Keiner soll mit leeren Händen gehen

Im Sozialzentrum St. Peter in Hochfeld ist auch die Duisburger Tafel ansässig. Im Tafelladen im früheren Pfarrsaal werden Woche für Woche 750 Familien mit Lebensmitteln versorgt. Ein Bericht der Rheinischen Post.


Keiner soll mit leeren Händen gehen

Tafel-Geschäftsführer Günter Spikofski nimmt auch lange Wege in Kauf, um Ware abzuholen. In Duisburg gibt es nur wenig Lebensmittelproduzenten, und die Discounter kalkulieren nur knapp. (RP-Foto: Christoph Reichwein)
Tafel-Geschäftsführer Günter Spikofski nimmt auch lange Wege in Kauf, um Ware abzuholen. In Duisburg gibt es nur wenig Lebensmittelproduzenten, und die Discounter kalkulieren nur knapp. (RP-Foto: Christoph Reichwein)

Von Hildegard Chudobba

Das Warenangebot der Duisburger Tafel ist oft knapp bemessen. Aber Geschäftsführer Günter Spikofski und seine Mitstreiter schicken keinen Bedürftigen unversorgt wieder nach Hause.

Es gibt nur die eine - Duisburger Tafel, die Woche für Woche 750 Familien in Hochfeld und weitere 100 in Marxloh in den beiden Tafelläden mit Lebensmitteln versorgt, am Grunewald rund 400 Essen an Bedürftige und daneben auch noch an etwa 15 Einrichtungen in der Stadt (Schulen, Kindergärten, Frauenhäuser etc.) ausgibt. Möglich machen das viele freiwillige Helfer und ein ausgeklügeltes logistisches System. Denn nahezu alles, was ausgegeben wird, muss auch herangeschafft werden. Manchmal von weither. Vor kurzem waren Tafel-Geschäftsführer Günter Spikofski und seine Kollegen in Niedersachsen, um dort Paletten mit frischem Rot- und Weißkohl abzuholen.

Wenn es in den Tafel-Läden Pizza gibt, dann stammt diese meist von einem Hersteller aus dem Westfälischen. Und Schokolade zum Beispiel gibt ein Aachener Süßwarenhersteller an die Duisburger ab. Auch Belgien und die Niederlande sind für die Helfer der Tafel nicht zu weit, wenn es dort Waren für die Kundschaft gibt. „In Duisburg gibt es nun einmal nicht so viele Lebensmittelproduzenten“, so Spikofski. Und die großen Discounter kalkulierten zunehmend so, dass möglichst wenig Überschussware anfällt. Auch wenn das Warenangebot manchmal knapp bemessen sei, „wir schicken keinen unversorgt weg“, so Spikofski. Wer nachmittags in den Tafelladen an der Brückenstraße kommt, findet dort in der Regel nur noch leere Regale, die an jedem Morgen aufs Neue gefüllt werden müssen. Das System der Duisburger Tafel ruht auf drei Säulen. Täglich werden die Läden in der Stadt angesteuert, die überschüssige Ware abzugeben haben. Regelmäßig fahren die Tafel-Wagen zu Unternehmen im Umland, die sich bereit erklärt haben, zu spenden. Und zum Dritten sorgt ein enges Netzwerk dafür, dass sich die „Tafeln“ gegenseitig unterstützen. Denn wenn an einem Standort weit mehr Waren anfallen, als dort benötigt werden, kommen die Nachbarn zum Zuge. Auf diese Weise gelingt es Spikofski und einen Kollegen, immer wieder frische Produkte in die Regale zu räumen und das Angebot möglichst vielfältig zu halten. Und wenn sich in der Stadt der Kinder- und Jugendtisch Immersatt und das Aktionsbündnis „Gemeinsam gegen Kälte“ sowie die Duisburger Tafel unterstützen können, „dann tun wir das auch“, so Spikofski. Denn der Bedarf an Hilfe sei hier sehr groß.

Unterstützt werden alle, die in Not sind. Hartz IV-Empfängern beispielsweise hilft die Duisburger Tafel, mit ihrem äußerst knappen Budget auszukommen. Migranten, die keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben und allenfalls Wohngeld beziehen, nehmen die Tafel ebenso gerne in Anspruch wie die vielen Senioren in der Stadt, deren Rente zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel ist. Obwohl Spikofski schon seit 30 Jahren als Sozialarbeiter tätig ist, gehen ihm viele der Schicksale immer noch an die Nieren. „Wenn sie einer weinenden alten Frau gegenüber sitzen, die ihr ganzes Leben lang gerackert hat und kaum Rente bekommt, dann lässt das wohl keinen kalt.“ Und oft würde er gerne mehr geben, als er kann.

Gerade jetzt, vor Weihnachten, bekommt er die Sorgen der bedürftigen Eltern mit, die zumindest ihren Kindern zum Fest mal etwas außer der Reihe geben wollen. Möglich ist dies in den meisten Fällen nur mit Unterstützung der Bürger, die seit 2007 Päckchen packen. Kurz vor Weihnachten werden die Spenden an einem Tag an die Tafel-Kunden ausgegeben, ein Anlass, zu dem sich schon früh am Morgen lange Schlangen vor dem Laden an der Brückenstraße bilden. Oberste Devise auch dann: Keiner soll mit leeren Händen nach Hause gehen.

Päckchen, die Freude bereiten sollen

Damit möglichst alle Kinder aus bedürftigen Duisburger Familien ein Weihnachtsgeschenk bekommen und auch ihre Eltern nicht ganz leer ausgehen, müssen die Bürger in unserer Stadt, die etwa abgeben können, mitziehen. Ab dem 8. und bis zum 19. Dezember können sie bei der Duisburger Tafel Weihnachtspäckchen abgeben, möglichst mit einem Inhaltszettel, was später die Ausgabe erhebliche erleichtert.

Inhalt können zum Beispiel Pflegeprodukte sein oder auch Kaffee, Nudeln und - gerade für Kinder - Süßigkeiten. Nicht erwünscht sind Frischwaren, weil sie bis zur Ausgabe verdorben sein könnten. Auch nicht in die Pakete gehören ausgemusterte Spielzeuge oder Plüschtiere. Wer in sein Päckchen ein Gesellschaftsspiel legt, der mag es zwar gut meinen, aber was soll damit eine Familie anfangen, die kein Wort Deutsch spricht und daher die Anleitung gar nicht lesen kann? Und auch wer meint, seinen Dachboden mal entrümpeln und den Kram, der auf den Sperrmüll gehört, bei der „Tafel“ abliefern zu können, sollte das lieber sein lassen. Auch wenn die Empfänger mittellos sind, das haben sie nicht verdient!

Die Spender sollten bedenken, dass diese Päckchen Freude bereiten sollen, also ruhig ein nettes Weihnachtskärtchen dazu legen und den Karton in Geschenkpapier einwickeln! Der sollte nur so schwer sein, dass ihn der Empfänger auch zu Fuß nach Hause tragen kann.

Wer mehr zur Duisburger Tafel und der Weihnachtspäckchen-Aktion wissen will, kann sich an die Einrichtung an der Brückenstraße 30 wenden, www.duisburger-tafel.de, Telefon: 0203 350180.

(aus: rp-online.de, 27.11.14)