Kirchenumbau vor dem Abschluss

Eigentlich war die Wiedereröffnung der Liebfrauenkirche bereits für Mitte 2012 geplant. Dass daraus nichts geworden ist, liegt an unterschiedlichen Auffassungen von Bauherr und Denkmalschützern. Ein Bericht der WAZ.


Kirchenumbau vor dem Abschluss

Noch ist die ehemalige Pfarrkirche Liebfrauen am König-Heinrich-Platz eingerüstet. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)
Noch ist die ehemalige Pfarrkirche Liebfrauen am König-Heinrich-Platz eingerüstet. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)

Von Anne Horstmeier

Eigentlich war die Eröffnung der ehemaligen Pfarrkirche Liebfrauen am König-Heinrich-Platz, die zu einem Veranstaltungs- und Kulturzentrum umgebaut wird, für Mitte 2012 geplant. Dass daraus nichts geworden ist, liegt an unterschiedlichen Auffassungen von Bauherr und Denkmalschützern. „Die Fassadengestaltung hat uns große Probleme bereitet“, sagt Pater Dr. Philipp Reichling, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Brennender Dornbusch“, in deren Besitz die aufgegebene Kirche seit 2003 ist.

Im Januar 2011 hatte Prof. Hannes Hermanns – Sohn des Architekten Dr. Toni Hermanns, der die Kirche 1958 entworfen und gebaut hatte – eine innovative Lösung für die Fassade ins Gespräch gebracht: Eine Verkleidung mit Polycarbonat-Platten, die eine „verschleierte“ Sicht auf die Fassade erlaubt und die Sonnenstrahlen durchgelassen hätten. Aus der dadurch erwärmten Luft hätte Heizenergie gewonnen werden können.

Denkmalbehörde lehnte Vorschlag ab

Damals signalisierte Dr. Claudia Euskirchen von der Unteren Denkmalbehörde zunächst keine Bedenken: „Die jetzige Fassade stammt von 1962 und war von Toni Hermanns nie so gedacht.“ Doch dann lehnte die Denkmalbehörde den Vorschlag ab. Kunststoff dürfe nicht eingesetzt werden, stattdessen sollten Zementfaserplatten verwendet werden.

„Ich verstehe das nicht“, so Pater Philipp. „Polycarbonat wird abgelehnt, aber Zementfaserplatten, wo vorher Naturstein war, wird erlaubt.“ Schließlich würde auch dieses Material die Fassade verändern. Offenbar wolle man innovative Lösungen in Duisburg nicht.

Begründung des Denkmalschutz

Polycarbonat sei „ein dem Baudenkmal fremder Werkstoff“, der „zu einer gravierenden Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes“ geführt hätte. So begründet der Denkmalschutz die Ablehnung, sagt Georg Puhe von Technischen Dezernat. Der Kunststoff hätte dem Denkmal eine „völlig fremde Prägung im Stadtbild“ gegeben. Außerdem wisse man nicht, wie sich Polycarbonat verhalte, es gebe keine Gebrauchsmuster. Zementfaserplatten (mit Dämmung) hingegen veränderten den Grundcharakter des Gebäudes nicht. Die Faltfenster an den Seiten dürfen hingegen mit Polycarbonat verkleidet werden, so Puhe.

Jetzt gibt es eine vorläufige Lösung, sagt Pater Philipp: „Der Beton wird saniert, dann sehen wir weiter.“ Die Kosten der Renovierung steigen aber nicht nur wegen des Fassadenstreits, sondern auch durch den Abriss der angrenzenden Justizvollzugsanstalt. „Jetzt haben wir noch eine Außenwand von 500 Quadratmetern, die bearbeitet werden muss.“

Warten auf die Bauabnahme

Aber eigentlich wolle man lieber nach vorne schauen und warte auf die Bauabnahme, von der auch der Eröffnungstermin abhängt. „Der Innenausbau ist sehr schön geworden“, verspricht Pater Philipp.

(aus: derwesten.de, 28.04.13)