Liebfrauenkirche wieder geöffnet

Nach langer Sanierungszeit wurde die Liebfrauenkirche mit einer Ausstellung zur Städteentwicklung wiedereröffnet. Auch die Angebote der Citypastoral gehen in vollem Umfang weiter. Berichte der Duisburger Lokalpresse.


Liebfrauenkirche ab sofort wieder eröffnet

Von Ingo Hoddick

Mit einer Ausstellung zur Städteentwicklung wurde gestern die denkmalgeschützte Kirche wiedereröffnet. Bei der Fassadengestaltung gab es keine Einigung mit dem Denkmalschutz.

Ab sofort hat Duisburg einen seiner profiliertesten Veranstaltungsorte wieder. Drei Jahre hat es gedauert, bis die Sanierung der denkmalgeschützten Liebfrauenkirche am König-Heinrich-Platz zumindest im Inneren abgeschlossen werden konnte. Es gab vielfältige Bauauflagen, damit das ehemalige Gotteshaus zur Versammlungsstätte umgebaut werden konnte, unter anderem vom Brandschutz. In die Decke wurden Luftschlitze eingebaut, es brauchte eine Sanitäranlage und das Gebäude ist jetzt barrierefrei. Prof. Hermans, der die Überarbeitung des Werks seines Vaters Toni Hermans geleitet hat, fasst es so zusammen: „Früher durften hier drin 500 Menschen ein Osterfeuer entzünden. Jetzt dürfen 350 Menschen nicht mal eine Kerze entzünden.“

2003 hatte das Bistum Essen das Gebäude aufgegeben, eine Bürgerinititiative sorgte für die Erhaltung der Liebfrauenkirche durch die „Stiftung Brennender Dornbusch“, in die unter anderem der Unternehmer Wilhelm Fasel 1,75 Millionen Euro einbrachte. Der gesamte Umbau hat bisher 1,8 Millionen Euro gekostet, die durch das Land NRW (886 000 Euro), den Verkauf von zwei Immobilien der Pfarrei Liebfrauen (der früheren Eigentürmerin dieser Kirche, 750 000 Euro) und einen Kredit der Stiftung aufgebracht wurden. Für die zukünftige Programmarbeit muss daher immer wieder neu Geld eingeworben oder der Raum vermietet werden. Jedenfalls kann nun der multifunktionale Raum im Obergeschoss (die Unterkirche dient weiter für Gottesdienste und der Meditation) als Begegnungsstätte der Religionen und Kulturen fungieren, mit Ausstellungen, Konzerten, Diskussionsveranstaltungen und Lesungen.

Ursprünglich nicht geplant war die Neugestaltung der Fassade der Kirche, von der immer wieder Schieferplatten unkontrolliert herunterfallen. Außerdem entspricht der vor 50 Jahren verwendete Leichtbeton nicht mehr den heutigen Ansprüchen und muss weitgehend erneuert werden. Die Stiftung hatte vorgeschlagen, die Fassade mit Polykarbonatplatten einzuhüllen, um dadurch nicht zuletzt nachhaltig Energie einzusparen. Doch das wurde von der Denkmalbehörde inzwischen endgültig abgelehnt. Pater Philipp Reichling als Vorstandsvorsitzender der Stiftung kommentiert dazu: „Die wollen nur alles unverändert erhalten, noch mehr als die katholische Kirche.“ Jetzt wird die Fassade lediglich mit einem einfachen Putz geschützt, ohne jegliche Wärmedämmung oder Energieeinsparung.

Zum Auftakt gibt es in der Liebfrauenkirche nun bis um 13. Oktober die sehenswerte Ausstellung „Dynamik und Wandel. Entwicklung der Städte am Rhein 1910-2010+“. Sie schlängelt sich mit Leuchttischen durch den Kirchenraum, die Texte und Bilder sind die „Kähne“ auf diesem „Fluss“. Erzählt werden Geschichten über Bonn, Köln, Düsseldorf, Leverkusen, Neuss und nicht zuletzt Duisburg sowie über Städte in ganz Europa. Es sind Geschichten vom Großstadtwerden, von den Spuren der Moderne im Rheinland, dem Wiederaufbau nach dem Krieg, vom Engagement der Bürger für die Erhaltung der alten Stadtgestalt in den 1970er Jahren, von Stadt-Wahrzeichen und großen Stadtwandelprojekten. Nach Köln (im Rheinforum) und Düsseldorf (im Landtag) ist die vielfältige und tiefgründige Schau nun also als letzte Station in der Liebfrauenkirche aufgebaut. Das Einmalige ist dabei das in der städtischen Modellwerkstatt entstandene Modell unserer Stadt, das in dieser Größe (25 Quadratmeter) noch nie zu sehen war. Geöffnet ist die Ausstellung bei freiem Eintritt dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr.

