Liebfrauenkirche ohne Fassade

Die Restaurierung der Liebfrauenkirche ist aufwendiger als gedacht. Wenn das Gerüst abgebaut ist, wird man vorerst nur auf den nackten Beton blicken. Ein Bericht der Rheinischen Post


Liebfrauen ohne Fassade

Von PETER KLUCKEN

Die Restaurierung der Liebfrauenkirche, die zu einer kulturellen Versammlungsstätte umgestaltet wird, ist noch aufwendiger als gedacht. Wenn das Gerüst abgebaut ist, wird man vorerst nur auf den nackten Beton blicken.

Noch für Monate wird die Liebfrauenkirche am Stadttheater eingerüstet bleiben. Der Grund ist die Außenfassade des denkmalgeschützten Gebäudes. Die Schieferplatten waren nicht nur unansehnlich geworden. Immer wieder kam es in der Vergangenheit vor, dass einzelne Platten herabfielen. Glücklicherweise ist dabei niemand verletzt worden. Da Gefahr in Verzug war, musste aber gehandelt werden.

Die notgedrungenen Arbeiten an der Außenfassade treffen mit den geplanten Arbeiten zur Umgestaltung der Liebfrauenkirche im Innern zusammen. Wie berichtet, wird die Liebfrauenkirche zu einem Veranstaltungs- und Kulturzentrum umgebaut. Diese Umnutzung, für die sich die Stiftung Brennender Dornbusch stark gemacht hat, bewahrt den 1958 eingeweihten Kirchbau vor dem Abriss.

Der Stiftung, die nach dem Sandstein-Relief an der Hauptfassade der Kirche benannt ist, war es gelungen, 886.000 Euro vom Landesministerium Bauen, Wohnen und Verkehr für die Umgestaltung „einzuwerben“. Rund 200.000 Euro gab die Stiftung aus ihren eigenen Mitteln hinzu. Mit diesem Geld werden Sanitäranlagen und eine Küche eingebaut, die Elektrifizierung wird komplett erneuert, und es wird ein funktionstüchtiger Personenaufzug eingebaut, damit auch Gehbehinderte die Veranstaltungsräume aufsuchen können.

Hinzu kommt, dass bei der Umnutzung der Kirche neue Vorschriften beachtet werden müssen, die der „Versammlungsstättenverordnung“ entsprechen. Da musste am Brandschutz nachgebessert und für Barrierefreiheit in Gebäudeteilen gesorgt werden, die vorher Fußgängern vorbehalten waren.

Förderbescheid

Froh ist Pater Dr. Philipp E. Reichling, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Brennender Dornbusch, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Restaurierung der Bleiverglasung der Kirche teilweise übernahm.

Aber die Finanzmittel der Duisburger Stiftung sind endlich. Die Kosten für die Umgestaltung im Innern sind hoch, doch waren sie seit dem positiven Förderbescheid des Landesministeriums kalkulierbar. Doch die nun nötigen Fassadenarbeiten verursachen Mehrkosten, die die Stiftung Brennender Dornbusch „gerade noch tragen kann“, so Pater Philipp, der zur Gemeinschaft des Prämonstratenser-Ordens gehört und in der Abtei Hamborn lebt. Das heißt aber auch, dass eine Neugestaltung der Fassade vorerst nicht finanziert werden kann. Deshalb wird jetzt nur die Schieferfassade und der darunter befindliche Ytong abgetragen und der entblößte Beton grundsaniert. Wenn die Liebfrauenkirche im nächsten Jahr als neuer kultureller Versammlungsort mit einem dem Gebäude gemäßen Programm genutzt wird, dann wird die Liebfrauenkirche von außen nur nackten Beton zeigen. Für eine Fassadenneugestaltung müsse man, so Pater Philipp, nach Rücksprache mit der Denkmalbehörde und dem Bauamt langfristig nach neuen Lösungen suchen.

Anfang 2011 war mal „angedacht worden“, eine Fassade zu bauen, die zugleich als Energieträger (etwa mit Solartechnik) genutzt werden kann. Das ist noch Utopie.

(aus: Rheinische Post, 30.06.12)

Die verkleideten Fassaden der Liebfrauenkirche lassen erahnen, dass sich die Sanierung aufwendig gestaltet. Sie war notwendig geworden, weil immer wieder einzelne Schieferplatten herunterfielen. (RP-Foto: Andreas Probst)
Die verkleideten Fassaden der Liebfrauenkirche lassen erahnen, dass sich die Sanierung aufwendig gestaltet. Sie war notwendig geworden, weil immer wieder einzelne Schieferplatten herunterfielen. (RP-Foto: Andreas Probst)
Auch von innen gleicht die ehemalige Kirche inzwischen eher einer Baustelle. Die Kosten der Umgestaltung sind hoch. (RP-Foto: Andreas Probst)
Auch von innen gleicht die ehemalige Kirche inzwischen eher einer Baustelle. Die Kosten der Umgestaltung sind hoch. (RP-Foto: Andreas Probst)