Interview mit Pfr. Bernhard Lücking

Pfr. Bernhard Lücking wurde für weitere sechs Jahre in seinem Amt als Stadtdechant bestätigt. Die WAZ sprach mit ihm über Kirchenein- und -austritte, Flüchtlinge und den Sparkurs des Bistums Essen.


Katholiken müssen sparen – Kirche leben ohne Kirchtürme

Pfarrer Bernhard Lücking genießt die stille Zeit nach Weihnachten. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)
Pfarrer Bernhard Lücking genießt die stille Zeit nach Weihnachten. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)

Pfarrer Bernhard Lücking ist erneut zum Stadtdechanten ernannt worden. Der 67-Jährige weiß: „Der Status quo wird auf Dauer nicht zu halten sein.“

Von Fabienne Piepiora

Die Stadtversammlung der Katholiken hat Pfarrer Bernhard Lücking zum zweiten Mal als Stadtdechanten vorgeschlagen – Ruhrbischof Overbeck ist diesem Votum nun gefolgt. Damit repräsentiert Lücking für weitere sechs Jahre die katholischen Gemeinden und hält Kontakt zu den Vertretern anderer Kirchen und zur Stadt. Er ist seit 2007 im Amt. Auf den 67-jährigen gebürtigen Gelsenkirchener warten schwierige Aufgaben. So hat das Ruhrbistum den Gemeinden eine Debatte über einen weiteren Sparkurs verordnet.

So kurz vor Weihnachten – sind Sie eigentlich im Stress?

Bernhard Lücking: Es ist ja immer etwas zu tun. Ich habe heute eine Schulmesse, führe Wiederaufnahme-Gespräche, muss Räume segnen.

Gibt es viele Menschen, die wieder in die Kirche eintreten?

Lücking: Es sind einige. Vielleicht gibt es in dieser Zeit ein Bedürfnis bei den Menschen, mit der Kirche versöhnt zu sein.

Fragen Sie nach den Gründen für den Aus- und Eintritt?

Lücking: Die sind unterschiedlich. Gerade nach den Missbrauchs-Skandalen und der Sache mit Tebartz-van Elst haben viele Menschen der Kirche den Rücken gekehrt. Meist ist es aber ein längerer Prozess und die Skandale waren nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Wieder einzutreten geht übrigens schneller. Nach einem Aufnahmegespräch schicke ich einen Antrag ans Bistum, der wird postwendend bearbeitet. Dann lade ich die Person zum gemeinsamen Gebet in die Kirche ein. Übrigens ist die Kirche insgesamt voller geworden, es kommen viele Zugewanderte und Flüchtlinge zum Gebet.

In der Flüchtlingsfrage sind die Kirchen ein wichtiger Ansprechpartner für die Stadt. Wie genau sehen Sie Ihre Aufgabe?

Lücking: Es gibt eine große Bereitschaft in den Gemeinden, den Flüchtlingen zu helfen. Neben einem karitativen Ansatz ist es auch wichtig, ihnen eine Heimat im Glauben zu geben.

Bischof Overbeck hat bereits einen weiteren Sparkurs angekündigt. Wie hart wird es diesmal?

Lücking: Diese Ankündigung kam nicht überraschend. Jedem dürfte klar sein, dass der Status quo auf Dauer nicht zu halten sein wird. Aber diesmal haben wir mehr Zeit zu überlegen, wo wir sparen wollen. Bei jungen Leuten nimmt die Bindung zu bestimmten Gotteshäusern ab. Kirche findet nicht nur dort statt, wo ein Kirchturm steht. Nehmen wir das Sozialzentrum in Hochfeld. Das war früher auch eine Kirche und dort passiert ganz viel.

In Röttgersbach hängen die Gemeindemitglieder aber sehr an ihrer Kirche St. Barbara. Nun gab es von Bischof Overbeck Signale, dass das Gebäude erhalten bleibt. Ein gutes Zeichen?

Lücking: Es freut mich, dass es so gekommen ist, weil es viele Härten aus der Diskussion nimmt. Zugleich bietet es die Chance, ein zukunftsweisendes Konzept auszuprobieren, bei dem die Laien künftig eine wichtigere Rolle spielen. Langfristig wird nicht überall ein Priester vor Ort sein. Nur die Eucharistie und die Sakramente sind Aufgaben, die Priester übernehmen müssen. Im Bistum laufen derzeit Schulungen für Laien, damit sie lernen, was man beispielsweise bei einem Beerdigungsdienst beachten muss. Die Priester müssen dennoch nah dran sein, wissen, was in der Gemeinde los ist und koordinieren.

Sie sind jetzt 67. Da gehen andere in Rente.

Lücking: Ich fühle mich noch gesund und fit. Außerdem arbeite ich wirklich gerne in der Stadt, weil ich denke, dass Duisburg oft unterschätzt wird und zu Unrecht so ein schlechtes Image hat. Wir leben hier Welt-Kirche im Kleinen. Meine Kommunionkinder stammen aus acht Nationen, St. Joseph wird von Tamilen besucht, die italienische, kroatische und zahlreiche andere Gemeinden feiern bei uns ihre Gottesdienste und wir sind mit den Kopten freundschaftlich verbunden. Die Arbeit macht mir Freude. Zum Glück kann man in der katholischen Kirche auch mit 70 in Ruhestand gehen – mit 75 ist dann aber endgültig Schluss.

Wofür hätten Sie gerne mehr Zeit?

Lücking: Ich nehme mir bewusst einen Tag in der Woche frei. Meist ist es der Dienstag, denn dann haben auch die Museen geöffnet, ich schaue mir Ausstellungen an oder ich fahre für einen Tag weg.

Wie verbringen Sie die Weihnachtsfeiertage?

Lücking: Um 18 Uhr halte ich eine Messe ab. Das ist noch immer ein besonderer Gottesdienst, der auch besonders vorbereitet werden muss. Am ersten Feiertag habe ich um 10 Uhr eine Messe. Danach genieße ich die stille Zeit, vor Weihnachten ist ja immer viel los. Für mich sind die stillen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr ohnehin viel schöner. Da komme ich zur Ruhe.

(aus: derwesten.de, 19.12.14)