Pfarrkirche St. Joseph will sich den Menschen öffnen

Im Krieg wurde die St. Josephs-Kirche am Dellplatz zerstört. Die Gemeinde baute sie wieder auf. Mittlerweile ist sie Ort der Vielfalt und Kultur. Die WAZ stellt unsere Pfarrkirche vor.


Pfarrkirche St. Joseph will sich den Menschen öffnen

Pfarrer Bernhard Lücking in der St. Josephskirche: Der 69-Jährige ist stolz auf den renovierten Innenraum. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)
Pfarrer Bernhard Lücking in der St. Josephskirche: Der 69-Jährige ist stolz auf den renovierten Innenraum. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)

Im Krieg wurde die St. Josephs-Kirche am Dellplatz zerstört. Die Gemeinde baute sie wieder auf. Mittlerweile ist sie Ort der Vielfalt und Kultur.

Von Dominik Loth

Im hinteren Teil der Pfarrkirche St. Joseph steht das kostbarste, das Bernhard Lücking, Pfarrer der Gemeinde Liebfrauen, zeigen kann. Ein meisterlich geschnitzter, jahrhundertealter Chorstuhl. An der vorderen Ecke ist ein Bild Augustinus, das ihn mit einem brennenden Herzen zeigt, zu seinen Füßen eine kleine Muschel, ein Verweis auf seine Überlegungen zur Dreifaltigkeit. Nur zwei Symbole, die den Chorstuhl zieren. Er hat sich hier niedergelassen in der im Krieg zerstörten Kirche. „Wir wissen selbst nicht, woher er kommt“, sagt der 69-Jährige. Der Stuhl stamme vermutlich aus dem Spätmittelalter, ein Relikt des Vergangenen, das in dieser Kirche so stark kontrastiert mit der Gegenwart. Denn die St. Josephs-Kirche hat sich gewandelt. Sie ist Vielfalt, ist Kultur, ist Zentrum der Begegnung am Dellplatz.

Kirche „ist für alle da“

Im Sommer, wenn vor dem Grammatikoff, Filmforum und Webster gegessen und getrunken wird, steht die Seitentür auf. Das Portal am Flügel lädt die Menschen ein, sagt Lücking. „Sie kommen herein und wollen kurz die Ruhe genießen.“ Im Zuge der Renovierung vor zwei Jahren wurde diese Nebentür wiedereröffnet. Die Kirche, sagt der Stadtdechant, will sich öffnen. „Wir können es uns als Kirche nicht leisten, uns zu verschließen. Diese Kirche ist für alle da.“ Für Neugierige, für Kunstschaffende, die ihre Werke im Keller oder im Hauptgebäude ausstellen wollen, aber auch für andere Gemeinden. Die kroatische nutzt einige Räume ebenso wie die rumänische. „Die Kirche zeichnet die Vielfalt aus, die gerade für Duisburg so typisch ist“, sagt Lücking. „Wir wollen als Kirche daran teilnehmen.“

Im Rahmen der Renovierungsarbeiten wurde das bunte Kirchenfenster ausgetauscht, weil es schadhaft war, normales Glas eingefügt. Das habe im Nachhinein seinen Effekt gezeigt. Die meisten Leute seien beeindruckt von der Transparenz, sie vermittle: „Wir holen die Welt in die Kirche.“ Von außen kann man hineinschauen, von innen sieht man die großen Bäume.

Mit dem Umbau setzte sich eine kulturelle Welle in Gang. Luise Hoyer vom Verein Kultur-Sprung entdeckte den Keller als Ausstellungsraum, Veranstaltungen des Platzhirsch-Festivals wanderten teilweise vom Dellplatz in die Kirche, ein Programm mit Abendmusik wurde entwickelt. Die Kultur blüht in der Kirche, obwohl sie nach dem Krieg in Schutt und Asche lag.

Im Inneren können Besucher Bilder sehen von damals, einem brennenden Kirchturm, ein Gebäude-Skelett. Der Kirchturm sei damals auf den Dellplatz gefallen, erzählt Lücking. Nachdem nur das rechte Kirchenschiff erhalten geblieben war, baute die Gemeinde die Kirche wieder auf, Architekt Dominikus Böhm ahmte den Grundriss nach. Nach einigen Jahren stand die Kirche wieder, sie hatte den Nationalsozialismus überlebt. Im Gegensatz zum Widerstandskämpfer Gottfried Könzgen.

Könzgen erlebte Neubau nicht mit

Das Mitglied des Kirchenvorstandes von St. Josef wurde am 15. März 1945 im Alter von 58 Jahren im KZ Mauthausen umgebracht. Schwer krank starb er einen qualvollen Tod, nachdem er sich für die Aufklärung über den Nationalsozialismus eingesetzt hatte, als erstes nach dem Bombenhagel die Trümmer angepackt hatte. „Das war seine Kirche“, sagt Lücking. Am Eingang ist eine Tafel angebracht, in einem Raum der Kirche hat Lücking 2009 eine Gedenkstätte eingerichtet. Eine gläserne Treppe erinnert an die Treppe im KZ bei Linz, wo die Häftlinge Granitblöcke für Hitlers Prachtbauten hochschleppen mussten. Lücking hat Bilder gemacht und sie in der Kirche an einer Stellwand aufgehängt. Auf einer älteren Aufnahme ist Könzgen zu sehen, unerschrockene Augen, markantes Gesicht.

Imposant: Der Chorstuhl zählt zu den kostbarsten Gegenständen. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)
Imposant: Der Chorstuhl zählt zu den kostbarsten Gegenständen. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)
So sieht die St. Josephs-Kirche im Sommer aus. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)
So sieht die St. Josephs-Kirche im Sommer aus. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)
Blick in den Innenraum: Vor zwei Jahren wurde die Kirche am Dellplatz komplett renoviert. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)
Blick in den Innenraum: Vor zwei Jahren wurde die Kirche am Dellplatz komplett renoviert. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)

(aus: waz.de, 24.02.17)