(aus: rp-online.de, 13.09.13)

Nach wie vor ist die Liebfrauenkirche eingerüstet. Die Denkmalschützer haben endgültige Nein zur von der Stiftung Brennender Dornbusch vorgeschlagenen Sanierung mit energiesparenden Polykarbonatplatten gesagt. RP-Foto: Andreas Probst
Nach wie vor ist die Liebfrauenkirche eingerüstet. Die Denkmalschützer haben endgültige Nein zur von der Stiftung Brennender Dornbusch vorgeschlagenen Sanierung mit energiesparenden Polykarbonatplatten gesagt. RP-Foto: Andreas Probst
lDr. Ursula Kleefisch-Jobst, Mitkuratorin der Ausstellung, und Pater Dr. Philipp Reichling, Stiftung Brennender Dornbusch, vor dem Stadtmodell. RP-Foto: Ralf Hohl
Dr. Ursula Kleefisch-Jobst, Mitkuratorin der Ausstellung, und Pater Dr. Philipp Reichling, Stiftung Brennender Dornbusch, vor dem Stadtmodell. RP-Foto: Ralf Hohl


Einzigartiger Wandel einer Kirche

Von Anne Horstmeier

Das „M:AI Museum für Architektur und Ingenieurbaukunst“ des Landes besteht aus vier Mitarbeitern. Über ein eigenes Gebäude verfügt es nicht. Mit seiner 2010 entwickelten Ausstellung „Dynamik und Wandel. Entwicklung der Städte am Rhein 1910-2010+“ wurde gestern die Liebfrauenkirche nach dreijähriger Bauzeit wieder eröffnet. „Ein wirklich einzigartiger Raum: Er erzählt die Geschichte der Transformation von der Kirche zu einem besonderen Ort für die Stadt und die Gesellschaft“, schwärmt Generalkuratorin Ursula Kleefisch-Jobst.

Die Ausstellung erzählt ebenfalls vom Wandel und reflektiert 100 Jahre Stadtentwicklung anhand der Rheinstädte Bonn, Köln, Düsseldorf, Leverkusen, Neuss und Duisburg. Die Leuchttische schlängeln sich wie ein Fluss durch den Raum, jede Stadt steht beispielhaft für globale Veränderungen, aber auch für die eigenen „Lebensläufe“. Duisburg ist die letzte Station der Ausstellung, und nur hier wird sie durch das 25 Quadratmeter große Duisburg-Modell ergänzt. Duisburg steht beispielhaft für das Kapitel „Stadtwandel“. Als der Innenhafen seine eigentliche Aufgabe verlor, mussten Ideen für eine neue Nutzung her. Wie das mit Hilfe von Norman Foster auf den Weg gebracht wurde, ist bekannt.

Ein Stadtspaziergang zu Anfang

Die Ausstellung erzählt vom „Großstadtwerden“ am Beispiel Kölns mit dem von Konrad Adenauer durchgesetzten Grüngürtel, von der „Stadtkarriere“ Leverkusens vom Aufstieg eines Dorfs zum international bekannten Industriestandort, vom „Wiederaufbau“ als autogerechte Stadt am Beispiel Düsseldorfs oder von der „Hauptstadt“: Bonn, das lange Provisorium blieb – und als dann der neue Plenarsaal fertig war, wurde der Umzug nach Berlin beschlossen.

Die Ausstellung bleibt bis 13. Oktober (dienstags bis sonntags 10 bis 18, donnerstags bis 20 Uhr). Das umfangreiche Begleitprogramm beginnt heute mit einem Stadtspaziergang. Beginn ist um 17 Uhr in der Ausstellung, dann geht es zu den Skulpturen auf der Königstraße. Info: 0209/925780, www.mai-nrw.de.

Fassade noch lange nicht fertig

Die Räumlichkeiten der katholischen Citypastoral werden am Samstag, 14. September, um 11 Uhr eröffnet. Die Unterkirche bietet neben Gottesdiensten um 11.45 Uhr den ganzen Tag über einen Ort der Ruhe. Das Team der Citypastoral steht aber auch für Gespräch, Begegnung und Informationen über die Angebote der katholischen Stadtkirche bereit.

Kein Ende in Sicht ist bei der Fertigstellung der Fassade. Sie muss aus zwei Gründen vorerst zum Teil eingerüstet bleiben: Weil die Schieferplatten marode sind und schlicht abfallen und weil weiter an der Sanierung des Leichtbetons gearbeitet werden muss. Dabei gebe es zwei Unbekannte, so Pater Dr. Philipp Reichling als Vorsitzender der Stiftung Brennender Dornbusch: Was gemacht werden muss, entscheide sich von Quadratmeter zu Quadratmeter – und das Wetter. Auch aus finanziellen Gründen bleibe da nur ein schrittweises Vorgehen.

Wie dann eine ästhetische Lösung aussehen wird, ist noch offen. Wie berichtet, hatten die städtischen Denkmalschützer eine innovative Lösung abgelehnt. Architekt Prof. Hannes Hermanns und die Stiftung hatten eine energetische Fassade aus Polykarbonplatten favorisiert. Auch hätte es dann neue Probleme mit dem Brandschutz gegeben. Vorerst wird die Fassade lediglich mit einfachem Putz geschützt.

Auch für die Sanierung der Orgel ist kein Geld da. „Das würde eine halbe Million Euro kosten – keine Chance“, so Pater Philipp.

(aus: derwesten.de, 12.09.13)

Bei der Ausstellung „Dynamik und Wandel - Entwicklung der Städte am Rhein 1910 - 2010+ „ ist auch das große Duisburg-Modell zu sehen. WAZ-Foto: Stephan Eickershoff
Bei der Ausstellung „Dynamik und Wandel - Entwicklung der Städte am Rhein 1910 - 2010+ „ ist auch das große Duisburg-Modell zu sehen. WAZ-Foto: Stephan Eickershoff