Beerdigungen durch Ehrenamtliche

Seit einem halben Jahr werden in unserer Pfarrei Beerdigungen auch von ehrenamtlichen Laien übernommen. Die WAZ fragte verschiedene Beteiligte nach einer ersten Bilanz.


So liefen bisher Beerdigungen mit Ehrenamtlichen in Duisburg

Rita Osowski und Elmar Ibels haben schon einige Trauerfeiern in der Kapelle auf dem Alten Friedhof am Sternbuschweg in Neudorf durchgeführt. (WAZ-Foto: Kerstin Bögeholz)
Rita Osowski und Elmar Ibels haben schon einige Trauerfeiern in der Kapelle auf dem Alten Friedhof am Sternbuschweg in Neudorf durchgeführt. (WAZ-Foto: Kerstin Bögeholz)

Ein Duisburger Trio gehört zu den ersten Ehrenamtlichen im Bistum Essen, die seit einem halben Jahr Beerdigungen übernehmen. Eine erste Bilanz.

Von Daniel Wiberny

Seit einem halben Jahr übernehmen in der katholischen Großpfarrei Liebfrauen auch drei Ehrenamtliche Beerdigungen. Rita Osowski, Ulrike Jütten und Elmar Ibels gehören zu den ersten sechs Frauen und Männern im Bistum Essen, die nach einem mehrmonatigen Qualifizierungskurs mit dieser sensiblen Aufgabe neben Pfarrern und hauptamtlichen Laien wie Gemeinde- oder Pastoralreferenten betraut sind. Das Bistum will damit die Freiwilligenarbeit weiter forcieren, reagiert aber auch auf rückläufige Priesterzahlen. Das Duisburger Trio war zusammen bereits für rund 25 bei 330 Beerdigungen im vergangenen Jahr in der gesamten Pfarrei verantwortlich. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen.

Die Neudorferin Rita Osowski, Hausfrau und Gemeinderatsvorsitzende in St. Ludger, hatte eine Woche Zeit, sich auf die Leitung ihrer ersten Beerdigung auf dem Alten Friedhof am Sternbuschweg im vergangenen Juli einzustellen. „Das Kondolenzgespräch vorher mit den Angehörigen war nicht das Problem“, erzählt die 60-Jährige. „Da kamen mir meine Erfahrungen aus dem Trauercafé in Duisburg-Mitte zu Gute. Aber am Morgen der Beerdigung war ich schon sehr nervös. Ich habe mich anfangs total verhaspelt, erst einmal tief durchgeatmet und dann ging’s.“ Seit der überstandenen Feuertaufe sei sie schon ein bisschen abgeklärter und habe bisher auch nur positive Rückmeldungen bekommen. Mit einer Ausnahme: Eine Familie habe im Vorfeld darauf bestanden, dass ein Priester die Beerdigung übernimmt.

„Er wollte unbedingt von mir beerdigt werden“

Für Elmar Ibels, Hausmann und Ehrenamtskoordinator für die Pfarrei Liebfrauen, war die jüngste, seine siebte Beerdigung die bislang schwierigste. „Weil ich den Verstorbenen vorher durch meine Arbeit als Sterbebegleiter sehr gut gekannt habe“, erzählt Ibels. „Er wollte unbedingt von mir beerdigt werden. Da gab’s anfangs großen Widerstand von der Familie.“ Die habe die Beerdigung dann aber doch als „richtig katholisch“ empfunden und sei zufrieden gewesen. Ibels: „Ich versuche grundsätzlich, im Vorfeld herauszufinden, welche Verbindung die Angehörigen noch zu Gott haben, um auf der Beerdigung die persönliche und religiöse Ebene einbeziehen zu können.“

Das sagen die Angehörigen

Lydia Schultz war sehr froh, dass Elmar Ibels die Beerdigung ihrer Tante übernommen hat. Diese habe zuletzt in einem Heim in Kevelaer gelebt, sollte und wollte aber im Familiengrab auf dem Waldfriedhof in Wanheimerort bestattet werden. „Als sie dann gestorben ist, haben wir aber trotz zahlreicher Versuche keinen Pfarrer in Duisburg gefunden. Das finde ich schon erbärmlich. Meine Tante war eine sehr gläubige Frau“, sagt Lydia Schultz. Mit viel Mühe habe sie zum Glück Elmar Ibels ausfindig gemacht, der die Beerdigung dann sehr einfühlsam geleitet habe.

