Zuerst zögerte ich. Grundschüler hatte ich noch nie unterrichtet, nur Schüler der Klassen 5-10, und das in Englisch. Doch Ich sagte zu. Ich wollte es versuchen. Ich vertraute ganz meinen engagierten, gestandenen Grundschulkollegen und natürlich allen anderen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern.

 

„Warum machst du das?“
wurde ich später oft von Bekannten gefragt. Die Antworten sind sehr einfach und vielfältig.

  • Das Sozialzentrum Hochfeld ist ein anregender, lehrreicher Ort für Schüler und Erwachsene. Wir lernen voneinander. Ich lerne hier Menschen kennen, denen ich in meinem normalen Alltag nicht mehr begegnen würde.
  • Den vielleicht wichtigsten Grundsatz für die Arbeit und das Zusammensein aller erfuhr ich gleich zu Anfang laut und klar:
    Alle Kinder, egal, ob sie aus Rumänien, Bulgarien, Syrien, Serbien, Armenien, der Türkei oder Albanien kommen, werden gleich behandelt. Egal welcher Nation, und egal welcher Religion sie angehören, es wird kein Unterschied gemacht. Jeder ist willkommen.
    Ich war überzeugt, das ist des Pudels Kern.
  • Alle Kinder erfahren eine Zuwendung, die sie so nicht oft erleben. Sie arbeiten in Kleingruppen, bekommen Dinge erklärt, die sie nicht verstanden haben, und für die in der Schule keine Zeit ist in überfüllten Klassen. Sie bekommen Unterstützung bei den Hausaufgaben und erweitern ihren Sprachschatz. Die Kinder sind motiviert und lernen gerne.
  • Sie werden nett und respektvoll behandelt und lernen nett und respektvoll zu anderen Kindern zu sein. So sagte es ein Mädchen aus der 4. Klasse.
  • Wie freuen wir uns, wenn ein Kind einen Entschuldigungsbrief schreibt, dass es leider nächste Woche nicht kommen kann, wenn ein Kind sich entschuldigt, dass es 2 Minuten zu spät gekommen ist. Wir alle wissen, das ist nicht selbstverständlich.
  • Die Kinder genießen den freundlichen Ort, die gemeinsamen Spiele in der Pause und das gemeinsame Essen an einem großen Tisch mit bunten Bechern.
  • Es ist eine wunderbare Atmosphäre, in der sich hier alle begegnen.

 

Was noch gesagt werden muss:

  • Es wird nie vergessen, dass wir Ehrenamtliche sind. Wir werden richtig gut behandeltund dürfen natürlich auch mal fehlen.
  • Und: Wie lecker das Adventsessen für alle war: Waren es 8 Nationen, die gekocht haben?
  • Hier wird Verschiedenheit gelebt und toleriert und wertgeschätzt. Wie anders kann ich Kinder stärken?

Marsha Tigges-Lammers