Liebfrauenkirche vor einer neuen Ära

Früher reine Gemeindekirche, ist die Liebfrauenkirche in der Innenstadt heute eine kulturelle Versammlungsstätte. Zurzeit laufen schwierige Verhandlungen mit dem Denkmalschutz wegen der Fassadengestaltung. Ein Bericht der RP.


Liebfrauenkirche vor einer neuen Ära

Pater Dr. Philipp E. Reichling hofft, dass die Liebfrauenkirche spätestens Pfingsten als neue kulturelle Versammlungsstätte genutzt werden kann. ((RP-Foto: Andreas Probst)
Pater Dr. Philipp E. Reichling hofft, dass die Liebfrauenkirche spätestens Pfingsten als neue kulturelle Versammlungsstätte genutzt werden kann. ((RP-Foto: Andreas Probst)

VON PETER KLUCKEN

Früher reine Gemeindekirche, ist die Liebfrauenkirche in der Innenstadt heute eine kulturelle Versammlungsstätte. Zurzeit laufen schwierige Verhandlungen mit dem Denkmalschutz wegen der Fassadengestaltung.

Das Schicksal der benachbarten Mercator-Halle, die trotz großer Proteste 2005 abgerissen wurde, um dem CityPalais Platz zu machen, blieb der Liebfrauenkirche bekanntlich erspart. Das Bistum Essen wollte (oder konnte) zwar keine Gelder für die denkmalgeschützte Kirche zur Verfügung stellen. Doch die Stiftung Brennender Dornbusch, deren Name sich von dem Relief am Eingangsbereich ableitet, setzte (und setzt) sich mit Erfolg für den Erhalt der Liebfrauenkirche ein. Für eine Art Anschubfinanzierung sorgte schließlich die Fasel-Stiftung, deren Grundstock das Erbe des Duisburger Unternehmers Wilhelm Fasel (1912–2009) ist.

Das ist die Vorgeschichte der neuen Ära, die nun für die Liebfrauenkirche beginnt. Monatelang war der Bau eingerüstet. Der Grund ist die Außenfassade des Kirchbaus. Die Schieferplatten waren im Laufe der Jahre nicht nur unansehnlich geworden. Immer wieder kam es in der Vergangenheit vor, dass einzelne Platten herabfielen. Es musste gehandelt werden, da Gefahr in Verzug war.

Im vergangenen Frühjahr begannen die aufwendigen Restaurierungsarbeiten an der „Außenhaut“: Zugleich wurde im Innern der Kirche an deren Umgestaltung zu einem neuen kulturellen Zentrum gearbeitet. Diese Arbeiten stehen, wie Pater Dr. Philipp E. Reichling, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Brennender Dornbusch, jetzt im RP-Gespräch mitteilte, vor dem Abschluss. „Kurz nach Ostern, spätestens an Pfingsten können wir die Türen der Liebfrauenkirche für größere Veranstaltungen wieder öffnen“, versichert Pater Philipp, der seine Heimat in der Hamborner Abtei hat.

In den vergangenen Monaten wurden unter anderem Sanitäranlagen und eine Küche eingebaut, die Elektrifizierung wurde komplett erneuert. Außerdem bekam die Kirche einen Aufzug, damit auch Gehbehinderte die Veranstaltungsräume nutzen können. Ein Kapitel für sich war, wie jetzt bei vielen öffentlichen Gebäuden in Duisburg, der Brandschutz. Da die Liebfrauenkirche künftig nicht mehr in erster Linie als Gottesdienstraum genutzt wird, gilt für sie die so genannte „Versammlungsstättenverordnung“, die einen noch strengeren Brandschutz verlangt als es bei einer Kirche der Fall ist.

Die Liebfrauenkirche besteht aus einer Unter- und einer Oberkirche. Die kleinere Unterkirche soll als Stadtkirche weiterhin Gläubigen zum Beten und für besondere Gottesdienste zur Verfügung stehen. Zum Konzept der neuen Liebfrauenkirche gehört auch, dass sie in Duisburg ein Ort für den interreligiösen Dialog sein soll.

Die Oberkirche bietet Platz für bis zu 350 Menschen. Es würden vermutlich noch viel mehr Menschen in den großen Saal passen, doch sperren sich dagegen die Ordnungsbehörden. Der Saal selber kann für ganz unterschiedliche Veranstaltungen genutzt werden. Pater Philipp weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Liebfrauenkirche gerade jetzt eine gute Ausweichmöglichkeit für Tagungen sei. Langfristig sucht die Stiftung Brennender Dornbusch nach einem starken Partner, mit dessen Unterstützung die Liebfrauenkirche kontinuierlich mit Leben gefüllt werden kann.

Ein Problem ist bislang allerdings noch nicht gelöst: die neue Fassade. Nachdem die maroden Platten entfernt und der darunter befindliche Ytong-Stein abgetragen wurde, blickt man auf den nackten Beton. Der leitende Architekt Hannes Hermanns, dessen Vater Toni Hermanns die Kirche gebaut hat, würde gerne den gesamten Bau mit transparenten Polykarbonatplatten umhüllen. Das wäre keineswegs nur eine moderne Verkleidung, sondern ein neues energetisches Konzept. Die Polycarbonat-Platten dienen nicht nur der Isolierung, sie können auch zur aktiven Wärmegewinnung genutzt werden.

Über das entsprechende Know How verfügt Günter Pfeifer, Architekt an der Technischen Universität Darmstadt. Pfeifer und Hermanns schlagen diese Lösung für die Liebfrauenkirche am König-Heinrich-Platz vor.

Auch bei der Stiftung Brennender Dornbusch hat man viel Sympathie für diese Planung. Bislang hat der Denkmalschutz aber noch Bedenken. Dagegen wendet Hannes Hermanns ein, dass sein Vater, der vor drei Jahren im Alter von 96 gestorben ist, stets offen für neue technische Möglichkeiten gewesen sei. Auch vertrüge die neue Liebfrauenkirche, so die Architekten Pfeifer und Hermanns unisono, die transparente Polykarbonat-Lösung. Die passe sogar gut zur Ästhetik des Bauwerks, das im Stil des sogenannten „Brutalismus“ errichtet wurde und moderne technische Errungenschaften durchaus zulasse.

Pater Philipp hofft auch darauf, dass die Liebfrauenkirche in der Innenstadt mit einer Polykarbonat-Fassade Vorbild für die Instandsetzung weiterer Gebäude sein kann. Bei Kostenverhandlungen könne man dieses Argument als Trumpf auf den Tisch bringen.


Geschichtliches

Aus der Vatikankirche der Weltausstellung '58

Nachfolgebau: Die heutige Liebfrauenkirche ist der Nachfolgebau der 1942 zerstörten alten Liebfrauenkirche, die neben der Salvatorkirche stand.

Architektur: Der doppelgeschossige Stahlbetonbau wurde im Architekturstil des Brutalismus errichtet. Die Glasfenster, der Altar-Baldachin und andere Einrichtungsgegenstände stammen aus der Vatikankirche der Brüsseler Weltausstellung von 1958. Das Relief vom Brennenden Dornbusch schuf der Bildhauer K.H. Türk.

(aus: rp-online.de.de, 30.03.13)