St. Bonifatius schließt im März

Am Samstag, 4. März feiern wir zum letzten Mal die hl. Messe in St. Bonifatius. Die 1912 geweihte Hochfelder Kirche - eine der ältesten der Pfarrei - beherbergt künftig die koptische Gemeinde.

Lesen Sie hier den Brief, den Pastor Burkhard Jehl dazu an seine Gemeinde Christus König geschrieben hat.


Liebe Schwestern, liebe Brüder!

St. Bonifatius mit Marien-Klinik
St. Bonifatius mit Marien-Klinik

„Mensch bist du alt geworden!“ - das haben Sie vielleicht auch schon mal gedacht, als Sie einen Bekannten nach längerer Zeit wieder getroffen haben. Und hoffentlich haben Sie es nicht gesagt! Denn das kommt vielleicht nicht so gut an. Dabei ist der Vorgang ja ein ganz normaler: wir verändern uns im Laufe der Zeit. Und das heißt auch immer: wir werden älter. Wir bemerken es es nur selber nicht, weil die Veränderungen morgens im Spiegel von Tag zu Tag nicht wahrnehmbar sind. Aber beim Anblick von gar nicht so alten Fotos merkt man: die Zeit ist auch in unserem Leben nicht spurlos an uns vorübergegangen. Da braucht es schon den Jahreswechsel, um einmal wieder draufzuschauen: Wie sieht's eigentlich aus: mit mir? Mit der Welt? Mit Gott? Hat sich nicht auch 2016 so manches verändert? Veränderungen zeigen ja auch, dass wir lebendig sind, dass sich unser Leben nicht festhalten lässt, sondern sich beständig verwandelt. Und wir Christen sind nüchterne Menschen, wir wissen darum. Das Ziel unseres Lebens liegt eben nicht in dieser Zeit, sondern in Gottes neuer Welt.

Was für uns ganz persönlich gilt, das gilt auch für uns als Kirche in Hochfeld. Natürlich ist jetzt, zu Beginn des Jahres, der Eindruck einer gut besuchten Christmette in St. Bonifatius noch frisch. Und es hat gutgetan, das zu erleben. So kann Kirche also auch sein. So voller Menschen und voller Gesang. Aber machen wir uns nichts vor: die Vorabendmessen in St. Bonifatius sind recht mäßig besucht. Nur wir haben uns schon sehr daran gewöhnt. Erschreckt haben mich die Zahlen der Statistik von 2016 für unsere Gemeinde: Keine 20 Taufen mehr (18), 12 Kommunionkinder, 8 Firmlinge, noch nicht einmal 40 Beerdigungen (37). Unsere Gemeinde schrumpft und wird älter. Es fehlt an Kindern, es fehlt an der nachfolgenden Generation. So haben wir uns im letzten Jahr aufgemacht, um zu schauen, was braucht die zukünftig zusammengeschrumpfte Hochfelder Gemeinde? Welches Erbe übergeben wir ihnen? Es ist wichtig, dass dieser Frage nachgegangen wird.

Wir können nicht einfach so tun, als ob es das alles nicht gäbe. Wir können unsere Probleme nicht einfach der nächsten Generation an Christen in Hochfeld aufladen. Das will ich auf keinen Fall.

Darum werden wir uns - wie im letzten Sommer angekündigt - in diesem Jahr von der St. Bonifatius-Kirche verabschieden müssen. Am 4. März werden wir dort den letzten Gottesdienst feiern. Das tut weh, das schmerzt, das macht vielleicht auch wütend, sicherlich auch sehr traurig.

 

„Mensch, liebe Kirche in Hochfeld, was bist du alt geworden!“. Vielleicht merken wir es nicht, wenn wir Sonntag für Sonntag in unserer Kirchenbank sitzen. Aber wie gesagt: die Zahlen vom letzten Jahr haben mich kräftig wachgerüttelt.

Für die St. Bonifatius-Kirche ist gut gesorgt. Die Koptische Gemeinde wird für die nächsten Jahre Kirche und Gemeindesaal übernehmen. Dafür bin ich ihrem Bischof Damian und P. Sorial sehr dankbar.

So werden wir uns zunächst in unserer Gemeinde auf den Standort Christus König konzentrieren, mit dem Sozialzentrum St. Peter und der Helios Marien-Klinik als weitere Gottesdienstorte. Dabei gilt es aber, die weitere Gemeinde- und Pfarreientwicklung im Blick zu haben, um in einigen Jahren ein zukunftsfähiges Konzept für Christus König umzusetzen.

 

Ich glaube, Gott wird uns zeigen, was wir für neue Möglichkeiten als Christen in Hochfeld haben. Nur um sie zu entdecken, müssen wir erst loslassen und dann gemeinsam losgehen. Ich baue dabei fest auf Gottes Wegbegleitung! Auf seinen Segen können wir uns trotz allem verlassen! Auch im Jahr 2017! Diesen erbitte und wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen!

Ihr Pastor
Burkhard Jehl


Historisches

Seit 1861 wird in Hochfeld Gottesdienst gefeiert. Die 1871/72 erbaute Notkirche wurde 1911/12 durch die heutige neoromanische Bonifatiuskirche ersetzt. Zeitgleich mit St. Joseph und St. Ludger wurde St. Bonifatius 1892 zur eigenständigen Pfarrei erhoben und gehörte damit zu den ersten Tochterpfarreien der alten Liebfrauengemeinde.

Mehr zur Geschichte von St. Bonifatius finden Sie hier: