100 Jahre St. Gabriel | 15.09.12

Am 15. September 1912 wurde die Kirche St. Gabriel durch den Münsteraner Weihbischof Everhard Illigens konsekriert. Zum 100-jährigen Jubiläum kommt Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck nach Neudorf. Ein Bericht der WAZ.


Florierende Gemeinde feiert Jubiläum

Von Fabienne Piepiora

Die Gute ist etwas in die Jahre gekommen, aber das sieht man ihr – zum Glück – nicht an. Die Kirche St. Gabriel wurde vor 100 Jahren gebaut. Denn damals zählte der Stadtteil 18.000 Katholiken, die sich regelmäßig zum Gottesdienst in die Ludgerikirche quetschten. Das Bistum entschloss sich also, neu zu bauen. Im September will die Neudorfer Gemeinde dieses Ereignis groß feiern. Sie zählt immer noch zu einer der aktiveren Gemeinschaften, auch wenn sich die Zeiten für die Kirche sehr verändert haben.

Diözesanbaurat Blanke machte sich damals Gedanken, wie ein neues Gotteshaus aussehen könnte. Er fand ein Vorbild im mittelrheinischen Oberwesel. „Wir waren neulich dort und haben unsere Kirche gut wiedererkannt“, sagt Hans Peters. Er ist Mitglied im Kirchenvorstand von St. Gabriel, hat sich intensiv mit der Geschichte des Gotteshauses befasst und organisiert mit einem Komitee das Festjahr.

 

Fachkräftemangel in der Kirche

Die Kirche ist von innen schlicht gehalten. Pfeiler stützen das Gemäuer, sie wirken nicht so wuchtig wie in anderen Kirchen. Die Deckenbögen sind kaum bemalt, dafür sind die Fenster umso prachtvoller. Auf der ursprünglichen Zeichnung ist noch ein Kirchenturm zu sehen. Aber damals ging der Gemeinde das Geld aus.

„Auch damals gab es schon eine Kirchensteuer und wenn eine neue gebaut werden sollte, hat man zusätzlich bei den Mitgliedern gesammelt“, weiß Hans Peters. Nur irgendwann waren die Mittel eben erschöpft, die Kirche allerdings benutzbar und man entschied, den Turm erst später anzubauen. „Damals stand die Kirche auf einem Acker. Außer der Schule gab es noch nichts in Neudorf .“

Das Gemeindeleben florierte in den 20er Jahren. Das gutbürgerliche Neudorf war zur Hälfte katholisch, die anderen Hälfte evangelisch. Die Kirche hatte Bedeutung für das gesellschaftliche Leben. Später kam der Krieg. St. Gabriel blieb verschont, nur einige Fenster splitterten, als die Bomben fielen.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man dann weiterbauen, aber die Zeiten der Machtdemonstration von Kirche waren vorbei“, erinnert sich Hans Peters. Der prachtvolle Turm wurde deshalb nicht mehr hochgezogen. Stattdessen entschied man sich für eine schlichtere Lösung.

Auch heute ist die Gemeinde noch aktiv und zählt 6500 Mitglieder. „Hier gibt es eine schöne Gemeinschaft“, sagt Gemeinderätin Claudia Flintrop. Als ihr Nachwuchs den Kindergarten von St. Gabriel besuchte, wuchs sie in die Arbeit hinein. Und auch die beiden „Neuen“ Franz-Josef Willems und Günter Böhmer, die von St. Anna herüberkamen, als die Kirche dort dichtgemacht wurde, fühlen sich wohl. „Es gab vorher schon eine Zusammenarbeit.“

Trotzdem haben die beiden natürlich für den Erhalt ihres Gotteshauses gekämpft. Momentan finden in St. Anna nur noch sporadisch Veranstaltungen statt.

Was die Gemeinde aber viel schlimmer trifft: Sie hat keinen eigenen Pfarrer mehr. Das angegliederte Pfarrhaus wird nur noch zur Hälfte von Gruppen genutzt. Das Wohngebäude steht leer, weil sich einfach kein neuer Pastor finden will. Auch in der katholischen Kirche herrscht Fachkräftemangel. Der zuständige Pastor Rainer Hesse betreut deshalb den Bezirk Neudorf/Duissern. Seinen Gottesdienst muss er allerdings nicht alleine schieben, auch ein Pater aus der Abtei und zwei weitere Seelsorger unterstützen ihn dabei.

 

Pastor wird entlastet

Und die Gemeindemitglieder tun ihr übriges. Hans Peters ist immer da, wenn man ihn ruft, schließt das Gotteshaus ab und auf und kommt auch herbeigeeilt, wenn der Aufzug im Gemeindehaus streikt. „Das tun wir alles, um den Pastor zu entlasten, damit er sich auf seine Aufgaben konzentrieren kann.“ Sie machen es gerne.

Auf den Feiertag im September freuen sie sich bereits. Am 15. September wird es in St. Gabriel zum Weihetag ein Festhochamt geben, zu dem auch Bischof Overbeck erwartet wird. Zudem gestalten die verschiedenen Gruppen der Gemeinde den Ehrentag. „Wenn es bei uns einen Gottesdienst gibt, ist die Kirche voll“, so Hans Peters. Wenn es was zu feiern gibt, natürlich auch.

(aus: derwesten.de, 26.08.12)

Gemeindekirche St. Gabriel
Gemeindekirche St. Gabriel
Hans Peters und Claudia Flintrop engagieren sich in der Gemeinde. (Foto: WAZ)
Hans Peters und Claudia Flintrop engagieren sich in der Gemeinde. (Foto: WAZ)


Festhochamt am 15. September

Das Festhochamt zum 100. Jahrestag der Kirchweihe wird am Samstag, 15. September um 17:15 Uhr gefeiert. Die Messe hält Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck.

Der Kirchenchor St. Gabriel singt die „Missa brevis in B-Dur KV 275“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Zu den Ausführenden gehören außerdem Simone Klostermann (Sopran), Franziska Orendi (Alt), Ywa Kim (Tenor), Cesar Dimartor (Bass), Marlis Reichard (Orgel) und ein Streichensemble. Die Leitung hat Andreas Pieper.