Religiöse Mitte in Duisburg

Pater Hermann Olthof ist seit 1975 Pastor der Karmelgemeinde, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Die Rheinische Post hat ein Interview mit ihm geführt.


Religiöse Mitte in Duisburg

Pater Hermann sucht nach spirituellen Wegen, auf denen Menschen von heute gehen können. (RP-Foto: Andreas Probst)
Pater Hermann sucht nach spirituellen Wegen, auf denen Menschen von heute gehen können. (RP-Foto: Andreas Probst)

Pater Hermann Olthof, 1939 in Zenderen (Niederlande) geboren, ist seit 1975 Pastor der Karmelgemeinde in Duisburg, die heute Teilgemeinde der Pfarrei Liebfrauen ist. Der Karmelorden ist seit 1961 in Duisburg. Bis 2002 lebten in der Gemeinde Karmelitinnen, die nun in Essen bei den Schwestern der Heiligen Elisabeth eine neue Stätte gefunden haben. Mit Pater Hermann sprach Redakteur Peter Klucken.


In diesem Jahr feiert die Karmelgemeinde ihr 50-jähriges Bestehen. Ist dieses Ereignis für Sie, der Sie seit 36 Jahren Pastor in dieser Gemeinde sind, ein besonderer Einschnitt?

Pater Hermann Es ist für mich ein Anlass, an dem ich zurückschaue und vorausschaue.


Sie selber haben in den 36 Jahren, in denen Sie hier in Duisburg leben und arbeiten, viele Veränderungen erleben können. War der Weggang der Ordensschwestern aus Ihrer Sicht die größte Veränderung im Gemeindeleben?

Pater Hermann Es war in der Tat eine der größten Veränderungen. Allerdings eine schmerzhafte Veränderung. Denn die Schwestern bildeten eine wichtige Mitte im Karmel. Ich und viele anderen Menschen fühlten uns von dieser Mitte her getragen und gestützt.


Wer stützt Sie nun?

Pater Hermann Wir haben in der Karmelgemeinde einige Gruppen, wie die Bibelgruppen und die Gruppe Contemplatio und Stille und andere kontemplative Gruppen. Vor allem aber die jetzige neue Karmelkommunität bietet viel Stütze und Halt.


Diese Karmelkommunität müssen Sie wohl erklären.

Pater Hermann Das ehemalige Haus der Ordensschwestern wurde umgebaut; zehn Wohneinheiten wurden eingerichtet. Dann wurden Menschen eingeladen, die mit uns in der Spiritualität des Karmel leben wollen. Ob Mann oder Frau, verheiratet oder nicht verheiratet, spielt keine Rolle.


Welche Menschen leben nun dort, welchen Beruf haben sie zum Beispiel?

Pater Hermann Die Männer und Frauen, die dort leben, sind selbstständig und üben einen Beruf aus. Etwa: Krankenschwester im Hospiz, Finanzbeamter, Pastoralreferentin, eine ehemalige Leiterin eines Seniorenheimes oder ein ehemaliger Theologieprofessor.


Sie meinen Prof Dr. Franz-Josef Nocke.

Pater Hermann Ja, er hat gerade das Büchlein „Ja sagen zum Alter“ geschrieben. Und diese Bewohner leben mit uns drei Karmelitern, also Pater Wilfried, der Provinzial der Karmeliter ist, Pater Anton, früher Kamp-Lintfort, und eben ich.


Die Karmelgemeinde hat eine Sonderrolle, sie nennt sich Personalgemeinde. Was bedeutet das?

Pater Hermann Die Personalgemeinde hat keinen fest umschriebenen Bezirk, sondern es kommen dort Leute aus allen möglichen Stadtteilen zusammen. Michael Roth, Sprecher des Karmelrates, wohnt beispielsweise in Buchholz und nicht in der Innenstadt. Man kann das vielleicht so erklären: Die Karmelgemeinde ist mehr religiöses Zentrum als Ortsgemeinde.


Was bedeutet das für Ihr Selbstverständnis als Seelsorger?

Pater Hermann Ich bin Angehöriger des Karmelordens und versuche die Spiritualität des Karmel zu betonen, zu leben, zu verkünden. Das heißt nach dem Beispiel des Propheten Elia: Die Gegenwart Gottes zu bezeugen und sein Wort zu verkünden. Auf dem Berg Karmel hat der Prophet Elia gelebt.


Das hört sich sehr fromm an, aber Sie gelten als progressiv. Wie geht das bei Ihnen zusammen?

Pater Hermann Wir müssen nach Möglichkeiten und Formen suchen, die der heutigen Zeit und dem Empfinden von Menschen entsprechen. Es geht um einen Zugang zu Gott und Umgang mit Gott.


Als Personalgemeinde haben Sie keine genau zählbaren Gemeindemitglieder. Wen würden Sie denn selber als Gemeindemitglied bezeichnen?

Pater Hermann Leute, die sich zu uns zugehörig fühlen, weil sie hier am Ort andere finden, mit denen sie sich zusammentun, um nach Gott zu fragen. Wir haben keine Mitglieder-Karteikarten, sondern „nur“ Kontakte.


Besteht da nicht die Gefahr, die Welt mit ihren Chancen und Problemen aus dem Blick zu verlieren?

Pater Hermann Im Gegenteil! Wer Gott im Blick hat, hat den Menschen und die Welt im Blick.


Danke für das Gespräch.

Pater Hermann War mir eine Freude.

 

Info: Karmel-Orden

Der Karmel-Orden ist nach dem Berg Karmel in Israel benannt. Dort lebten im 12. Jahrhundert einige Eremiten, die sich zu einer Lebensgemeinschaft zusammen taten.

Sie lebten auf dem Karmel nach dem Beispiel des Propheten Elia und machten das Leitwort dieses Propheten zu eigen „Gott lebt, ich eifere für ihn mit einem heiligen Eifer“.

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte entwickelte sich diese Gemeinschaft zur Ordensgemeinschaft. Einen Ordensgründer im üblichen Sinne gibt es nicht.

 

(aus: Rheinische Post, 17.09.11)