Ebenfalls nur gute Erfahrungen hat Robert Heuwel mit dem Ehrenamtlichen gemacht. Innerhalb von wenigen Wochen hatte der Duisburger erst den Vater und dann die Mutter verloren. „Ich hatte sofort das Gefühl, als ob ich Herrn Ibels schon total lange kennen würde. Er ist wunderbar auf meine Wünsche und Vorstellungen eingegangen.“

Das sagt die Bestatterin

Claudia Schilling vom Bestattungsinstitut Surmund in Duissern freut sich, dass Ehrenamtliche Beerdigungen übernehmen. „Es gibt ja immer weniger Pfarrer. Da können wir bei einem Todesfall nicht mehr wie früher direkt anrufen“, erzählt die Bestatterin mit über 30 Jahren Berufserfahrung. „Das läuft alles nur noch zentral übers Pfarrbüro. Da dauert es schon mal, bis ein Termin vereinbart werden kann. Es gibt Angehörige, die deshalb sogar komplett auf kirchliche Beerdigungen verzichten.“ Deshalb sei der zusätzliche Einsatz von Ehrenamtlichen richtig und wichtig. Wobei Claudia Schilling die Erfahrung gemacht hat, dass vor allem ältere Angehörige nur ungern auf einen Pfarrer verzichten wollen. „Ehrenamtliche und dann vielleicht noch eine Frau – da tun sich einige immer noch schwer. Aber mit ein bisschen Zureden klappt das meistens.“

Das sagt der Pfarrer

Für Pfarrer Bernhard Lücking gehört es zum Selbstverständnis der Kirche, dass nun auch Ehrenamtliche Beerdigungen übernehmen. „Sie machen eine tolle Arbeit.“

Zwei weitere Duisburger derzeit im Qualifizierungskurs

Im Bistum Essen läuft derzeit noch bis April der zweite Qualifizierungskurs für Ehrenamtliche zur Leitung von Beerdigungen. Unter den acht Teilnehmern sind laut eines Sprechers auch zwei aus der Pfarrei Judas Thaddäus im Duisburger Süden. Im September 2016 soll der dritte Kurs folgen. Weitere Infos gibt es über die jeweilige Pfarrei.

Im Bistum Münster können nach einer Regelung vom 15. November 2015 auch Ehrenamtliche Beerdigungen übernehmen. Bisher gab es dies nur in Münster St. Mauritz. Die Hauptabteilung Seelsorge, so eine Sprecherin, möchte in Abstimmung mit Bischof Felix Genn möglichst schnell einen Ausbildungskurs entwickeln, um diesen noch 2016 anzubieten.

Im Evangelischen Kirchenkreis Duisburg sind laut eines Sprechers weiterhin grundsätzlich Pfarrer mit Beerdigungen betraut. Dies sei auch personell zu stemmen. Nur in absoluten Ausnahmefällen kommen demnach Prädikanten, früher auch als Predigthelfer bekannt, zum Zuge. Derzeit gibt es fünf dieser ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Weitere Angebote für Trauernde

Seit rund vier Jahren gibt es das Trauercafé Duisburg-Mitte im katholischen Stadthaus am Wieberplatz. Es ist Teil eines Projekts mit weiteren neuen Angeboten für Trauernde von Ehrenamtlichen der Pfarrei Liebfrauen. Dazu gehören etwa ein Frühstück im Kleinen Prinzen an der Schwanenstraße, Spaziergänge oder Treffs auf dem Alten Friedhof am Sternbuschweg in Neudorf. Weitere Informationen für Trauernde, aber auch für alle, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, gibt es unter 0203 2981697.

(aus: derwesten.de, 14.01.16)